Dunkles Kapitel in Baumgestalt

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Mahnmal eines düsteren Kapitels: Die so genannte „Hitler-Eiche“ wurde als Solitärbaum im Jahre 1933 anlässlich Hitlers Machtergreifung neben dem Diesdorfer Gotteshaus gepflanzt.

Diesdorf - Von Kai Zuber . Kaum jemand kennt den Ursprung der einzeln stehenden Eiche unmittelbar neben der Diesdorfer Klosterkirche. Und dennoch beschreibt gerade dieser Baum eines der düstersten Kapitel der deutschen Geschichte. Seit Jahren bemüht sich der Diesdorfer Heimatchronist Heinz-Günter Klaas mit veröffentlichten Bildern, Texten und Dokumentationen gegen das Vergessen zu arbeiten. „Wir haben die Pflicht, der nächsten Generation unsere Erinnerungen mitzuteilen“, sagte der pensionierte Lehrer.

Historisches Wissen von Generation zu Generation weiterzureichen, das hat Tradition in der Familie Klaas. So berichtete Senior Heinrich Klaas seinem Nachwuchs einst von der so genannten „Hitler-Eiche“. Sie wurde als Solitärbaum im Jahre 1933 anlässlich Hitlers Machtergreifung neben das Gotteshaus gepflanzt. Initiatoren des symbolischen Aktes waren die Mitglieder der Ortsgruppe der NSDAP. „Das Kuriose daran war, so berichtete mir mein Vater, dass der gepflanzte Baum einfach nicht anwachsen wollte. Also wurde bei Nacht und Nebel eine neue Eiche in die Erde gesetzt“, so Heinz-Günter Klaas. Seit rund 80 Jahren steht der Baumriese also an der Kirche. Beinahe wäre er dem Straßenbau der Landesstraßen 8 und 11 zum Opfer gefallen, weil die Planer an der Kirchenkreuzung einen Kreisverkehr einrichten wollten. Auch ein modernes kirchliches Gemeindezentrum sollte dort entstehen. Aber beide Pläne wurde nicht zuletzt aus Kostengründen verworfen.

Doch Heinz-Günter Klaas weiß noch mehr über die Ereignisse rund um die Klosterkirche zu berichten. So wurde dort im Frühjahr 1945 kurz vor Kriegsende auf dem Kirchturm die weiße Fahne gehisst. „Ein verwirrter Kriegsversehrter aus Diesdorf wollte sich den herannahenden amerikanischen Truppen noch mit einem Kleinkalibergewehr entgegenstellen, wurde jedoch in letzter Minute von seiner Frau zurück ins Haus gezogen“, so Klaas.

In Erinnerung geblieben sind vor allem den Kriegskindern noch die kleinen Geschenke, welche die Soldaten ihnen machten. Die Knirpse waren verrückt nach Kaugummi, Schokolade und Uniformteilen. Während die „Amis“ die Großbauern zusammenriefen, um eine neue Verwaltung aufzubauen, hielten sich die Russen als spätere Besatzer eher an die Tagelöhner, wie Heimatforscher Heinz-Günter Klaas aus Überlieferungen zu berichten weiß.

Die kuriosesten Ereignisse dieser Tage ranken sich jedoch um die Entstehung der so genannten „Whiskey-Wodka-Grenze“ zwischen Schafwedel und Schmölau. Diese Grenze, so berichten die dortigen Dorfbewohner, soll sechs Kilometer östlich von Bodenteich von britisch-amerikanischen und sowjetischen Truppen während eines ausgiebigen Trinkgelages festgelegt worden sein, wobei Whiskey und Wodka in Strömen floss.

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