Trotz Gegenwinds von Landwirten: Obstbaumprojekt in Dahrendorf wird von 16 Bürgern unterstützt

Grüner Weg zum Grenzturm

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Amanda Hasenfusz aus Dahrendorf ist eine der Initiatoren für die Bepflanzung mit alten Obstsorten am Weg zum Grenzturm. Die beidseitige Markierung zeigt die ursprüngliche Wegbreite.

Dahrendorf. Das Obstbaumprojekt im Dährer Ortsteil Dahrendorf sorgt weiter für kontroverse Diskussionen. Im Vorfeld hatten sich vor allem Landwirte aus der Region kritisch zu dem Vorhaben geäußert.

Ihr Hauptargument: Der Weg zum Grenzturm sei zu schmal für eine Bepflanzung und würde außerdem den ländlichen Verkehr behindern. Gleichzeitig schlugen die Bauern andere, aus ihrer Sicht geeignetere Flächen zum Bepflanzen mit einer Streuobstwiese vor.

Wie ist nun der aktuelle Stand der Dinge? Dies wollte die AZ von den Mitinitiatoren Amanda Hasenfusz und Thorsten Franz wissen. Der Dährer Gemeinderat hatte ihr Gemeinschaftsprojekt im Vorfeld abgelehnt.

„Schade ist, dass viele Gemeinderatsmitglieder offenbar wenig Interesse an dem Thema zeigen. Dabei ist die Altmark vor allem eine alte Obstkulturlandschaft. Es ging uns 16 Leuten um das Gemeinwohl wie auch um Kulturlandschaftsschutz“, so Amanda Hasenfusz.

Der Weg, den sie bepflanzen wollen, sei nicht zu schmal für das Vorhaben, hieß es. 7,50 Meter hatte der Weg zum alten DDR-Grenzturm ursprünglich in der Breite. Derzeit ist rechts und links viel weggepflügt. 300 Meter ist der Weg lang. Der Weg heißt im Dorf „Grüner Weg“. Bis in die 1950er-Jahre standen dort viele Obstbäume. Diese wurden durch die Sperrgebietsmaßnahmen abgeholzt.

Gibt es nun einen Kompromiss? „Von Hochstammbäumen ging es zum Vorschlag, unsererseits wenigstens nicht invasive, kleine Heckenabschnitte zu setzen. Dann haben wir gesagt: Gut, vielleicht sind ja fünf Säulenobstbäume an einer breiteren Stelle auch eine Lösung“, sagt Amanda Hasenfusz. Die würden nur zwei Meter hoch und 60 Zentimeter breit. „Da aber die Bauern offenbar Bewirtschaftungshindernisängste mit sich herumtragen, ist der Gemeinderat eingeknickt“, so die Initiatorin bedauernd.

Ob sie nun entmutigt sei, wollte die AZ weiter wissen. „Nein, gut Ding will ja Weile haben. In ein paar Wochen werden wir erneut an den Gemeinderat herantreten. Es gibt den sinnigen Satz: ,Steinige Wege führen oft zu den schönsten Orten‘“, so die Dahrendorferin. Vielleicht werde der „Grüne Weg“ später wieder richtig schön aussehen.

Das Ziel: Ein Weg, den auch ältere Leute aus Dahrendorf wieder gerne nutzen, um die Umgebung zu genießen. „Ist ja eine Kammlage mit wunderbaren Blicken in die Landschaft“, schwärmen Hasenfusz und Franz.

Es gebe zum Bepflanzen außerdem noch ein paar kleine Lücken auf zwei oder drei anderen Feldwegen. Dort könnten die Initiatoren, nachdem der „Grüne Weg“ wieder fit für die Zukunft ist, auch tätig werden. Dass Dähres Bürgermeister Bernd Hane für das Projekt gestimmt hat, begrüßen die Dahrendorfer Obstbaumfreunde. „Das war mutig. Wir glauben, es war ihm wichtig, dass Menschen zusammen ehrenamtlich aktiv werden für das Gemeinwohl“, so Franz und Hasenfusz.

Der neue Besitzer des alten DDR-Grenzturms, Rainer Axmann, steht dem Vorhaben laut Hasenfusz aufgeschlossen gegenüber. Auf seinem Grundstück rund um den Turm können die Projektbefürworter einen Anfang mit drei bis vier Hochstammbäumen machen – alte Obstsorten. Auch eine Bank soll aufgestellt werden.

Rainer Axmann sorgt derzeit dafür, dass der alte Grenzturm nicht verfällt. „Das ist ganz wunderbar. Er will später verschiedenen Leuten im Dorf einen Schlüssel geben, uns auch. Der Gedanke dahinter ist: Falls jemand einmal auf den Turm steigen will, kann er das gerne machen“, so Amanda Hasenfusz und Thorsten Franz aus Dahrendorf abschließend.

Von Kai Zuber

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