Freie Schule: Neuer Verein plant jahrgangsübergreifenden Unterricht

Weg vom Frontalunterricht

Die Gründungsmitglieder stießen am Montagabend auf den neuen Lernwege-Verein an. Im Vorstand sind Claudia Jungbluth (vorn, v.l.), Nicole Schulz und Nadine Fischer. Geht alles glatt, könnte die geplante Freie Schule mit dem Schuljahr 2012/13 an den Start gehen. Foto: Mittank

Poppau. Neun Unterschriften wurden am Montagabend im Ökodorf Sieben Linden unter die Satzung des neuen Vereins Lernwege gesetzt.

Nachdem es seit Beginn des Jahres Überlegungen in der sozial-ökologischen Modellsiedlung gegeben hatte, eine Grundschule in freier Trägerschaft aufzubauen, wird es nun konkreter. Als Vorstandsmitglieder wurden Nadine Fischer und Claudia Jungbluth aus Poppau sowie Nicole Schulz aus Lockstedt einhellig von den Gründungsmitgliedern gewählt. Eine Vorsitzende gibt es nicht – alle Mitglieder des Vorstandes, der alle zwei Jahres gewählt wird, sind gleichberechtigt. In den nächsten Wochen, möglichst noch vor dem Jahreswechsel, geht es zunächst darum, die Gemeinnützigkeit des Vereins vom Finanzamt anerkennen zu lassen, blickte Elke Wiegand voraus.

Der neu aus der Taufe gehobene Verein soll künftig die Trägerschaft über die Freie Schule und den bereits existierenden Waldkindergarten des Ökodorfes übernehmen. Wie das pädagogische Konzept der neuen Einrichtung ausgestaltet wird, darüber gab es am Montag bereits klare Vorstellungen. So sollen die Themen Ökologie, Nachhaltigkeit und Gesundheit wichtige Bausteine darstellen. Wie Annette Haring erläuterte, soll jahrgangsübergreifend von der ersten bis vierten Klasse unterrichtet werden. Es werde keinen Frontalunterricht geben, dafür aber Gruppenaufgaben, an deren Lösung sich Erst- wie Viertklässler gleichermaßen beteiligen können. „Manche Schüler sind in Mathe langsamer und dafür in Deutsch schneller. Jedes Kind soll selbst auswählen, in welchem Fach es noch Wissen benötigt“, so Annette Haring. Auch die Entscheidung darüber, wann ein Leistungstest abgelegt wird, soll jeder Schüler selbst treffen. Am Ende des ersten Schuljahres sind keine Zeugnisse und keine schriftlichen Bewertungen vorgesehen. Vielmehr sollen die Kinder ihre über das Jahr gesammelten Lernmaterialien ausstellen und mit Lehrern und Eltern darüber ins Gespräch kommen. Lediglich zum Ende der Grundschulzeit ist eine Vergleichsarbeit geplant.

Mit der Freien Schule will der Lernwege-Verein nicht in Konkurrenz zu den bestehenden Grundschulen gehen. Vielmehr gehe es darum, das Bildungsangebot in der Region zu vergrößern und vielfältiger zu machen. „Eine Freie Schule lockt auch junge bildungsorientierte Familien in die Region“, ist Elke Wiegand überzeugt. Die interessierte Elternschaft sei mit etwa 16 Familien – nicht alle sind aus dem Ökodorf – bereits recht groß.

Und auch für die beiden Lehrstellen gebe es bereits Interessenten. „Wir sind mit drei Personen im Gespräch. Darunter sind sogar erfahrene Pädagogen mit Beamtenstatus, die mit dem derzeitigen Schulsystem nicht einverstanden sind“, berichtete Annette Haring.

Ein Standort für die neue Schule ist derweil noch nicht gefunden. Ein Neubau im Ökodorf oder in Poppau sei ebenso angedacht wie eine Immobilie im Zehn-Kilometer-Umkreis. Nadine Fischer unterstrich, dass eine direkt im Ökodorf gelegene Schule nicht gewollt sei. Favorit sei ein gut angebundener Standort im Umfeld.

Drei Jahre lang müsste der Verein die Finanzierung der Schule selbst sicherstellen, danach könnten staatliche Zuschüsse für jeden Schüler fließen.

Von Matthias Mittank

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