„Grundhafter Ausbau eigentlich notwendig“ / Landesbehörde regt Tempo-30-Zone an

Flickenteppich in Apenburg

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Der Straßenzustand und das Knöllchen verteilende Ordnungsamt vertreiben noch die letzten Leute, meint ein Apenburger. Die Landesstraßenbaubehörde schätzt die Reparaturkosten auf rund 75 000 Euro und regt bis dahin Tempo 30 an.

Apenburg. Die Apenburger Ortsdurchfahrt gleicht einem Flickenteppich. „Mir ist das nicht nur aufgefallen, ich bin da sogar schon durchgefallen“, musste Bürgermeister Harald Josten auf AZ-Nachfrage lachen.

Nicht nur das Geschirr in den Schränken der dicht anliegenden Fachwerkhäuser wackelt, wenn sich 40-Tonner durch die enge Fahrbahn zwängen. Niemand im Ort will sich bei diesem Zustand vorstellen, wie es ist, wenn im Sommer Apenburg die Hauptlast der Umleitung über Cheine zu spüren bekommt.

Ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, so ärgert sich Günter Schröder, reitet das Ordnungsamt der Verbandsgemeinde (VG) Beetzendorf-Diesdorf genau an dieser Straße eine Knöllchen-Attacke gegen Falschparker. „Das ist so was von daneben. Sonst lassen die sich nicht blicken und nun das“, so Schröder. Damit vertreibe man auch noch die letzten Leute, hieß es.

Ratsherr Mark Wöllmann teilte zwar den Ärger Schröders, aber auch die Ansicht des Ordnungsamtes: Man mache ja nur seinen Job. „Im Prinzip ist es Aufgabe der Gemeinde, die Parkordnung zu ändern oder neue Schilder aufzustellen“, so Wöllmann. Bei der Landesstraßenbaubehörde wolle man erreichen, dass der Zustand der Straße verbessert wird.

Die Gemeinde hat sich in der jüngsten Vergangenheit über die Verbandsgemeindeverwaltung mehrfach an die Landesstraßenbaubehörde Sachsen-Anhalt, Regionalbereich Nord, gewandt.

Die AZ hat dort nachgefragt. Ergebnis: „Ursprünglich erfolgte die Überbauung im Juli 2000 mit einem damaligen Kostenaufwand von 50 000 Mark“, so Regionalbereichsleiter Manfred Krüger. Er ist vom Straßenzustand nicht überrascht: „Da eine Liegezeit eines heißen Dünnschichtbelages auf Pflasterunterlage von über zwölf Jahren außergewöhnlich lang ist, sind Häufungen von Winterschäden zu erwarten gewesen.“ Schnelle Abhilfe kann er nicht in Aussicht stellen, die großflächigen Ausbrüche seien „in der jetzigen Jahreszeit nicht reparabel“. Als Zwischenlösung sieht Krüger „nur eine Geschwindigkeitsreduzierung auf 30 km/h zur Vermeidung von Erschütterungsschäden an der Bebauung bzw. für Schäden an den Fahrzeugen“. Darüber sei die Straßenverkehrsbehörde in Kenntnis gesetzt worden. Eine Instandsetzung ist nach Behördenmeinung „erst nach Ende der Winterperiode und bei trockener und warmer Witterung möglich“. Die geschätzten Kosten dafür liegen bei rund 75 000 Euro. Ein grundhafter Ausbau der Ortsdurchfahrt sei „eigentlich notwendig“, beendet der Regionalbereichsleiter seine Ausführungen, „darüber „können von dieser Stelle keine Aussagen getroffen werden.“

Von Steffen Hamann und Kai Zuber

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