Eine Kirche entsteht

Klein Chüdener Gotteshaus wird in Diesdorf wieder aufgebaut

Die ersten Balken stehen: Fachleute haben in dieser Woche mit dem Aufbau auf dem Gelände des Freilichtmuseums Diesdorf begonnen. Die Arbeiten der Zimmerer sollen bis Ostern abgeschlossen werden.
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Die ersten Balken stehen: Fachleute haben in dieser Woche mit dem Aufbau auf dem Gelände des Freilichtmuseums Diesdorf begonnen. Die Arbeiten der Zimmerer sollen bis Ostern abgeschlossen werden.

Diesdorf – Die Türen des Diesdorfer Freilichtmuseums sind für Besucher verschlossen, trotzdem passiert auf dem Gelände einiges. Dr. Jochen Alexander Hofmann, Leiter der Kreismuseen, gab gestern per E-Mail einen Einblick in die aktuellen Tätigkeiten.

Das Gotteshaus befand sich auf dieser Fläche in Klein Chüden. Ein Info-Schild verweist noch darauf.

„Endlich eine Kirche im Dorf“ beschreibt er das Bauprojekt, das für viel Aufmerksamkeit sorgt. Der letzte Gottesdienst in Klein Chüden war wehmütig, der Abbau der Kirche aufregend und nun läuft der spannende Wiederaufbau in Diesdorf. Fachleute sind seit dieser Woche dabei, dass Bau-Puzzel wieder zusammen zu setzen. „Dem damit beauftragten regionalen Zimmereibetrieb ist es auch in der Corona-Krise möglich, den Fachwerkrohbau auf dem bereits Ende 2019 gelegten Fundament zu errichten. Die Zimmererarbeiten sollen noch vor Ostern abgeschlossen sein“, schreibt der Museumsleiter.

Das Gotteshaus stand von 1793 bis 2019 – 226 Jahre – im Salzwedeler Ortsteil. Es wurde immer weniger genutzt und von der evangelischen Kirche nicht mehr benötigt. Der Altmarkkreis Salzwedel sicherte sich das marode Gebäude, das nun eine Zukunft hat. Zwei Monate (Oktober und November 2019) dauerte der vollständige Abbau. Dabei wurde darauf geachtet, möglichst viele Bestandteile wieder verwenden zu können. Die Glocke – ursprünglich an der Kirche des 1970 abgerissenen Nachbarortes Jahrsau angebracht – gehört ebenfalls dazu und soll wieder erklingen.

Das Gotteshaus bereichert bald das Freilichtmuseum. In dem dortigen Ensemble fehlt bislang eine Kirche. Geld für den ungewöhnlichen „Umzug“ gab es vom Förderprogramm „Ländliche touristische Infrastruktur“. Und zwar rund 178 000 Euro. Damit handelt es sich um europäische Mittel, die vom Land Sachsen-Anhalt bewilligt wurden. Die Gesamtkosten betragen übrigens knapp 298 000 Euro.

„Die Kirche aus Klein Chüden ist ein aussagekräftiges Beispiel der altmärkischen Sakrallandschaft mit ihren über 500 Dorfkirchen“, formuliert es Dr. Hofmann. Das Gotteshaus wird auf Grundlage eines bauhistorischen Gutachtens und archivalischer Forschungen rekonstruiert. Außerdem plant das Museum eine neue Dauerausstellung. Besucher können sich dann über ländliche Frömmigkeit und kirchliches Leben informieren. Auch Gottesdienste soll es in der Kirche geben. Vergodendeel und Erntedanktag bieten dafür den passenden Anlass.

Aber das historische Gebäude wird auch als Mahnmal der deutschen Teilung herausgestellt. Mit Bezug auf die Jahrsauer Glocke soll in geeigneter Weise an die innerdeutsche Grenze und ihre Opfer erinnert werden.

Ein Pfarrhaus wird den neu gestalten Bereich im Freilichtmuseum, das vom Altmarkkreis Salzwedel betrieben wird, abrunden. In die Erde kommen Großsträucher, Stauden und Zwiebelpflanzen. Darunter für die Altmark exotische Exemplare wie Minikiwi. Zu den weiteren vorgesehenen Sorten im Pfarrgarten gehören unter anderem Indianerbanane, Rosen, Gewöhnlicher Odemennig (auch Ackerkraut genannt), Zitronenmelisse und Kapuzinerkresse.

VON CHRISTIAN ZIEMS  

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