Ehemaliger Turm der DDR-Funküberwachung gesichert

Gefahr im Wald zwischen Diesdorf und Lindhof ist gebannt

Grau und gespenstisch steht er da mitten im Kiefernwald zwischen Diesdorf und dem Ortsteil Lindhof: Der alte Grenz-Kommandokontrollturm der Funkabwehr.
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Grau und gespenstisch steht er da mitten im Kiefernwald zwischen Diesdorf und dem Ortsteil Lindhof: Der alte Grenz-Kommandokontrollturm der Funkabwehr.

Diesdorf / Lindhof – Etwas versteckt, grau und gespenstisch steht er da, mitten im Kiefernwald zwischen Diesdorf und dem Ortsteil Lindhof und bereits von Bäumen überwuchert: Der ehemalige Kommandokontrollturm der Grenz-Funkabwehr auf dem Güntersberg.

Zu DDR-Zeiten war das ganze Gelände an der verlängerten Diesdorfer Bahnhofstraße in Richtung Lindhof komplett mit Zaun und Stacheldraht von der Außenwelt abgeschirmt. Als eine Art geheimes Camp und Zeltlager war es stets nur vorübergehend von Soldaten bevölkert.

Lange Zeit war das offene und frei zugängliche Areal eine tödliche Falle im Wald und eine ernst zu nehmende Gefahr für spielende Kinder. Denn: Auf dem Gelände gibt es zahlreiche Hohlräume, die einst als Unterstände für die Soldaten der Grenztruppen und der Nationalen Volksarmee (NVA) dienten und beim sporadisch vorgenommenem Abbau der Anlage nur unzureichend zugeschüttet oder demontiert wurden. Das bestätigt auf Anfrage der AZ auch Diesdorfs Bürgermeister Fritz Kloß, der sich als Ortschef gut mit dem Gelände auskennt: „Das stimmt: Das Areal war gefährlich. Der Turm war zeitweise frei zugänglich und auf dem Grundstück gab es zudem viele unverfüllte Löcher und Gruben“, so Kloß. Wer derzeit Eigentümer des Turmes ist, konnte der Diesdorfer nicht sagen.

Nach derzeitigen AZ-Recherchen sind die Waldflächen im Umkreis sehr kleinteilig und versplittert, was die Eigentumsrechte anbelangt. Es gibt Privatwald, ehemalige Treuhandflächen (heute BVVG) und Grundstücke im Bundesbesitz. Vermutet wird, dass der im Wald versteckte Turm zum Bundeseigentum gehörte, aktuell aber in privater Hand ist. In dem Falle wäre der Eigentümer auch für die Gefahrenabwehr des etwa ein Hektar großen Grundstücks zuständig.

Denn: Weil der Keller des Turmes und auch die nahe gelegene Klärgrube frei zugänglich und daher ungemein gefährlich waren, musste der Besitzer reagieren. „Meines Wissens sind alle Zugänge des Turmes aktuell verschweißt, zugemauert und vor unbefugtem Zutritt gesichert“, sagte Kloß. Im Vorfeld habe es diesbezüglich Beschwerden und amtliche Auflagen gegeben. Auf halbverfaulten Holzleitern konnten Eindringlinge Turm und Keller erkunden und sich dabei tödlich verletzen.

Im Jahr 2000 wurden bereits Teile des Areals zurückgebaut und auch der Zaun wurde demontiert. Danach geschah lange nichts. Wie es mit der Nutzung des historischen Turmes weitergehen soll, ist derzeit unbekannt. Christian von dem Knesebeck hat sogar ein Video von der ehemaligen Abhörstation bei Diesdorf gedreht. Der Film ist auf dem Kanal „YouTube“ zu sehen. „Es ist kein Reinkommen mehr in den Turm“, bestätigten auch die „Grenztouristen“ via Internet.

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