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Aus gefällter Dorfeiche in Stöckheim wachsen erneut grüne Triebe

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Von: Kai Zuber

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Der Eichen-Goliath mitten auf der Kreuzung in Stöckheim treibt wieder frisches Grün. Das Projekt, aus dem Stamm ein Kunstwerk per Kettensäge schnitzen zu lassen, wurde bislang nicht umgesetzt. © Zuber, Kai

Totgeglaubte leben länger: Dieser alte Spruch aus dem Volksmund trifft nun im übertragenen Sinn auch auf die alte Dorfeiche im Rohrberger Ortsteil Stöckheim zu. Denn: Der Eichen-Goliath treibt wieder frische Triebe.

Stöckheim – Aus der teilweise gefällten Dorfeiche wachsen grüne Zweige. Das seitens der Kommune bereits im Frühjahr geplante Projekt, aus dem verblieben Eichenstumpf eine Goliathfigur schnitzen zu lassen, wurde noch nicht umgesetzt, wie die AZ jetzt erfuhr. Der Melliner Kettensägen-Künstler Fred Heidenreich sollte mit dem Projekt beauftragt werden. Doch: „Bei mir hat sich seitens der Gemeinde noch niemand gemeldet, seit das Vorhaben im Gespräch ist“, sagt der Melliner.

Die Sage des Hünengrabs

Zwischendurch sorgte der verbliebene Eichenbaumstumpf sogar noch für Schlagzeilen, denn ein behördliches Standfestigkeits-Gutachten sollte für „Goliath“ erst aufwendig erstellt werden (AZ berichtete). Statt neuer Blüten der deutschen Bürokratie treiben also nun grüne Zweige aus der totgeglaubten, rund 150-jährigen Eiche. Nach der Sage des Stöckheimer Hünengrabes soll eine Goliath-Figur aus dem Stumpf der Eiche geschnitzt werden. Um das Vorhaben in die Tat umzusetzen, sind 2500 Euro im Haushalt der Kommune reserviert.

Die Idee des Projektes: Um das Großsteingrab Stöckheim ranken sich einige volkstümliche Sagen. Eine sieht es als Grab des biblischen Riesen Goliath an. Dieser habe es im heiligen Land nicht mehr ausgehalten, da er dort aufgrund seiner Niederlage gegen den Hirtenjungen David verspottet wurde. Er beschloss, sich eine neue Ruhestätte zu suchen und fand den geeigneten Platz in Stöckheim.

Dort stellte er zunächst einige Steine auf und kehrte dann noch einmal um, um seinen goldenen Sarg und seinen Grabstein zu holen. Den Sarg nahm er unter den Arm, und den Grabstein band er sich mit einer goldenen Kette auf den Rücken. Diese scheuerte aber beim Laufen und bildete somit die markante Rinne auf dem nördlichen Deckstein.

Auch für die Schälchen findet die Sage eine Erklärung: Diese seien entstanden, da Goliath in jeder Neujahrsnacht aus seinem Grab steige und drei Löcher in den Stein schabe, die so groß seien wie die Wunde, die Davids Steinschleuder ihm einst geschlagen habe.

Die Sage von unterirdischen Wesen

Eine andere Sage berichtet von unterirdischen Wesen, die sich häufig in der Grabkammer aufhalten und Kinder entführen. Die Sage erzählt von einem Verwalter des Rittergutes von Ahlum, der auf diese Dinge nichts gab und seine Tochter nicht zur Vorsicht ermahnte. Die gut aussehende und gesunde Tochter wurde daraufhin von den Unterirdischen gegen ein hässliches, geisteskrankes Mädchen vertauscht, welches bereits mit 18 Jahren starb. Die Unterirdischen sollen die Grabkammer aber auch häufiger verlassen, um bei der Ahlumer Mühle auf dem sogenannten Mühlenstein kegeln zu gehen. Dieser Stein wurde 1901 entfernt und als Baumaterial verwendet.

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