„Wehret den Anfängen!“

Großes Interesse für Info-Veranstaltung „Standortsuche Atommüll-Lager“ in Höddelsen

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Die Info-Veranstaltung „Standortsuche Atommüll-Lager“ am Mittwochabend in Höddelsen stieß auf großes Interesse der Bevölkerung. Alle Sitzplätze im Dorfgemeinschaftshaus waren besetzt, viele Gäste mussten stehen.

Höddelsen – Waddekath ist als möglicher Standort für ein Atommüll-Lager im Gespräch.

Um die Bürger über die Standortsuche aufzuklären, hatte die Gemeinde Diesdorf am Mittwochabend eine Info-Veranstaltung in Höddelsen organisiert und dazu Jochen Stay, Sprecher der Anti-Atom-Organisation . ausgestrahlt, eingeladen.

„Seit über 50 Jahren wird in der BRD Atomenergie genutzt, aber bisher gibt es noch keine sichere Lagerung für den dabei anfallenden Müll“, stellte Stay schon zu Beginn seines Vortrags unmissverständlich klar.

17.000 Tonnen hoch radioaktive sowie 600.000 Kubikmeter schwach- und mittelradioaktive Abfälle werden laut Bundesregierung an die kommenden Generationen vererbt, informierte Stay. 1900 Castor-Behälter seien derzeit auf 16 Standorte verteilt.

Jochen Stay vom Verein .ausgestrahlt informierte die Gäste.

Die Betreiber von Atomkraftwerken (AKW) haben nach den Worten von Stay 24 Milliarden Euro in einen staatlichen Fonds gezahlt, um die Kosten für den Abriss der AKW und die Lagerung des Atommülls zu begleichen. Experten würden allerdings mit 160 bis 180 Milliarden Euro an Kosten rechnen. Das Fatale dabei: „Wenn das Geld nicht ausreicht, gibt es keine Nachschusspflicht. Das Verursacherprinzip wird damit praktisch abgeschafft“, erklärte Stay.

Seit 2017 laufe die Suche nach einem Atommüll-Lager über das Standortauswahlgesetz. Was steht dort drin? „Für eine Million Jahre brauchen wir ein sicheres Lager in Deutschland,“ sagte der Sprecher von .ausgestrahlt. Bis 2031 solle der Standort feststehen, 2050 das Lager in Betrieb gehen. „Fachleute sagen, dieser Zeitplan kann nicht eingehalten werden. Manche sagen, bis zum Jahr 2140 dauert es“, betonte Jochen Stay. Es gebe zudem die ungelöste Frage, wo der Müll in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts lagere, denn Castor-Behälter würden auch nur 40 Jahre halten.

Schon für Herbst 2020 sind erste Zwischenergebnisse im Auswahlverfahren angekündigt. Stay kritisierte, dass das Verfahren nicht transparent sei und die Betroffenen nur angehört würden, aber nicht mitbestimmen könnten. Nach jedem Auswahlschritt treffe der Bundestag die Entscheidung. „Daher ist die Gefahr groß, dass politisch gemauschelt wird und ein Standort herauskommt, der sich am schlechtesten wehren kann“, warnte Stay. Die Bürger sollten sich informieren und überlegen, wo es sinnvoll sei, zu protestieren.

Landrat Michael Ziche sagte: „Wir brauchen einen gesellschaftlichen Konsens, dass wir den Atommüll sicher lagern. Wer glaubt, dass das ein lokales Problem vor Ort ist, der irrt. Der gesamte Landkreis ist betroffen.“

Diesdorfs Vize-Bürgermeisterin Angelika Scholz forderte: „Wehret den Anfängen, damit unsere Kinder und Enkel auch noch diese schöne Erde genießen können!“

VON CHRISTIAN REUTER

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