1. az-online.de
  2. Altmark
  3. Beetzendorf-Diesdorf

Familie aus Jübar wartet auf Geld für Unterbringung von Flüchtlingen

Erstellt:

Von: Christian Reuter

Kommentare

Menschen
Hilfe für ukrainische Flüchtlinge: Die Familie Denysenko (im Bild v.l.: Sohn Davyd, Ehefrau Alina und Ehemann Oleh) wohnte vier Monate bei Familie Plicket in Jübar. Das Bild entstand am Tankumsee bei Gifhorn. © Privat

Andrea Plicket aus Jübar ist sauer auf den Altmarkkreis Salzwedel. Die Familie Plicket hatte am 8. April drei Flüchtlinge aus der Ukraine aufgenommen und vier Monate lange beherbergt. Der Kreis habe mitgeteilt, 50 Euro pro Person zu bezahlen, damit die Familie Plicket die verbrauchsabhängigen Kosten decken könne. „Doch seither müssen wir diesem Geld hinterherlaufen. Für Juli und August haben wir noch kein Geld erhalten“, empört sich Andrea Plicket.

Jübar. „Unsere Gäste sind am 15. August in eine eigene Wohnung gezogen, und bereits am 12. August habe ich das Formular für Zahlung Juli plus anteilsmäßig August eingereicht. Bisher ist weder das Geld noch eine Benachrichtigung gekommen“, berichtet Plicket.

Sie habe den Betrag per E-Mail angemahnt, allerdings nur eine automatische Antwort vom Kreis erhalten. Sie möge doch bitte von telefonischen bzw. Anfragen per Mail absehen. „Wir haben unsere Gäste gern aufgenommen, jedoch wird man dann vom Altmarkkreis völlig allein gelassen. Unsere Kosten für Wasser, Strom usw. müssen wir auch bezahlen, und zusätzliche drei Personen machen sich auch bemerkbar“, stellt Andrea Plicket klar.

Und fügt noch hinzu: „Wir wollten kein Geld daran verdienen, jedoch sollten unsere Mehrkosten schon gedeckt sein. Traurig, wie man behandelt wird.“

Warum dauert es so lange, bis hilfsbereite Menschen wie Familie Plicket die (verbrauchsabhängigen) Kosten für die Unterbringung ukrainischer Flüchtlinge durch den Kreis erstattet bekommen?, fragte die AZ beim Altmarkkreis nach.

„Eine zeitnahe Bearbeitung war aufgrund der hohen Fallzahl nicht immer möglich. Gleiches galt für Zahlungsrückstände, welche jedoch weitestgehend aufgearbeitet wurden“, teilt die Pressesprecherin Inka Ludwig mit.

Wer die Kosten erstattet bekommen will, müsse jeden Monat ein neues Formular ausfüllen, sagt Plicket. Dies werde so gehandhabt, um Missbrauch zu verhindern, erklärt Ludwig.

Andrea Plicket habe sich auch darüber geärgert, dass vom Kreis niemand in ihr Haus gekommen sei, um zu schauen, wie die Flüchtlinge untergebracht sind. Dies sei ihr so angekündigt worden. Zudem habe sie den Flüchtlingen auch beim Bewältigen des Alltags, zum Beispiel beim Stellen von Anträgen (Hartz IV) geholfen.

Dazu schreibt Inka Ludwig: „Bevor die Vermittlung in Wohnraum stattfindet, wird ausführlich auch über die Option einer möglichen Betreuung gesprochen.“ Dabei werde erfragt, in welchem Umfang sich die Personen in der Lage fühlen, sich um die ukrainischen Geflüchteten in der ersten Zeit zu kümmern. Sie würden darauf hingewiesen, dass es wichtig sei, den ukrainischen Geflüchteten Orientierung zu bieten. Eine Erstorientierung bieten bedeute, dass die Geflüchteten im besten Fall lernen sollten, sich anschließend allein zurechtzufinden. „Danach sollten die Personen darauf achten, dass sie Aufgaben nur in dem Umfang übernehmen, wie es ihnen möglich und nötig ist. Um auch den Geflüchteten ein gewisses Maß an Selbstständigkeit und Eigeninitiative zu ermöglichen“, erläutert die Pressesprecherin des Altmarkkreises.

Auch interessant

Kommentare