Nach 30 Jahren wieder beheizt

Grenzturm-Besitzer Rainer Axmann feuert in Dahrendorf den neuen Bollerofen an

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Erstmals nach 30 Jahren wieder im Winter warm: Rainer Axmann (l.) heizt in seinem Grenzturm den Ofen an.

Dahrendorf – Jedes Jahr zur Vorweihnachtszeit gibt es am Grünen Band unmittelbar am Harper Bogen eine neue Überraschung.

Während im vergangenen Jahr erstmals ein kleiner Weihnachtsbaum oben am ehemaligen Beobachtungsturm der DDR-Grenztruppen leuchtete, gibt es in diesem Jahr dazu bullige Wärme.

Turm-Besitzer Rainer Axmann feuerte vor wenigen Tagen in Dahrendorf den neu installierten Ofen an. „Nach 30 Jahren ist nun der Turm wieder beheizt“, verkündet der Turm-Besitzer und Tüftler. Zuvor hatte er viele Wochen lang geschuftet, um das historische Gebäude möglichst im Originalzustand zu erhalten.

„Dazu musste das begehbare Dach komplett saniert werden, und auch das Geländer ist neu“, erklärt Axmann. Nun können interessierte Wanderer am Grünen Band das Bauwerk nach vorheriger Absprache besichtigen. Nach und nach soll auch Info-Material im ehemaligen Grenzturm an- und untergebracht werden, sodass zum Beispiel auch Schulklassen zu einer Besichtigung in dem dreietagigen Gebäude mit Keller vorbeikommen können.

Früher war ein Beobachtungsturm wie folgt aufgebaut: Der Keller diente als Lagerraum. Im Erdgeschoss befand sich ein kleiner Sozialtrakt mit Toiletten, Waschgelegenheiten und Spinten für die Grenzsoldaten. Über eine enge Leiter gelangten diese zum ersten Obergeschoss, wo es Schlafgelegenheiten gab. Im zweiten Obergeschoss war die Wach- und Beobachtungsstation untergebracht. Auf einem Podest saß meist der Wachhabende, vernetzt mit seinen Vorgesetzten und den Signalvorrichtungen.

Ein weiterer Posten beobachtete mit dem Fernglas die Umgebung, daneben gab es Kartenmaterial zur Orientierung. In dem begehbaren Dach existierte eine Fallluke, über die die Besatzung auf das mit einem Stahlgeländer gesicherte Dach gelangte. Dort war auch ein beweglicher Suchscheinwerfer installiert, der auch von der Etage darunter bedient werden konnte. Neben jedem Beobachtungsturm gab es auch eine kleine Kläranlage.

2017 hatte der 57-jährige Gifhorner den Dahrendorfer Turm samt 1000 Quadratmetern Wiese gekauft. Damals träumte er davon, das Areal vielleicht einmal als Café auszubauen. Im Fachjargon heißt der Turm „BT 44“. BT steht für Beobachtungsturm. Das Dahrendorfer Bauwerk wird auch als „Todesturm“ bezeichnet, weil sich dort zwei Menschen das Leben nahmen. zu

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