Eigeninitiative in Wüllmersen: Einwohner bekämpfen den Prozessionsspinner

Drei Männer, ein Ziel

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Insgesamt wurden in Wüllmersen 15 Nester (kleines Bild) des Eichenprozessionsspinners verbrannt. Die Gemeinde sah keine akute Gefahr und wollte keine Profis bezahlen, die sich der Sache annehmen. Deshalb handelten die Wüllmersener selbst.

Wüllmersen. 15 Nester des Eichenprozessionsspinners sind in Wüllmersen von Anwohnern auf eigene Faust verbrannt worden.

Daniel Schulz, Ingo Kaufmann und Florian Fischbeck haben sich der gefährlichen Sache in Schutzkleidung und mit Mundschutz angenommen, denn auch sie wissen, dass die feinen Haare der Raupen giftig sind.

Eigentlich wäre die Gemeinde Diesdorf, zu der Wüllmersen gehört, im Zuge der Gefahrenabwehr für das Beseitigen der Nester zuständig gewesen. Aber: „Ich habe keine konkrete Gefahr gesehen und deshalb ein Handeln der Gemeinde für nicht notwendig gehalten“, sagte Bürgermeister Fritz Kloß gestern auf AZ-Nachfrage. Er begründet: Die befallenen Eichen würden weitab vom Gehweg stehen, zehn Meter von der Straße entfernt. Ein Spielplatz sei nicht in der Nähe. Und: „Dort muss keiner langlaufen.“ Entsprechende Warnschilder seien aufgestellt worden.

„Uns lag sehr viel an der Vernichtung, da sich die Bushaltestelle für den Schulbus unter den Eichen befindet“, sagen indes die Männer, die die Selbstinitiative ergriffen haben. Außerdem würden die Kinder aus der Tagesstätte dort gern spazieren gehen, und unter den Eichen seien letztlich auch Einwohner gefährdet. Und da die Gemeinde für eine professionelle Beseitigung kein Geld zur Verfügung stellen konnte, hätten die Männer aus Wüllmersen den Raupennestern eben selbst den Garaus gemacht.

„Manche Gemeinden greifen für solche Arbeiten auf eigenes Personal wie zum Beispiel Wirtschaftshofmitarbeiter zurück“, weiß auch Hans Thiele, im Altmarkkreis als Dezernent unter anderem für die Ordnung und Sicherheit zuständig. Das Ausbrennen der Nester sei eine Möglichkeit, allerdings setzt der Landkreis angesichts der Waldbrandgefahr eher auf die Absauge-Methode. „Das lassen wir an befallenen Bäumen an unseren Kreisstraßen von Fachfirmen machen“, so Thiele weiter. Er erinnert daran, dass jeweils der Eigentümer des Grund und Bodens, auf dem die befallenen Eichen stehen, im Zuge der Gefahrenabwehr für die Beseitigung zuständig ist und auch die Kosten zu tragen hat. Wenn Gefahr im Verzuge ist, müsse der jeweilige Eigentümer handeln – kein Geld sei dann kein Argument.

Von Ulrike Meineke

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