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Westernstadt am Ahlumer See – „Es tut sich leider gar nichts“

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Von: Kai Zuber

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Mehrere bunte Holzhäuser stehen in einer Reihe und bilden eine Westernstadt.
Das „Post-Office“: Im Sommer 2021 schickte der Verein der Gemeinde im Zusammenhang mit der drohenden Abrissverfügung einen sechsseitigen Brief einer Hamburger Anwaltskanzlei. Seitdem ist nichts weiter passiert. © Kai Zuber

Still ruht der Ahlumer See und damit auch die Lösung der offenen Probleme rund um die von den Bikern des Vereins „Rag Tag“ errichtete Westernstadt. Am Rande war das Problem auch Thema während der jüngsten Ratssitzung der Gemeinde Rohrberg, als es darum ging, das Areal touristisch zu entwickeln. Für ein entsprechendes Konzept des Bürgermeisters Bernd Schulz wurden im Vorjahr 3000 Euro ausgegeben, obwohl die Vorschläge darin bei den Bürgern auf überwiegende Ablehnung stießen.

Vor einem Holzhaus in einer Westernstadt steht ein Galgen, an dem ein Strick baumelt.
Der Galgen-Saloon der Westernstadt am Ahlumer See. Bedrohlich baumelt der Strick im Wind. Die Biker kämpfen seit Monaten um den Erhalt ihrer Stadt aus Holz. © Kai Zuber

Ahlum – Danach schien alles irgendwie eingeschlafen zu sein, beschreibt Biker-Vizepräsident Norbert Wingenfelder die aktuelle Situation. Er und der Vereinsvorstand vermissen eine Rückmeldung der Gemeinde Rohrberg. „Alles ist in der Schwebe. Was wird aus unserer Westernstadt? Es tut sich leider gar nichts“, bedauert Wingenfelder. Sein letzter Stand der Dinge: Im Sommer 2021 schickte der Verein der Kommune im Zusammenhang mit der drohenden Abrissverfügung für die mit stiller, jedoch nicht amtlichen Genehmigung des Voreigentümers errichteten Westernstadt aus Holz einen sechsseitigen Brief einer Hamburger Anwaltskanzlei. „Danach hieß es dann seitens der Verbandsgemeinde (VG) Beetzendorf-Diesdorf, dass die Angelegenheit wohl von einer Magdeburger Kanzlei, die die VG vertritt, bearbeitet werde. Doch auch hier gibt es nichts Neues“, erörterte Wingenfelder.

Bürgermeister Bernd Schulz und die Ratsmitglieder Axel Pieper sowie Holger Robra sprachen sich gegen die Pläne des Ratsherren Stefan Borchert aus, eigenes Geld ohne zusätzliche Fördermittel in die Entwicklung des touristischen Areals am Ahlumer See und damit in die Sanierung der dortigen maroden Sanitäranlage zu stecken. Man warte auf den Start der neuen Runde im Leader-Prozess, meinte Bernd Schulz. „Sie beginnt im Jahr 2023“, so der Ortschef. Der Antrag von Borchert, 50 000 bis 60 000 Euro in die Toilettensanierung zu stecken, fand keine Mehrheit. „Aber ich frage mich schon, warum im laufenden Haushalt dann 34 709,50 Euro für die historische Mühle und den Ahlumer See eingeplant sind“, argumentiert Norbert Wingenfelder. Ansonsten werde seitens der Kommune viel von einem touristischen Konzept geredet, aber es passiere nichts, so der Biker weiter. „Dabei gab es von unserem Club und den befreundeten Vereinen der Trabi-Freunde und des Ford-Clubs ja mal ein konkretes Angebot, die Toiletten zu sanieren, aber das verlief dann leider im Sande, wie so vieles“, erinnerte der Vize-Präsident. Er erhofft sich in den kommenden Wochen mehr Initiative von der neu gegründeten Bürgerinitiative „Pro-Ahlum“, die sich die Entwicklung des Sees in Zusammenarbeit mit der Kommune auf die Fahnen geschrieben hat. Auch der bestehende Pachtvertrag mit der „Fischerhütten“-Pächterin Sibylle Freitag hänge in der Schwebe. Die Pächterin hatte angekündigt, den Vertrag wegen „unbefriedigender Zusammenarbeit mit der Gemeindeführung“ zu beenden. Doch aktuell gibt es „diesbezüglich wohl noch einigen Klärungsbedarf“, war von Freitag auf Nachfrage zu erfahren. Unter anderem wurde ein Anwalt eingeschaltet, weil sich die Pächterin gegen Vorwürfe der Kommune wehrt, sie habe das Areal an den Biker-Verein unterverpachtet. Sibylle Freitag, die Vereins-Kassenwartin sowie der Biker-Vorstand weisen die Vorwürfe zurück.

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