Hähnchenmastanlage Neuekrug: Jetzt soll Gemeinderat darüber entscheiden

Investor lehnt Unterschriften ab

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Neuekrug. Eine kurzfristig einberufene Sitzung des Diesdorfer Bauausschuss hatte die Hähnchenmastanlage Neuekrug zum Thema. Diesdorfs Bürgermeister Fritz Kloß hatte das Treffen kurz nach der ersten öffentlichen Versammlung der Bürgerinitiative (BI) „Gegen die Hähnchenmastanlage in Neuekrug“ einberufen, zu der rund 70 Gäste kamen und wo deutlich wurde:

Die deutliche Mehrheit von „Texas“, wie die Region genannt wird, ist gegen den Bau der Mastanlage (wir berichteten). Während des BI-Treffens wurde auch bekannt, dass sich von 148 erwachsenen Einwohnern 110 per Unterschrift gegen die geplante Anlage aussprachen.

Die BI (Bild) ist weiter gegen den Bau einer Hähnchenmastanlage in Neuekrug. Der Investor will nun seine Entscheidung von der Meinung des Gemeinderates Diesdorf abhängig machen, nicht mehr vom Willen der Anwohner.

Zur Bauausschusssitzung kamen BI-Vertreter und Stefan Huster, der die Mastanlage in Neuekrug bauen will. Ebenfalls dabei war ein Vertreter des Geflügelproduzenten Frikifrisch. Auf Nachfrage gab Stefan Huster bekannt, dass er den durch Unterschriften dokumentierten Willen der Anwohner nicht anerkennen will. Er habe eine „Angstkampagne“ in Texas erkannt, wodurch die Abstimmung gelenkt worden sei. „Wir von der Bürgerinitiative können darüber nur enttäuscht den Kopf schütteln“, sagte Kirsten Reinberger von der BI dazu gestern auf AZ-Nachfrage. „Natürlich haben wir Angst um unsere Zukunft“, so Kirsten Reinberger, „ob nun mit oder ohne verteilte Informationsblätter, die Medien sind voll mit diesem Thema. Jeder weiß, worum es geht.“ Das Interesse an der BI belegen auch die rund 800 Besucher, die deren Internetseite (bin-diesdorf.de) in den wenigen Wochen seit der Erstellung hatte.

Auch die zahlreichen Wortmeldungen aus den Besucherreihen während der BI-Veranstaltung zeigten, wie sehr die Texaner um ihre Lebensqualität und Existenz bangen. Dabei ging es von der Angst um das eigene Haus, über die private Bienenzucht und die zertifizierte Streuobstwiese bis zur eigenen Gesundheit und die Naturidylle. Aber auch von geschichtlichen Hintergründen wurde aus den Besucherreihen berichtet. Im Sperrgebiet habe man es jahrelang „aushalten müssen“; es hieß, so Anwesende: „Ins Sperrgebiet brauchst du nicht hin, da ist eh nichts und schön ist es da auch nicht.“ Mit der Hähnchenmastanlage, so deren Gegner, gehe die Entwicklung genau wieder in diese Richtung.

ung nicht auf, dass Herr Huster sich besinnt und sein Versprechen hält“, erklärte Kirsten Reinberger – der Investor hatte u.a. in der Altmark-Zeitung kundgetan, einen möglichen Bürgerwillen gegen die Hähnchenmastanlage akzeptieren zu wollen. Das steht aber nicht mehr zur Debatte, berichtete gestern der Bauausschussvorsitzende Daniel Rieck. Stefan Huster wolle nun die Entscheidung über den Bau dem Gemeinderat überlassen, möchte also diese abhängig machen von der Aussage des Rates, nicht vom Willen der Anwohner. Huster ließ offen, ob er einen Bauantrag stellen will. Die Sitzung sei als Gespräch gedacht gewesen, so Daniel Rieck, „es gibt weiterhin keinen Bauantrag“. Der Vertreter der Beraterfirma habe zwar eine Hähnchenmastanlage vorgestellt, aber nicht speziell für Neuekrug. Dabei ging es zum Beispiel um moderne Filtertechnik, da Anwohner Angst vor Keimen aus der Mastanlage haben. „Es war ein sehr vernünftiges Gespräch, aber keiner konnte den anderen überzeugen“, bedauerte Rieck. Stefan Huster habe Bauausschuss und Bürgerinitiative eine gemeinsame Besichtigung einer Hähnchenmastanlage angeboten, mit dem Ziel, die schweren Bedenken gegen das Projekt auszuräumen.

Von Steffen Hamann

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