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Neue Pläne fürs „Café Moskau“

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Von: Kai Zuber

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Ein verlassenes zweistöckiges Gebäude auf einem ehemaligen Militär-Areal.
Das Schulungs- und Mehrzweckgebäude auf dem Areal des ehemaligen „Café Moskau“: Für das geplante Kunst-und-Kultur-Projekt auf dem Gelände des alten Militärgeländes soll es eine zentrale Rolle spielen. © Kai Zuber

Genau 408 Stufen oder wahlweise zwei Aufzüge führten vor der Wende hinauf in das Allerheiligste des Schwabenberges im heutigen Diesdorfer Ortsteil Bergmoor. Der Volksmund nannte das Areal der sowjetisch-geheimdienstlichen KGB-Abhörstation nur „Café Moskau“. Am 21. Juli 1998 wurde der 71 Meter hohe Stahlbetonriese gesprengt. Schon damals wurde das Areal nach dem Abzug der Roten Armee im Herbst 1991 immer wieder von Vandalen, Paintball-Schützen und militärhistorisch interessierten Souvenir-Touristen heimgesucht. Doch nun gibt es Hoffnung für das Areal des ehemaligen „Café Moskau“. Der Unternehmer Eugen Witt aus Hankensbüttel plant dort ein kulturelles Großprojekt als Gemeinschaftsinitiative. Auch eine Vereinsgründung ist geplant.

Der verrostete Schornstein eines alten Heizhauses ragt in den Himmel.
Das ehemalige Heizhaus, oder das, was von ihm noch übrig ist. © Kai Zuber

Diesdorf – seit Jahren liebäugelt der Aussteiger-Unternehmer Witt mit seinem Vorhaben auf dem Schwabenberg. Zusammen mit seiner Partnerin, einer promovierten Meeresbiologin, möchte er das Projekt in den kommenden Jahren umsetzen, verriet der Hankensbütteler. Auch Fördermittel sollen beantragt werden. Er sei schon immer beeindruckt gewesen von dem Areal, welches ein großes Potenzial besitzt – auch touristisch, meinte Witt. „Es soll auch nicht alles platt gemacht werden. Gerne möchte ich den einzigartigen Lost-Place-Charakter der einstigen geheimdienstlichen KGB-Abhörstation erhalten“, machte der Investor deutlich.

Halb zugewachsen steht eine Gebäuderuine auf einem ehemaligen Militärgelände.
Stück für Stück holt sich die Natur das Gelände bei Diesdorf zurück. Unternehmer Eugen Witt aus Hankensbüttel will „nicht grundsätzlich alles plattmachen“, sich aber genau anschauen, was erhaltenswert ist und in sein Konzept eingebunden werden kann. © Kai Zuber

Kürzlich gab es ein Treffen vor Ort und auch Gespräche mit Alteigentümern. Denen möchte Eugen Witt gerne Angebote machen, um auch noch die angrenzenden Splitterflächen erwerben zu können. Anvisiert ist unter anderem die Errichtung eines KGB- und Grenzmuseums zur Aufarbeitung der spannenden Geschichte vor Ort. „Ich will das in Harmonie mit dem historischen Alten angehen und Kunst und Kultur dabei mit einbeziehen. Ich hoffe, dass wir diesen Spagat schaffen“, so der Investor. Anfang 2023 ist zudem eine Vereinsgründung geplant. Mit potenziellen Partnern ist Eugen Witt bereits im Gespräch. 3,3 Hektar groß war die Fläche der Abhöranlage früher insgesamt auf dem Schwabenberg. Viel Unwesen wurde hier in den vergangenen Jahren getrieben. „Daher planen wir, künftig das Areal einzuzäunen“, so der Initiator.

In einem alten Technikgebäude sind an der Decke vorrostete Überreste von Heizleitungen zu sehen.
Die Trostlosigkeit dieses Ortes scheint greifbar. © Kai Zuber

Hintergrund: Schon 1967 hatte die sowjetische Armee die Bedeutung des strategisch günstig gelegenen Berges unmittelbar am „Eisernen Vorhang“ erkannt, das Areal für ihre Zwecke beansprucht. Bei Nacht begannen sowjetische Pionier-Einheiten damals mit dem Aufbau der Abhörstation. Bis zu 500 Soldaten waren hier in Spitzenzeiten stationiert, die bis nach Holland gen Westen lauschten. Für 40 Offiziere und etwa 150 Soldaten waren hier feste Unterkünfte gebaut worden. Technische Gebäude, Versorgungsanlagen, eine Küche, eine Kantine, Werkstätten, Garagen, eine riesige Freihalle für Fahrzeuge und ein mit Kohle betriebenes Heizhaus gab es hier. Alle Einrichtungen, die hier vertragsgemäß nach der Wende im Sommer 1991 abgebaut wurden, sollen nach Wladiwostok verbracht worden sein, berichten Zeitzeugen.

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