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Geheimnisvolle Räuberhöhle

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Von: Kai Zuber

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Ein alter Mann mit blauer Jacke und dunkler Kappe beugt sich über eine historische Karte.
Hartmut Bock hat die Räubergeschichte seines Großvaters Alfred anhand dieser alten Karten rekonstruiert. © Kai Zuber

Rund 100 Publikationen hat der pensionierte Lehrer, Hobby-Archäologe und Jübarer Ortschronist Hartmut Bock bislang veröffentlicht. Eine historisch überlieferte Geschichte hielt der 77-Jährige jedoch bis heute zurück. Die Story, die Bocks Großvater Alfred einst seinem Enkel erzählte, begeistert den Junior seit seiner Kindheit.

Gladdenstedt / Jübar – Es ist eine abenteuerliche „Räuberpistole“, die in den 1890er Jahren in Jübar und Umgebung in aller Munde war. Bürger hoben nämlich in der Region eine echte Räuberhöhle aus, die mitten im Wald in einer Kiefernschonung wie eine Erdhöhle mit Dach, Ofen und Schornstein angelegt war. Die „Unterkunft“ war mit allerhand einfachem Komfort ausgestattet. Ortschronist Hartmut Bock ließ für die AZ jüngst den historischem Krimi bei Gladdenstedt noch einmal Revue passieren. Die Behausung soll ungefähr dort gestanden haben, wo heute das moderne Spanplattenwerk zu finden ist. „Es war die Zeit, als mein Großvater noch ein Schuljunge war. Da passierte etwas Eigenartiges. Es fiel auf, dass hier und da gestohlen wurde“, beginnt der 77-Jährige seine Geschichte. Aus dem Radenbecker Schützenhaus fehlte der Ofen und von den Höfen verschwanden Schafe, Gänse und Hühner. Auch andere Diebstähle und Delikte häuften sich. Der junge Alfred Bock war der Sohn des Lehrers Heinrich Bock und er hat das Geschehen als Schüler miterlebt. „Eines Tages war ein Jübarer Jäger an der Jagdgrenze zu Gladdenstedt unterwegs und entdeckte, dass in der besagten Kiefernschonung aus einem Ofenrohr Rauch aufstieg“, berichtet Bock. An der Jagdgrenze legte der Weidmann nun sein Gewehr ab und pirschte dann die Rauchsäule über dem Erdhügel an.

Ein Luftbild zeigt eine bewaldete Landschaft mit einigen Wasserflächen.
Die Region um Nettgau, Gladdenstedt, Hanum, Lüdelsen mit dem Spanplattenwerk und Lüdelsener See aus der Luft. Dort trug sich um 1890 die Geschichte um die Räuberhöhle zu. Das Areal war damals nahezu komplett bewaldet. © Kai Zuber

Fazit: Der Dorfpolizist Watzinkowski wurde alarmiert. Mit dem Gladdenstedter Gastwirt und dem Dorfschulzen nebst Gefolge ging es dann zurück zur Räuberhöhle. Der Dorfpolizist hatte eine Pistole und der Rest des Aufgebotes war mit Knüppeln und Forken bewaffnet. Mit einer Hacke öffnete ein Bauer das Dach der Höhle und eine gerupfte Gans kam zum Vorschein. Weil der Dorf-Sheriff sich nicht in die Räuberhöhle traute, schritt der alte Gastwirt Herms aus Gladdenstedt samt Knüppel zur Tat. Resultat: Einer der beiden Räuber wurde geschnappt, der andere blieb verschwunden. Die Bürgerwehr berichtete, dass in der Höhle das ganze Diebesgut aus der Gegend gefunden wurde. „Es stellte sich heraus, das es sich bei den Räubern um zwei Zuchthäusler handelte, die aus dem Knast geflohen waren und bereits zehn Jahre in dem gemütlich eingerichteten Erdloch hausten“, erzählt Hartmut Bock. Für die Kinder in der Region, unter anderem auch Alfred Bock, war die Räuberhöhle natürlich eine Attraktion, die man damals nicht verpassen durfte.

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