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Erntezeit: Helfried Kunz und Dietmar Ketzel sorgen für den richtigen Schnitt

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Von: Kai Zuber

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Mäher Helfried Kunz steht die schweißtreibende Mühe ins Gesicht geschrieben. Mit dem Wetzestein schleift er die Sense regelmäßig scharf.
Mäher Helfried Kunz steht die schweißtreibende Mühe ins Gesicht geschrieben. Mit dem Wetzestein schleift er die Sense regelmäßig scharf. © Privat

Ende Juli, Anfang August wurde bei gutem Wetter bereits vor 100 Jahren das Getreide geerntet und eingefahren. Schweißtreibend, aber meist ohne viel Stress oder Bürokratie, denn EU-Richtlinien wie zu Düngung, Anbau oder Flächennutzung gab es zu Uropas Zeiten nicht. Ebenso wenig wie Ernteprognosen. Damals wurde nach den altbekannten Regeln der Fruchtfolge angebaut.

Diesdorf – Aber auch schon vor über 100 Jahren musste die Ernte-Technik tipptopp funktionieren. Bei den einfachen Bauern war das zumeist noch die Sense. Da galt diesbezüglich das alte Sprichwort: „Gut gedengelt ist halb gemäht“.

Helfried Kunz und Dietmar Ketzel sorgten in den vergangenen Tagen auf dem Diesdorfer Museumsacker für den richtigen Schnitt bei der Roggenernte. Dietmar Ketzel als Dengel-Fachmann hatte sich zu seinem Glück einen Platz im Schatten gesichert, während Helfried Kunz von den Heimatinteressierten aus Dähre und Umgebung mit seiner Sense den schweißtreibenden „Platz an der Sonne“ hatte und entsprechend stöhnte. Die Arbeit des Mähens geht ins Kreuz.

Eine Sense braucht eine „lange Schneid“, die einen ebenso langen Arbeitstag mitmacht. Diese Weisheit kennt jeder Bauer, der auf der Wiese oder sogar auf dem Kornfeld schon einmal gearbeitet und die Ernte eingebracht hat. Dietmar Ketzel sorgte für scharfe Schnittwerkzeuge und demonstrierte am Rande des Erntegeschehens auf dem Feld, wie so eine lang anhaltende Schärfe des Sensenblattes zustande kommt. Das geschieht nämlich auf dem Dengelamboss, wo die Sense als Vorbereitung für die Mahd mit einem speziellen Hammer gedengelt wird. Auf dem kleinen Dengelamboss wird das Sensenblatt mit dem Hammer geschickt bearbeitet.

Sogar ein Gedicht gibt es zum Mähen mit der Sense: „Im Schuppen hängt die Sense, abgenutzt und müd. Wie oft hat sie geklungen im Morgentau ihr Lied“.

Das Mähen mit der Sense von Hand ist aktuell sogar wieder im Kommen. Dass es verschiedene Sensen und Sensenbäume (Stiele) gibt, dass die Bäume aus guter, astfreier Esche gefertigt sind, der Drechsler aus Diesdorf gute Stiele von Hand herstellt und schließlich, wie Sensenklinge und Sensenbaum mit dem sogenannten Schloss verbunden werden – dies alles kann man heute noch von Großvater lernen.

Gewetzt wird der Stahl mit einem speziellen Schleifstein, der möglichst in einem Wasserbad-Köcher am Körper getragen werden sollte.

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