1. az-online.de
  2. Altmark
  3. Beetzendorf-Diesdorf

Diesdorf: Heinrich Gades hält mit 91 Jahren seinen Traum vom „Museum im Museum“ wach

Erstellt:

Von: Kai Zuber

Kommentare

Heinrich Gades (l.) mit Besuchern seines Museums in Diesdorf.
Heinrich Gades (l.) mit Besuchern seines Museums in Diesdorf. Stets ist eine Führung ein besonderes Erlebnis, wenn der 91-Jährige selbst seine Lieblingsstücke erklärt. © Freier Mitarbeiter

Im Diesdorfer Freilichtmuseum wurde 2014 das Fachwerkhaus von 1879 aus Wollenhagen wieder aufgebaut. Dort wurde auch der Traum für ein Lebenswerk wahr: Der am 30. März 1931 in Knesebeck geborene Küfer- und Böttchermeister Heinrich Gades ließ es sich auch in dieser Saison mit 91 Jahren nicht nehmen, selbst durch sein „Museum im Museum“ zu führen.

Diesdorf – Er hält auch hochbetagt seinen Traum wach. Und stets ist eine Führung für die Gäste ein ganz besonderes Erlebnis, wenn der Meister selbst seine Lieblingsstücke erklärt. Zum Beispiel im Präsentationsraum den Wandschrank in Fassform oder das 600 Liter fassende Fassmeisterstück von 1954.

Sogar ein weiterer Fassschrank mit dem Wappen des Altmarkkreises und eine Fasssitzgarnitur gibt es dort. Ebenso eine ausführliche Dokumentation der Gesellenwanderjahre der gesamten Gades-Familiendynastie. Die Krönung der Ausstellung ist das begehbare 5000-Liter-Fass aus edler Oregon-Pinie, welches 2014 für die Diesdorfer Böttcher- und Küferausstellung gefertigt wurde.

Eigentümlich und praktisch zugleich: 1954 baute Gades für seine Mutter eine hölzerne Schaukelwaschmaschine in Zusammenarbeit mit der Bundesmeisterschule in Reutlingen. „Die war 23 Jahre in Betrieb. Genutzt wurde sie nicht nur von unserer Familie, sondern sie ging in Knesebeck auch leihweise an die umliegenden Haushalte“, erklärte der Meister stolz.

Mit der akribischen Dokumentation des Böttcher- und Küferhandwerks im Freilichtmuseum ging für ihn ein Lebenstraum in Erfüllung. In der vielschichtigen Ausstellung „Ein Handwerk im Wandel“ werden vor allem die Bezüge zur Region, darunter die Brautradition in Gardelegen und Salzwedel, sichtbar. Die Entstehung und historische Bedeutung von Salz-, Bier- und Weinfässern wird aufgezeigt. Auch eine Hopfenausstellung ist zu sehen, die die Bedeutung des Anbaus und die Schritte bis zum Bierbrauen dokumentiert.

2011 und 2012 wurde das 14 mal neun Meter große Fachwerkhaus aus Wollenhagen abmontiert und im Freilichtmuseum eingelagert. Das „Museum im Museum“ mit der Böttchereiausstellung entstand, um der Nachwelt einen fast vom Aussterben bedrohten Berufsstand nahezubringen.

Originalgetreue Rekonstruktionen und Nachbauten aus rund tausend Jahren Küferei umfasst die Ausstellung. „Das Besondere ist, dass diese Rekonstruktionen mit damals vorherrschenden Werkzeugen gefertigt wurden“, sagt Heinrich Gades und will in seinem Museum zeigen, wie sich die Herstellung von Fässern und anderer Behälter vollzogen hat.

Auch interessant

Kommentare