Rat diskutierte über Entwicklungen im Vorranggebiet bei Siedenlangenbeck

Großer Brachvogel kontra Windenergie

Vom Windradhersteller „Enercon“ waren Angelika Kobold (l.) und Susanne Maedler nach Siedenlangenbeck gekommen. Foto: Zuber

Kuhfelde. Rund eine Stunde lang dominierte während der jüngsten Kuhfelder Ratssitzung ein Thema: Die Diskussion zur Stellungnahme der Gemeinde beim sachlichen Teilplan Wind im Regionalentwicklungsplan Altmark.

Es ging um das rund 23 Hektar große Vorranggebiet südöstlich von Siedenlangenbeck. „Bis Ende September müssen wir als Kommune eine Stellungnahme abgeben. Eigentlich steht das Vorhaben einer gemeindlichen Planung nicht im Wege“, betonte Kuhfeldes Ortschef Frank Leskien. Es gebe weder eine Bauplanung noch ein touristisches Konzept für diese Feuchtregion in der Jeetze-Niederung.

Doch im Verlauf der Diskussion wollten sich die Ratsmitglieder immer weniger auf einen konkreten Beschluss festnageln lassen. Die von Leskien angestrebte Beschlussformulierung „die Gemeinde hat keine Einwände, sondern nur sachliche Hinweise“, fand keine ausreichende Zustimmung. In der Stellungnahme sollen nun folgende Punkte formuliert werden: Zunächst wurde angemerkt, dass in dem Vorranggebiet des möglichen Windparks der zyklische Vogelzug mit Gänsen und Kranichen erfolgt. Außerdem nistet dort der Große Brachvogel, als besonders bedrohte Vogelart. Weiterhin soll geklärt werden, welche Bonität der Boden in der Region hat, in der Wald und Grünland überwiegen.

Angegeben war hier ein Richtwert von 51 Bodenpunkten. Zudem sollen die genauen Abstandskriterien der Windanlagen geklärt werden, welche sich nach der Höhe der Windräder und der letzten Wohnbebauung richten. Ratsherr Günther Serien nannte eine ganze Reihe von Bedenken gegen den Bau eines Windparks bei Siedenlangenbeck, darunter Sichtbeeinträchtigungen, Geräuschemissionen, Oberflächenversiegelung und Grundstücksentwertung. Erhard Wiewall ließ einen offenen Brief mit ähnlichen Argumenten vortragen. Doch kein einziger Windkraft-Gegner aus der Bürgerschaft war persönlich zur Sitzung erschienen, wie der Ortschef bedauerte.

Frank Leskien hob die Vorteile hervor: Steuereinnahmen für die Kommune, den Beitrag zur Erzeugung sauberer Energie, die Schaffung von Arbeitsplätzen und die Ansiedlung von Industrie. „Fachfragen regeln die zuständigen Ämter. Bei mir hat sich bislang kein Gegner des Windparks gemeldet“, so sein Argument. Eine Reihe von Befürwortern des Windparks, Grundstückseigentümer, wie zum Beispiel die Familie Bischoff, konterten außerdem: Man könne die vorgetragenen Argumente verstehen, doch von einer „Mehrheit gegen die Windkraft“ in der Region kann nicht die Rede sein, wenn kaum ein Bürger öffentlich seine Stimme erhebe, hieß es.

Vom Windradhersteller „Enercon“ waren Angelika Kobold und Susanne Maedler nach Siedenlangenbeck gekommen. „Unsere Anlagen sind durch die getriebelose Ringgeneratoren besonders leise. Zugvögel fliegen darüber hinweg“, betonte Kobold. Der Große Brachvogel sei zudem als typischer Wiesenbrüter nicht gefährdet, sagte die Frau aus der Landeshauptstadt.

Von Kai Zuber

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