Wahl-Altmärkerin Almut Joswig zwischen dem Tatort-Dreh und ihrem Job als Apfelkönigin

Die Frau hinter den Film-Kulissen

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Rückkehr zur guten alten Handarbeit: Almut Joswig (l.) von der mobilen Mosterei, erklärt den Kindern, wie früher Apfelmost gewonnen wurde. Beim Tatort wirkte sie hinter den Kulissen.

Apenburg / Altmark. Der jüngste Saarland-Tatort war sozusagen „Made by Altmark“. Der am 1. Januar als Zukunfts-Krimi in der ARD ausgestrahlte Streifen aus dem Südwesten entstand mit logistischer Unterstützung aus Apenburg:

Almut Joswig übernahm die Aufnahmeleitung zu dem Krimi „Mord Ex Machina“. 

In Apenburg ist Almut Joswig dagegen als Apfelkönigin bekannt. Dort betreibt die sympathische Filmschaffende gemeinsam mit Andreas Wolf die mobile Mosterei „Apfelkönig“. Denn intakte Natur, Bodenständigkeit, gesunde Ernährung und regionale Kreisläufe sind ihr besonders wichtig.

Abspann: Als Aufnahmeleiterin arbeitet Almut Joswig im Team mit ihren Filmkollegen und hält den Darstellern den Rücken frei.

Als Aufnahmeleiterin beim Film arbeitet Almut Joswig überwiegend hinter den Kulissen: Von der Parkplatz-Logistik bis hin zur Termin- oder Vertragsplanung muss sie koordinieren. „Alles muss passen, denn für den Drehplan waren lediglich 21 Tage vorgegeben. Wir drehten an Originalschauplätzen“, beschreibt Almut Joswig im Gespräch mit der Altmark-Zeitung ihren Job. Geht der von der Aufnahmeleitung genau abgesteckte Zeitplan nicht auf, so gibt es ein heilloses Chaos am Filmset und die Produktionskosten für den Dreh können ins Unermessliche steigen. „Also muss alles ganz genau nach Plan laufen und täglich neu disponiert werden“, beschreibt Joswig, die sich in regelmäßig in Apenburg vom Film-Stress entspannt. Dort zeigt sie mit Andreas Wolf und der mobilen Mosterei zum Beispiel Kindern, wie aus Äpfeln gesunder Bio-Saft gepresst und abgefüllt wird.

In der Altmark kommt die Aufnahmeleiterin wieder zur Ruhe, wird sozusagen geerdet. Und Almut Joswig genießt das in vollen Zügen. Denn: Der Dreh zum Tatort Saarland-Tatort „Mord Ex Machina“ war aufwendig und anspruchsvoll. „Es war harte Arbeit mit jeder Menge Action und Stunts, doch das hat sich am Ende ausgezahlt“, beschreibt Joswig, die an der renommierten Filmhochschule in Potsdam-Babelsberg studiert hat. Seit etwa 17 Jahren dreht sie Spielfilme, davor arbeitete die Wahl-Altmärkerin im Dokumentarfilm-Bereich.

Kommissar Jens Stellbrink (r., Devid Striesow) ermittelt in einem obskuren High-Tech-Dunstkreis gegen den digitalen Datenklau.

Bei „Mord Ex Machina“ geht es um kriminellen Datenhandel in der IT-Branche. Wo einst Kohle gefördert wurde, wird heute mit digitalen Werten gehandelt. In einer alten Zeche ist der Justiziar eines Computertechnik-Unternehmens in seinem ultramodernen Auto ums Leben gekommen. Kommissar Jens Stellbrink (Devid Striesow) ermittelt in einem obskuren High-Tech-Dunstkreis, in dem Menschen gnadenlos digital durchleuchtet werden. Eine recht düstere Zukunftsvision oder bereits Realität in einer Zeit, wo die Mächtigen den Bürgern am liebsten das Bargeld verbieten würden? Diese zentrale Frage wird bei dem „Tatort“ in den Raum gestellt.

Viele Menschen lassen das aus Naivität und Gutgläubigkeit mit sich geschehen. Nur die Hackerin Natascha (Julia Koschitz) versucht, die Gefahren aufzuzeigen, die beim Fahren mit einem digitalisierten „Auto der Zukunft“ lauern. Gibt es einen Ausweg? Facebook-Profil löschen, auf das Smartphone verzichten und nur noch die gute alte Erika-Schreibmaschine benutzen? Der atemberaubende Zukunfts-Tatort „Mord Ex Machina“ gibt zumindest einige Anregungen, um darüber nachzudenken. „Wer will, kann ihn sich noch anschauen, falls er ihn verpasst hat. Der Film ist in der ARD-Mediathek abrufbar“, so Almut Joswig.

Ein Apenburger Fan der Aufnahmeleiterin hat den Film genossen: „Elektronik war mal mein Beruf – so hab ich zu diesem Streifen eine besondere Beziehung und wage die Aussage, dass das Gezeigte keine Utopie ist“, sagt Andreas Schwieger. Und weiter: „Die Vernetzung, die ja schon bis in den heimischen Kühlschrank und in Kinderzimmer – iPhone-gesteuerte sprechende Puppen – angekommen ist, birgt immer auch die Gefahr des Missbrauchs.“ Denn: Hacker waren zu Beginn des Phänomens in den 1990er-Jahren bewunderte Genies – heute seien es oft nur noch technisch versierte Kriminelle.

„Der Abspann des Films zeigt eine momentane Lösung mit Papierstadtplan und Steinzeithandy statt iPhone. Aufhalten lässt sich dieser Trend aber nicht. Wir müssen nur lernen, damit umzugehen“, kommentiert Filmfan Schwieger aus Apenburg.

Von Kai Zuber

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