Zukunftsangst, gesperrter Keller und unsichere Türen / Petitionen ans Land

Eltern sauer: „Wir haben kein Verständnis mehr“

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Die Sekundarschule in Dähre.

Dähre. „Jetzt reicht’s“ – der Schulelternrat der Sekundarschule Dähre hat die Nase voll. Sie haben Angst um die Zukunft ihrer Kinder. „Wie sollen sie unsere Fachkräfte von morgen werden, wenn ständig der Unterricht ausfällt?“, fragen sie sich.

Anja Zwiebel vom Schulelternrat ist wütend, denn für Sohn Felix fällt ständig der Unterricht aus.

Denn das ist seit Herbst Dauerzustand. In der vergangenen Woche zog Schulleiterin Ines Kausch eine traurige Bilanz: Nur 67 Prozent des Unterrichts konnten ablaufen wie geplant. „Wir sind an einem Punkt, dass wir kein Verständnis mehr haben“, ist Anja Zwiebel wütend. Ihr Sohn Felix besucht die 7. Klasse und blieb vor kurzem einen Tag komplett zu Hause – weil die Lehrer fehlen. Geografie, Russisch und Technik entfallen derzeit in seinem Stundenplan. „Da entstehen Defizite, die sich nicht mehr aufholen lassen“, ist seine Mutter besorgt.

Raum drei wird derzeit an der Dährer Sekundarschule derzeit auf Vordermann gebracht – für die Großprojekte „Hauswirtschaftsraum“ und „Neue Türen“ laufen noch die Ausschreibungen.

Doch die Wut des Schulelternrates richtet sich nicht gegen die Schule. „Ich zolle den übriggebliebenen Lehrern meinen größten Respekt. Was sie momentan leisten, ist enorm“, zeigt sich nicht nur die Frau aus Henningen, sondern die gesamte Elternschaft, verständnisvoll. Darüber ist besonders die Schulleiterin erleichtert und versucht zu erklären: „Wir mussten einfach anfangen irgendwo zu streichen. Alle Lehrer haben das Pensum an Vertretungsstunden längst aufgebraucht.“ Stattdessen ist der Schulelternrat wütend auf das Land, dass für die Ausschreibungen verantwortlich ist. Nun verfassten die Eltern in der letzten Woche mehrere Petitionen an den Landtag. Auch über einen Brief an den Kultusminister wird nachgedacht. Das Ziel: Endlich gehört werden. Das hat vor drei Jahren schon einmal geklappt. Nach einem Brief an Ex-Kultusminister Stephan Dorgerloh wurden in Dähre tatsächlich drei neue Lehrer eingestellt.

Es geht aber noch weiter. Denn dass das Fach Hauswirtschaft nicht dem Lehrplan folgt, hat einen anderen Hintergrund: Seit Dezember kann der komplette Keller inklusive Hauswirtschaftsraum für den Unterricht nicht mehr genutzt werden. Ein Fluchtweg aus den Räumen fehlt.

Vorher schien das kein Problem gewesen zu sein. „Ich weiß, dass das schon oft in den Protokollen stand“, erklärt Schuloberhaupt Ines Kausch. Erst vor kurzem, nach einer Begehung durch eine Sicherheitsfirma, sah sich der Kreis als Träger in der Pflicht zu handeln. „Derzeitig werden Angebote von den Baufirmen eingeholt – bis Ende nächster Woche soll der Auftrag zur Ausführung erteilt werden“, heißt es von der Pressesprecherin des Altmarkkreises, Birgit Eurich. In den Winterferien wird das Vorhaben in die Tat umgesetzt.

Und noch etwas liegt Anja Zwiebel auf dem Herzen: „Die Schule ist nicht ausreichend gegen Amokläufe gesichert. Die Türen der Unterrichtsräume lassen sich von innen nicht verschließen.“ Auch das wird vom Kreis bestätigt. Das zu ändern wird vorerst nichts. „Zur Erneuerung der Türen erfolgt derzeitig ebenfalls die Ausschreibung. Nach Angebotseingang und -auswertung erfolgt schnellstmöglich die Auftragserteilung. Hier sind lange Lieferfristen zu erwarten“, gibt Birgit Eurich einen kurzen Ausblick. Im Klartext: Voraussichtlich in den Sommerferien werden die neuen Türen kommen.

Zumindest in einem Unterrichtsraum wird derzeit gewerkelt. „Der Boden und die Wände werden gemacht“, sagt Ines Kausch – ein kleiner Lichtblick am Ende des Tunnels.

Von Melanie Friedrichs

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