„Es ist wie eine Droge“

Dunja ist der größte Zirkuselefant in Europa. Johnny May trat mit der Dame bereits in vielen Ländern Europas auf. Ein Filmteam wollte einst sogar den Zug Hannibals über die Alpen mit ihr nachstellen.

Diesdorf - Von Jens Heymann . Der nach eigener Aussage „größte Tierzirkus im Norden“ hat derzeit sein Winterquartier an der Wittinger Straße in Diesdorf. Doch im Circus May endet am morgigen Freitag um 16 Uhr mit der ersten Vorstellung in der neuen Saison die Ruhezeit. Dann treten die Akrobaten und Dresseure vor das Publikum.

Der Circus May besteht aus zehn Personen und vielen Tieren, darunter Pferde, Ponys, Gänse, Kamele und Dromedare. Obwohl nur ein kleiner Betrieb hat er doch etwas Einzigartiges: seine beiden Elefanten.

Dunja heißt die eine Dame, 2,96 Meter groß und 5 225 Kilogramm schwer. „Sie ist Europas einziger großer Elefant“, erklärt Circus-Chef Johnny May. Bis nach Amerika sei der Dickhäuter bekannt.

Der Circus May wurde 1820 in Magdeburg gegründet. Über viele Generationen ging er schließlich in die Hände des 62-jährigen Johnny May. Dieser tourte zunächst mit einer Tiershow bei anderen Zirkussen durch ganz Europa, bevor er sich vor 16 Jahren mit der Familienmarke selbstständig machte.

„Unser Programm ist wie eines von vor 100 Jahren“, erzählt Johnny May. „Es gibt keine Lichteffekte, es wird nicht über die Leistung hinweggetäuscht.“ Alle Tiere könnte etwas.

Vor zwölf Jahren war die Attraktion zuletzt in Diesdorf. Im Flecken gefällt es den Artisten. Einwohner können jeden Tag vorbeikommen und sich die Tiere anschauen – kostenlos, versprechen die Halter.

Doch so ein Leben im Zirkus ist nicht einfach. Waren früher die Zelte voll, kämpfen die Menschen heutzutage um das wirtschaftliche Überleben. Während Johnny May erzählt, wie er mit Elefant Dunja einst in der Schweiz auf 2 650 Meter Höhe kletterte, schlägt sich Ehefrau Gabriele mit den alltäglichen Sorgen herum – kochen und mit den Behörden streiten. „Es wird einfach zuviel“, klagt sie. „Ein Privatleben ist so nicht mehr möglich.“

Früher, sagt sie, gab es nicht solche Probleme mit Plakaten und Quartieren. Auch zwischen den Zirkusleuten herrschte eine andere Kollegialität.

So lernte sie auch Johnny kennen. Beide kennen nur das Zirkusleben. Auch ihre sechs Kinder blieben allesamt der Artisten- und Dressurwelt treu. „Einer arbeitet in Schweden, einer in Finnland, einer in Holland“, zählt Gabriele May auf.

Richtig sesshaft wird niemand. Selbst nach der aktiven Karriere reisen viele ihrem alten Wirkungsort hinterher, auch in hohem Alter. „Zirkus ist wie eine Droge“, meint die Ehefrau vom Chef. „Aber wehe, es wird Herbst.“ Dann muss nämlich wieder hart kalkuliert werden. Die Tiere brauchen ihr Futter – 650 Kilogramm täglich. Allein die beiden Elefanten verputzen 350 Kilogramm.

Der Circus May spielt dreimal in Diesdorf: am Freitag und Sonnabend, jeweils 16 Uhr, sowie am Sonntag ab 15 Uhr. Danach geht es Richtung Braunschweig. Bis Ende November soll es Auftritte geben. Eintrittskarten kosten 16 Euro, ermäßigt 13 Euro. Vorhang auf!

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