Frieder Schietzelt und Angelika Wilke kümmern sich auf ihrem Hof in Hilmsen um ein blindes Kälbchen

Emma: Ein flauschiges Flaschenkind

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Gut fünf Wochen alt ist die kleine Emma – und leider blind. Daher übernimmt Frieder Schietzelt die Versorgung des Flaschenkindes.

Hilmsen. Vertrauensvoll drückt sich das braune Kälbchen an die Beine von Frieder Schietzelt. Gierig schnüffelt es und schnappt sich die Nuckelflasche. Ruckzuck ist der Kanister geleert und Emma, so heißt die kleine Kuhdame, lässt sich von ihrem Ziehvater noch ein bisschen knuddeln.

Emma ist gut fünf Wochen alt und blind. „Das ist uns aber erst aufgefallen, als wir sie zum zweiten Mal aus dem Graben an der Weide ziehen mussten. Dann hat sich auch ihre Mutter von ihr abgewandt und nun ist sie unser Flaschenkind“, erzählt Angelika Wilke. 

Sie und ihr Mann Frieder betreiben einen Biobauernhof in Hilmsen. „Wer weiß, ob Emma woanders eine Chance bekommen hätte?“, resümieren die beiden und kraulen die flauschigen braunen Öhrchen.

Vor einigen Wochen lief die Beeke aufgrund der Regenfälle über. Auch wenn Kühe nichts dagegen haben, hin und wieder mal nasse Klauen zu bekommen, führte Schietzelt sie auf höheres Gebiet.

19 Mutterkühe und einen Bullen versorgen die beiden Hilmser. Die Kälbchen werden nach einem guten dreiviertel Jahr verkauft – „das ist jedes Mal eine emotionale Angelegenheit“, so Angelika Wilke. Kühe, das war schon immer Frieder Schietzelts Passion. Als dem Wahlberliner 1977 das Klima in der Hauptstadt auf den Magen schlägt, zieht er ins Wendland und baut sich dort eine eigene Käserei auf. 30 Jahre lang produziert er regionale Käsespezialitäten. „Dann habe ich meine Angelika kennengelernt. Wir wären gerne im Wendland geblieben. Allerdings gefiel es Angelika leider gar nicht, dass sie an einer vielbefahrenen Straße hätte leben müssen“, erzählt er. Das Paar sucht zwei Jahre nach einer neuen Bleibe und findet einen schönen alten Hof in Hilmsen. Und wandelt von Milch- auf Mutterkühe um. Seit gut 16 Jahren leben die beiden in dem Dorf. Und sagen von sich, dass sie mit ihrem liebevoll geführten Biobetrieb auch neben den konventionellen Landwirtschaftsbetrieben bestehen können.

Nur wenige Tage später war die Weidefläche bei Hilmsen wieder trocken und die 19 Mutterkühe und ihre Kälber konnten gemeinsam mit dem Bullen wieder ausgelassen toben.

„Es ist nicht immer einfach. Aber wir haben unsere Überzeugungen und leben diese“, erzählen die Hilmser. Auf rund 30 Hektar Weideland kümmern sie sich um ihre Tiere – im Sommer wie im Winter. Bei Sonnenschein wie bei Regen. „Bei den heftigen Niederschlägen in den vergangenen Wochen standen unsere Weideflächen unter Wasser. Frieder hat sie sicherheitshalber auf ein trockeneres Gebiet geführt“, berichtet Angelika Wilke. Bei minus zehn bis plus zehn Grad, so erklärt es Frieder Schietzelt, fühlen sich die Huftiere eigentlich am wohlsten. Im Winter können die Kühe sogar selbst wählen, ob sie sich auf der Weide oder im Stall aufhalten.

Für Emma ist derzeit der Stall die sicherste Variante. Mehrmals täglich bekommt sie ihre Milch und ausgiebige Streicheleinheiten. In ein paar Wochen wollen Angelika Wilke und Frieder Schietzelt versuchen, das kleine Kalb wieder in die Herde zu integrieren. Und ob Emma am Ende auch verkauft wird, wissen die beiden noch nicht. Vielleicht hat sie sich bis dahin mit ihrer feuchten Nase in das Herz der beiden Hilmser gekuschelt.

Von Katja Lüdemann

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