Es gibt nur noch zwei aktive Kameraden

Feuerwehr Stapen droht das Aus

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Stapens Wehrleiter Dietmar Liebig mit dem betagten VW der Freiwilligen Feuerwehr. Das Auto läuft und hat TÜV bis 2021, während die Truppe vor dem Aus steht.

Stapen – Am 21. November 1929 wurde die Freiwillige Feuerwehr Stapen aus der Taufe gehoben, nun steht das Ende bevor. Die Sollstärke betrug damals noch 20 Kameraden.

„Als Großgerät war eine Handdruckspritze im Bestand“, führte Stapens langjähriger Wehrleiter Dietmar Liebig beim Jubiläums-Festakt aus.

Fast ein Vierteljahrhundert lang lenkt der kurz nach der Wende aus dem Raum Wolfen-Bitterfeld in die Altmark gekommene Feuerwehr-Haudegen die Geschicke der Truppe in dem beschaulichen Beetzendorfer Ortsteil.

Nicht genug Aktive

Noch vor wenigen Monaten konnten die Stapener stolz den runden Geburtstag der Wehr feiern. Doch schon kurz nach dem 90. Jubiläum der Feuerwehr Stapen droht das Aus für die Truppe. Dazu erklärte Beetzendorf-Diesdorfs Verbandsgemeinde-Bürgermeister Michael Olms: „Es tut mir sehr leid, aber ich kann es wohl nicht ändern. Das ist der Lauf der Zeit“. Vorangegangen waren laut Olms intensive Gespräche gemeinsam mit der VG, der Wehrspitze und der Verbandsgemeinde-Wehrleitung, um doch noch zu einer Lösung zu kommen.

Fazit des Bürgermeisters zur personellen Situation: „In der Stapener Feuerwehr gibt es nur noch zwei aktive Kameraden, einer davon ist Maschinist, und Wehrchef Dietmar Liebig scheidet aus Altersgründen aus.“ Bereits am 14. Januar hatte es eine Zusammenkunft aller Beteiligten gegeben. Doch auch die Jahreshauptversammlung am 22. Februar habe laut Michael Olms keine Lösung gebracht. Viele junge Leute im Dorf arbeiten auswärts oder sind beruflich zu stark eingebunden. Teilt nun die Feuerwehr Stapen das Schicksal anderer Wehren in der VG, wie zum Beispiel Hohentramm, Siedengrieben oder Schadewohl? Diese Frage stellt sich auch die VG-Wehrleitung. „Die Situation im Moment ist so, dass wohl in Stapen keine eigene Feuerwehr aufrecht erhalten werden kann“, so der Bürgermeister weiter.

Ortswehrleiter Dietmar Liebig wollte sich auf Nachfrage der AZ „in eigenem Interesse“ nicht zu der Sache äußern. „Ich gebe dazu keinen Kommentar ab“, so Liebig kurz. Nach der Corona-Krise soll das Thema „Zukunft der Feuerwehr Stapen“ aber noch einmal im Feuerschutzausschuss und im VG-Rat erörtert werden, erfuhr die AZ weiter. Im Falle der Auflösung fällt das Spritzenhaus wieder an die Gemeinde Beetzendorf zurück.

Ehrenamt gefragt

Dann könnte sich, ebenso wie zum Beispiel in Siedengrieben, ein Dorf- und Feuerwehrverein gründen und die Traditionspflege weiter betreiben. Denn: Die Stapener Wehr hat seit ihrer Gründung im Jahre 1929 eine interessante Historie zu verzeichnen: 1938 erfolgte die Motorisierung der Löschversorgung mit einer modernen Spritze. 1954 gab es eine Tragkraftspritze TS4 und 1969 eine TS8.

Bei einem Brand 1953 in Mollenhauers Scheune gab es in Stapen kein Löschwasser. Also wurde im Folgejahr ein 46 Meter tiefer Brunnen gebohrt. Im September 2008 erfolgte wegen Versandung eine neue Bohrung auf dem Dorfplatz.

Schon 1955 wurde ein Gerätehaus gefordert. Damals standen die Spritzen mitunter bei der LPG. 1965/66 entstand dann das „alte Spritzenhaus“ und 2001 der Neubau. Seit 1979 gehört die Stapener Wehr wieder zum Bereich Beetzendorf, 1969 wurde die Frauengruppe ins Leben gerufen. Der betagte Volkswagen-Oldtimer der Feuerwehr Stapen ist aktuell das älteste Einsatzfahrzeug der Verbandsgemeinde Beetzendorf-Diesdorf.

Das Gefährt stammt ursprünglich von der Siedengriebener Partnerwehr aus dem niedersächsischen Groß Süstedt bei Uelzen. Wegen des guten Zustands und der Pflege durch die Stapener Wehr wurde auch schon der Vorschlag unterbreitet, den roten Einsatzwagen von 1971 ins VW-Museum nach Wolfsburg überführen zu lassen. „Das Auto läuft und hat TÜV bis 2021“, erklärte Liebig.

VON KAI ZUBER 

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