Für Reddigau und Neuekrug kam der Mauerfall ein Dreivierteljahr später

Erinnerungen an Wende-Ereignisse

Der „Promilleweg“ zwischen Reddigau und Lüben: Erst nach neun Monaten kam hier der „Durchbruch“.
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Der „Promilleweg“ zwischen Reddigau und Lüben: Erst nach neun Monaten kam hier der „Durchbruch“.

Reddigau / Neuekrug – Die Nachbarn aus Ost und West begehen am Wochenende in der Altgemeinde Neuekrug ein rundes Jubiläum. Ein offizielles Treffen der Bürger, zudem alle eingeladen sind, soll am Sonntag, 28. Juni, um 10 Uhr an die historischen Wende-Ereignisse vor 30 Jahren direkt an der ehemaligen Grenze bei Reddigau erinnern.

 „Dazu wollen wir uns direkt am alten Grenzstreifen einfinden“, informierte Neuekrugs Alt-Bürgermeister Udo Riechmann die AZ.

Ein Granitstein am Straßenrand zwischen Reddigau im Osten und Lüben in Niedersachsen erinnert heute an die Wende-Ereignisse vor 30 Jahren. Für viele DDR-Bürger war es der „Sommer der Freiheit“. An der einst schwer bewachten Staatsgrenze wohnend, beendete der Mauerfall eine Epoche der strengen Reglementierungen und Kontrollen in der Sperrzone.

Es hatte jedoch nach dem Berliner Mauerfall im Herbst 1989 beinahe ein dreiviertel Jahr gedauert, bis am so genannten „Promilleweg“ nach Lüben etwas ähnlich dramatisches passierte. Zu groß war im Osten noch der Respekt vor den Grenzanlagen, erinnern sich die Bewohner. Doch im Sommer des Jahres 1990 wurde es vor allem den Bauern und Waldbesitzern aus Niedersachsen zu bunt. Sie wollten einen Zugang zu ihren Grundstücken in Wald und Flur. Also machten sie sich eines Tages auf, um mit schwerem Gerät die Grenzanlagen zu durchbrechen. Mit der friedlichen Räumung der Grenzanlagen zwischen Lüben und Erpensen in Niedersachsen und Reddigau-Neuekrug in Sachsen-Anhalt kam auch frischer Wind in die privaten nachbarschaftlichen Beziehungen. Denn: Viele Bewohner im Osten waren seit jeher mit den Niedersachsen verwandt und verschwägert. Also wurden diese Beziehungen im „Wendesommer“ wiederbelebt. An den Tagen und Wochen nach der verspäteten Grenzöffnung bei Reddigau gab es auf dem Waldweg ein quirliges hin und her. Freundschaften wurden geknüpft, so zum Beispiel die mit der Freiwilligen Feuerwehr aus Langenbrügge und ihren Partnern in Neuekrug und Höddelsen. (zu)

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