„Goliath“ schrieb auch in der Altmark Automobilgeschichte

Diesdorf: Packesel auf drei Rädern

In den vergangenen Monaten wurde hart am Auto geackert: Laut dem Goliath-Club gibt es nur noch acht Tieflader dieses Typs. Die „F-200“ wurden 1932 bis 1934 gebaut und konnten jeweils 500 Kilo Last laden.
+
In den vergangenen Monaten wurde hart am Auto geackert: Laut dem Goliath-Club gibt es nur noch acht Tieflader dieses Typs. Die „F-200“ wurden 1932 bis 1934 gebaut und konnten jeweils 500 Kilo Last laden.

Diesdorf – Der „Goliath“ ist eines der merkwürdigsten Fahrzeuge der Autogeschichte. Der „Packesel auf drei Rädern“ prägte das Straßenbild Mitte des 20. Jahrhunderts. Auch in der Altmark war der Kleintransporter begehrt.

Zwei Diesdorfer Unternehmer nannten den Goliath ihr Eigen. Es waren die Schlachter-Familie Kuhlmann sowie Ernst Kuhlmann vom Kerstenberg, der Eieraufkäufer und Sekundärrohstoff-Händler war. Die Fleischermeister Bernd und Richard Kuhlmann fuhren ein Goliath-Dreiradauto vom Typ F-200.

Dessen heutiger Besitzer ist Dr. Gerhard Schulz. Viele Arbeitsstunden und so manchen Euro hatte Schulz unter anderem mithilfe von Tischlern und Karosseriebauern in den vergangenen Monaten in die Renovierung der Autolegende gesteckt, von der es heute nur noch ganz wenige Exemplare weltweit gibt. „Jetzt wird nur noch ein neuer Kolben eingebaut, und dann geht meine erste Spritztour nach Diesdorf zur Familie Kuhlmann“, freut sich Dr. Schulz. Er ist Mitglied des „Goliath-Veteranen-Clubs“. Laut dem Club gibt es nur noch acht Tieflader dieses Typs. Die „F-200“ wurden 1932 bis 1934 gebaut und konnten jeweils 500 Kilo Last laden.

Tochter des Borgward-Konzerns

Das war der Urzustand des Gefährts: Hunderte Arbeitsstunden stecken in der Restaurierung.

Im Jahr 1928 wurde Goliath als Tochterunternehmen des Borgward-Konzerns in Bremen gegründet, anfänglich zur Produktion von dreirädrigen Kleinst-Fahrzeugen und später bis zur Auflösung der Marke Borgward sogar Limousinen. Seinen Ursprung hatte der Automobilhersteller Goliath in der Gründung durch Wilhelm Tecklenborg und Carl. F. W. Borgward im Jahr 1928.

Zu dieser Zeit bestand bereits seit sieben Jahren die Bremer Kühlerfabrik Borgward & Co., in der im Jahr 1924 das Lieferdreirad „Blitzkarren“ entwickelt wurde. Der Goliath war also sowohl der Name des Tochterunternehmens wie auch die Bezeichnung des ersten Fahrzeuges, der „Goliath Pionier“. Dieser basierte quasi auf dem Blitzkarren. Das dreirädrige Fahrzeug mit einem Einzylinder-Zweitaktmotor und 5,5 PS hatte damals den Vorzug, dass es ohne Führerschein gefahren werden durfte und zudem von der Steuer befreit war.

Im weiteren Verlauf der Marke Goliath trat das gleichnamige Tochterunternehmen in den Hintergrund, und die Fahrzeuge mit der Markenbezeichnung „Goliath“ waren unter dem Namen Borgward bekannt. Etwa bis zur Mitte der Dreißigerjahre fertigte das Unternehmen den „Goliath Pionier“.

Auch nach dem Krieg ein Dreirad

Die Geschichte der Marke Goliath geht 1949 weiter, nachdem das Werk in Bremen 1944 zerstört wurde. Erneut wurden die Goliathwerke als Tochterunternehmen der Borgward-Gruppe gegründet. Das erste Nachkriegsfahrzeug war ebenfalls ein Dreirad, der Goliath GD 750 mit 750 Kilo Nutzlast, dessen Nachfolger Goli zum Verkaufs-Renner bei Borgward wurde. Das erfolgreichste Modell des Unternehmens war der Goli, ein dreirädriger Kleintransporter, der in den Wirtschaftswunderjahren das Straßenbild der deutschen Städte prägte.

Der Goli wurde von 1955 bis 1961 gebaut und war der letzte deutsche dreirädrige Kleinlaster. Der Wagen besaß einen wassergekühlten Zweizylinder-Zweitaktmotor und konnte aufgrund des dreirädrigen Fahrwerkes vor allem durch seinen niedrigen Preis Käufer anlocken. Trotzdem überzeugte der Goli in Bezug zu seinen Konkurrenten durch seine relativ moderne Bauweise. Das Fahrzeug besaß bei einem Gesamtgewicht von 1,8 Tonen eine Nutzlast von 0,75 bis 0,95 Tonnen. Typisch ist der Zweitakt-Ottomotor mit 465 Kubikzentimetern Hubraum, 15 PS-Motor mit Wasserkühlung und Viergang-Schaltung. Der Kleinlaster konnte ordentlich was transportieren. Die Pritschen-Ausführung gab es in einer tief- und einer hoch liegenden Variante. Erstere ermöglichte ein Ladevolumen von sechs Kubikmetern. Ferner gab es den Ganzmetall-Kastenwagen sowie einen Kofferaufbau.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare