Land kürzt Fördermittel für Jugendarbeit / Diesdorf hält an Jugendclub fest

Zusammen etwas aufgebaut

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Torsten Neumann (2.v.l.) sieht die Jugendlichen im Jugendclub Diesdorf als gewachsenes Team. Diese Jungs strichen gestern einen kompletten Raum des Clubs in Eigenregie. „Die machen das schon“, ließ Neumann ihnen freie Hand.

Diesdorf. Die Finanzierung des Jugendclubs Diesdorf muss in diesem Jahr mit einem größeren Anteil von der Gemeinde gestemmt werden. Fördermittel des Landes wurden gekürzt (siehe Seite 2).

Zudem kann Leiter Torsten Neumann nur für ein Jahr planen, denn auch seine eigene Stelle ist für 2015 noch nicht gesichert.

„Wir wollen mit aller Macht seinen Job erhalten“, stellt Angelika Scholz (Linke) klar und fügt verärgert hinzu: „Es ist schlimm, dass sich das Land aus der Verantwortung für die Jugendarbeit zieht.“ Scholz lobt die Arbeit des Sozialpädagogen vor Ort. „Torsten Neumann hat dort etwas aufgebaut und scheut auch keine Auseinandersetzung“, betont die Kommunalpolitikerin.

Dass etwas aufgebaut wurde, sieht Neumann auch selbst so. „Das ist das erste Mal, dass ich vier Jahre am Stück etwas bewirken konnte“, meint der Sozialpädagoge. Diese Konstanz sei wichtig für die Jugendlichen, sagt Neumann und ergänzt, dass auch er sich mit entwickelt habe. „Schließlich habe ich mit einigen schon die ganze Pubertät durchgemacht“, erklärt Neumann.

Seine pädagogische Herangehensweise beschreibt der Jugendclubleiter in einem einfachen Satz: „Ich lasse sie laufen, bin aber mit großen Ohren dabei.“ Mittlerweile sei die Gruppe ein Team, dass sich gegenseitig unterstütze. Dazu gehören eben auch fünf Jugendsprecher, die mitentscheiden, wenn es um Ausflüge und Aktionen, aber auch Probleme in der Gruppe geht. Und eins stellt Neumann auch klar: „Wir sind hier keine Schule. Die Jugendlichen sollen feiern dürfen.“

Genau das freut Fabian Straßenburg (17). Der Lehrling ist regelmäßig im Club zu Gast. „Ich kann es mir nicht besser vorstellen“, sagt der 17-Jährige und erinnert an Aktionen wie Fußballturniere.

Erst einmal musste Neumann härter durchgreifen. „Damals habe ich die Altersbeschränkung bis 18 Jahre eingeführt“, erklärt der Jugendclubchef. Junge Erwachsene wollten damals Jugendliche mit rechtem Gedankengut beeinflussen. „Da habe ich einen klaren Schnitt gemacht.“

Im Ort fühlt sich Neumann sehr gut aufgehoben. So wird der Jugendclub oft mit kleinen Spenden unterstütz – die sind dringend nötig, denn das Budget Aktionen und Ausflüge liegt pro Jahr bei knapp 500 Euro.

Von David Schröder

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