„Café Moskau“ ist längst Geschichte

Ehemalige KGB-Abhörstation bei Bergmoor verfällt mehr und mehr

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„Café Moskau“ am 9. Juli 1991: Der 71 Meter hohe Turm konnte besichtigt werden. Eintrittsgebühr: eine Flasche Wodka.

Bergmoor – Etwa einen Kilometer nordwestlich der Ortschaft Bergmoor tauchen in einem kleinen Waldstück plötzlich Gebäude auf. Ruinen ist wohl der treffendere Ausdruck.

Kein Mensch ist zu sehen oder zu hören, Vögel zwitschern um die Wette, bis auf die Reste menschlicher Zivilisation eine Naturidylle.

Was früher mal eine Fahrzeughalle war, verfällt heute mehr und mehr. Schon seit dem Abzug der Sowjets am 30. August 1991 stehen die Gebäude auf dem Schwabenberg nahe der Ortschaft Bergmoor leer. 

Bis zum 30. August 1991 sah es dort noch ganz anders aus. An diesem Tag verließ der letzte Sowjetsoldat die KGB-Abhörstation auf dem Schwabenberg. In Spitzenzeiten taten rund 500 Mann ihren Dienst. Sie gehörten zum 383. selbstständigen Funktechnischen Bataillon, einer OSNAZ-Einheit (KGB-Abhörtruppe). Nach dem Abzug der Roten Armee hatte der im Volksmund „Café Moskau“ genannte Turm seine Funktion, die Aufklärung des UKW-Funks, des Flugfunks der NATO sowie der Funk- und Satellitentelefone, verloren. Am 21. Juli 1998 wurde der 71 Meter hohe Stahlbetonriese gesprengt.

Das Gelände liegt seitdem brach, die Gebäude verfallen mehr und mehr. Bürgermeister Fritz Kloß sagte auf AZ-Nachfrage, dass Heiko Fricke schon vor einigen Jahren einen Teil des Areals gekauft habe.

Die restliche Fläche würden sich mehrere andere private Eigentümer teilen, darunter auch die Kirche in Kalbe / Milde. „Ja, eine größere Fläche, etwa 1,5 Hektar, gehört mir“, bestätigte Heiko Fricke, der in Wittingen eine Firma für Garten- und Landschaftsbau betreibt. Er habe das Grundstück als Lagermöglichkeit nutzen wollen. Bei der Absicht sei es bis heute geblieben. „Das ist mir dort zu unsicher, es könnten Maschinen demoliert werden“, erklärte Fricke.

VON CHRISTIAN REUTER

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