„Ich fühle mich im Stich gelassen“

Gemeinderat Diesdorf will kein Atommüll-Endlager bei Waddekath

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Fässer für Atommüll stehen vor dem Endlager für schwach und mittelradioaktiven Abfall in Morsleben. Als Endlager für Atommüll ist jetzt auch wieder ein Salzstock im Diesdorfer Ortsteil Waddekath im Gespräch.

Diesdorf – In Deutschland wird noch immer nach einem geeigneten Endlager für Atommüll gesucht. Auch ein Salzstock im Diesdorfer Ortsteil Waddekath ist dafür im Gespräch (AZ berichtete).

Dorit Nieber sprach das Thema während der jüngsten Sitzung des Diesdorfer Gemeinderates am Dienstagabend an. „Gehe ich im Internet auf die Seite des Altmarkkreises, finde ich nichts dazu. Da fühle ich mich als Bürger im Stich gelassen“, machte die Ratsfrau ihrem Ärger Luft.

Noch mehr ärgert sich Dorit Nieber aber über etwas anderes: „Die Bürger werden erst 2020 über mögliche realisierbare Standorte informiert und haben dann nur sechs Monate Zeit, sich dagegen zu wehren.“

Der Stendaler Kreistag habe bereits eine Petition verabschiedet (im März dieses Jahres, d. Red.) und damit ein klares Signal des Widerstands an den Bund gesendet „und wir schlafen hier“, äußerte Nieber.

Dabei soll es aber nicht bleiben. Nach der Veröffentlichung eines Artikels in der Altmark-Zeitung („Atommüll am Grünen Band“) habe sich Carolin Franta vom Verein „.ausgestrahlt“, einer seit 2008 bundesweit tätigen Anti-Atom-Organisation, an Dorit Nieber gewandt. Franta habe angeboten, die Bürger in Diesdorf mit einer Infoveranstaltung zum Thema „Standortsuche für ein Atommüll-Endlager“ aufzuklären.

Diesdorfs stellvertretende Bürgermeisterin Angelika Scholz schlug vor, mit einer Abordnung aus der Gemeinde den nächsten Kreistag zu besuchen, um dann in der Fragestunde das Thema Atommüll-Endlager anzusprechen. Dies wurde vom Rat begrüßt. „Und wir machen eine Infoveranstaltung vor Ort“, sagte Scholz, was bei den Ratsmitgliedern ebenfalls Zustimmung erntete.

Ratsherr Dietmar Schulz sprach am Dienstag aus, was auch viele andere zum Thema Atommüll-Endlager denken werden: „Die gehen den Weg des geringsten Widerstandes, also dorthin, wo nicht so viele Menschen wohnen.“ Dorit Nieber meint, es fehle die Transparenz, man könne nicht nachvollziehen, ob wirklich alle Vorgaben bei der Standortsuche eingehalten werden. „Für mich gibt es kein sicheres Endlager, das kann kein Wissenschaftler garantieren, dass das auch noch nach einer Million Jahren noch dicht ist. Was im Atommülllager Asse los ist, wissen wir ja“, sagte Nieber.

Amanda Hasenfusz, Pressesprecherin des Altmarkkreises Salzwedel, teilte auf AZ-Nachfrage mit: „Wir sind als Landkreis in Bezug auf die bundesdeutsche Endlagersuche bzw. den Beteiligungsprozess nicht federführend, sondern werden nur nachrichtlich eingebunden.“

Die Pressesprecherin verweist auf den Link https://www.bfe.bund.de/DE/soa/beteiligung/beteiligung_node.html, wo sich jeder informieren kann.

VON CHRISTIAN REUTER

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