Dreschtag wie vor 100 Jahren: Altmärkisches Erntefest lockt viele Gäste an

Diesdorf: Per Ziegen-Express durchs Museum

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Als Fachmann am Dreschflegel war sich Gerhard Schmidt (Mitte) aus Dähre als echter Doktor der Agrarwirtschaft für eine Vorführung nicht zu schade. Die Gäste des Altmärkischen Erntefestes schauten interessiert zu.

Diesdorf – Während rings um die Altmark nicht nur Sonnenschein herrschte, hatten die Bewohner und Gäste des Hansjochenwinkels am Tag der Deutschen Einheit Glück mit dem milden und sonnigen Herbstwetter – wie gemacht, um die Ernte trocken einzubringen.

Einen mustergültigen Dreschtag wie vor 100 Jahren samt Vesper zelebrierten am Donnerstag die Darsteller der Heimatinteressierten aus Dähre und Umgebung: Das von ihnen in Szene gesetzte altmärkische Erntefest lockte Gäste in Scharen an.

Der Ziegen-Express der Kortenbecker Familie Gaedke kutschierte kleine Besucher über das Museumsgelände.

Wer als kleiner Besucher das muntere Treiben bei einer Rundfahrt erleben wollte, für den ging es mit dem Ziegen-Express der Kortenbecker Familie Gaedke durchs Museum. Premiere zum Tag der Einheit im Museum hatte indes die Egerländer Kapelle des Landespolizeiorchesters Mecklenburg-Vorpommern, die die passenden Tanzmusiktakte zum Erntefest beisteuerte.

Echter Doktor dabei

Als Fachmann am Dreschflegel war sich Gerhard Schmidt aus Dähre als echter Doktor der Agrarwirtschaft mit seinen Freunden nicht zu schade, dem interessierten jungen und alten Publikum zu zeigen, wie den Getreideähren die begehrten Körner unsanft „entlockt“ werden. Und auch Petrus mischte sich zum Tag der Einheit unter die Erntehelfer im Diesdorfer Freilichtmuseum.

Hunderte Gäste wollten vor allem eines sehen: Das bunte Treiben, welches die Heimatinteressierten aus Dähre und Umgebung auf dem großen Platz darboten. Rings um den Taubenturm führten die Knechte und Mägde alte Erntetechniken und bäuerliches Tagwerk anschaulich vor. Im Zentrum konnte die große Dreschmaschine bestaunt werden, welche von Rainer Hartmann aus Wüllmersen mithilfe eines riesigen Lederriemens vom urigen Lanz-Bulldog-Schlepper angetrieben wurde.

In seinem Takt droschen die Helfer das im Museum angebaute Getreide, so wie zu Urgroßvaters Zeiten. In Betrieb genommen wurden verschiedene Dreschkästen, Binder, Windfege, Schrotmühle und vieles mehr.

Kunst am Amboss

Große und kleine Besucher durften gerne auch selbst die Windfege in Bewegung setzen oder bei der Mitmachaktion „Vom Korn zum Brot“ den Dreschschlegel schwingen. Museumsschmied Manfred Heiser vollführte seine Kunst am Amboss, und die Frauen des Textilkreises Wolmirstedt zeigten, wie einst Flachs versponnen wurde. Hanfseile wurden geflochten, seltene Kartoffelsorten präsentiert und vom Aussterben bedrohten Geflügelrassen seitens des Rassengeflügelzuchtverein Jübar-Bornsen präsentiert.

Höhepunkt am Donnerstag war zudem der Erntedankgottesdienst im geschmückten Winkelstedter Hallenhaus, welcher mit Unterstützung des Posaunenchores unter Leitung von Kantor Roland Dyck gefeiert wurde.

VON KAI ZUBER

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