Auftrag falsch erstellt?

Gas- mit Stromzähler verwechselt? – Familie aus Beetzendorf soll fast 8000 Euro nachzahlen

Probleme mit einem Gaszähler und der daraus resultierenden Rechnung hat Familie Rost aus Beetzendorf. Fast 8000 Euro soll die Familie nachzahlen.
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Probleme mit einem Gaszähler und der daraus resultierenden Rechnung hat Familie Rost aus Beetzendorf. Fast 8000 Euro soll die Familie nachzahlen.

Beetzendorf – Juliane Rost aus Beetzendorf ist sauer: „Wir sollen rund 7500 Euro für Gas nachzahlen, obwohl wir schon seit sechs Jahren keine Gasheizung mehr besitzen.“ Was war passiert?

Am 6. Dezember 2012 habe die Familie ein Haus in Beetzendorf gekauft, am 29. Juni 2013 sei sie eingezogen.

„Wir haben bemerkt, dass der Gaszähler wie verrückt rennt“, erinnert sie sich zurück. Zum Einzug habe das Haus noch eine Gasheizung gehabt, diese sei aber bereits Anfang 2014 ausgebaut und durch eine Pelletheizung ersetzt worden. Im Februar 2013 habe die Familie schon rund 3000 Euro nachzahlen müssen, „für nichts“, wie Juliane Rost sagt.

Gaszähler ersetzt

Der Gaszähler sei dann Ende Januar 2014 ausgebaut und durch einen neuen Zähler ersetzt worden. „Der Gaszähler lief aber trotzdem weiter, obwohl da gar keine Rohre mehr dran waren“, berichtet Rost. Von der Avacon als Netzbetreiber habe sie dann nichts mehr gehört oder erhalten. Aber am 6. August dieses Jahres sei das Konto der Familie gesperrt worden, weil es mit einer Forderung von rund 7500 Euro belastet worden sei. Seitdem telefoniere sie jeden Tag, um die Angelegenheit zu klären. Eine Avacon-Mitarbeiterin habe ihr mitgeteilt, dass bei einer Befundprüfung der Gaszähler der Familie Rost mit einem Stromzähler eines Haushalts in Böddenstedt vertauscht worden sei. Inzwischen ist Juliane Rost schon ziemlich verzweifelt: „Ich habe zwei Kinder zu versorgen. Wir können keine Rechnungen bezahlen.“

Ein Pressesprecher der E.ON Energie Deutschland GmbH (Lieferant) nimmt auf AZ-Anfrage Stellung zum Sachverhalt: Ein Großteil der Forderungen stamme aus der Jahresrechnung für das Verbrauchsjahr 2013/2014 vom 3. Februar 2015. Die Schlussrechnung sei am 27. August 2015 mit einer offenen Forderung von insgesamt 5337,40 Euro erfolgt. „Die Information aufgelaufener Energiekosten lag den Kunden also bereits vor fünf Jahren vor. Dass sie erst 2020 davon erfahren haben sollen, können wir daher nicht bestätigen“, erklärt der Pressesprecher. Da die Forderung – trotz Mahnungen – nicht beglichen worden sei, sei ein externer Dienstleister mit dem Inkasso beauftragt worden. Über die Jahre seien in dem Verfahren dort weitere Kosten und Zinsen angefallen, die den höheren Betrag von 7537,92 Euro erklären würden (Stand vom 27. August 2020).

Am 30. Januar 2014 sei bei den Kunden ein Wechsel des Gaszählers erfolgt. Der ausgebaute Zähler sei einer sogenannten Befundprüfung unterzogen worden. Diese Prüfung haben die Kunden beim für den Zähler zuständigen Netzbetreiber Avacon beauftragt. „Nach unseren Informationen ergab die Prüfung keine Beanstandung, deshalb müssen wir davon ausgehen, dass der Verbrauch auch entstanden ist“, teilt der E.ON-Sprecher mit.

„Seitens der Kunden wurden uns keine Informationen über einen Ausbau der Heizungsanlage mitgeteilt. Auch nicht bei einer Zählerablesung im November 2013“, informierte Avacon-Pressesprecherin Corinna Hinkel. Zudem habe „Herr Rost“ im Dezember 2013 der Avacon mitgeteilt, dass der angezeigte Verbrauch des Gaszählers nicht stimmen könne und er eine Befundprüfung des Zählers wünsche.

Im Oktober 2014 habe sich „die Kundin Frau Rost“ mit Fragen zur Abschlagshöhe und zur Rechnung für den Gaszähler gemeldet. Hinkel: „Zur Beantwortung der Fragen mussten wir die Kundin an ihren Lieferanten verweisen. Auch hier wurde uns von der Kundin nicht mitgeteilt, dass sie das Gas nicht mehr nutzt.“

Auftrag falsch erstellt

Kann es sein, dass bei der Bestandsprüfung der Gaszähler der Familie Rost mit einem Stromzähler aus Böddenstedt verwechselt wurde? „Hier gab es einen Fehler bei der Erstellung des Auftrages für die Befundprüfung“, räumt die Avacon-Sprecherin ein. Im Auftrag sei fälschlich ein anderer Kunde mit einem Stromzähler angegeben worden. Aber: „Der Auftrag wurde jedoch storniert und ein neuer korrekter Auftrag erstellt, und erst dann wurde der Zähler gewechselt. Es wurde kein Zähler bei der Befundprüfung verwechselt.“ Lediglich bei der Auftragserstellung sei ein Fehler passiert, der jedoch vor Ausführung des Zählerausbaus zur Befundprüfung korrigiert worden sei. „Das wurde wahrscheinlich von der Kollegin im Callcenter verwechselt oder vom Kunden falsch verstanden. Die Befundprüfung ergab, dass der Zähler messtechnisch und mechanisch in Ordnung ist“, so Corinna Hinkel.

Zumindest etwas Hoffnung bleibt Familie Rost noch. „Wir möchten betonen, dass uns ein gutes Verhältnis zu unseren Kunden sehr am Herzen liegt. Bezüglich der offenen Forderungen werden wir uns um eine möglichst kulante und verträgliche Lösung im Sinne der Kunden bemühen“, teilte E.ON mit. VON CHRISTIAN REUTER

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