Gutes Storchenjahr

Die letzten Adebare verlassen die Altmark

Störche im Nest.
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Das Storchenpaar auf dem Dährer Nest war diese Saison mit seiner Brut erfolgreich. Zwei junge Störche hat das Paar durchgebracht.
  • VonKai Zuber
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Die letzten Adebare verlassen derzeit die Altmark. Das Storchenjahr lief vergleichsweise gut.

Dähre – „Auf den feuchten Wiesen an der Dumme-Niederung finden die Dährer Störche reichlich Nahrung“, berichtet Brigitte Lenz. Die Seniorin beobachtet bereits seit vielen Jahren das Treiben der Adebare hoch oben auf dem Dährer Schornstein-Nest. „Erst glaubte ich, drei Junge gesehen zu haben, doch am Ende waren es wohl zwei junge Störche, die durchkamen“, sagt Lenz.

Das Storchenjahr lief aus ihrer Sicht vergleichsweise gut, zumal Salzwedels Storchenbetreuer Thomas Koberstein im Vorjahr keinen einzigen Nisterfolg für die gesamte Dumme-Region registrierte und nun aufatmen kann. Die letzten Adebare verlassen derzeit die Altmark. „Der 6. September war zwei Mal in den letzten Jahrzehnten ein extrem später Termin, wo noch einmal Nachzügler gesichtet worden“, erzählt Koberstein.

Die Besonderheiten in der Storchensaison 2021 sind die vielen gesichteten einjährigen und zweijährigen Adebare, die sich zu Trupps zusammenschlossen und bei den angestammten Paaren nicht selten für Unruhe sorgten. Ob nun die umherziehenden „Nichtbrütergruppen“ tendenziell zugenommen haben, kann jedoch nicht mit Sicherheit gesagt werden. Nur eines wissen die Experten sicher: Vor wenigen Jahrzehnten, als noch alle Störche in Afrika überwinterten, wäre eine solche Gruppen-Zusammensetzung nicht möglich gewesen. Da blieben die Jungstörche zwei bis drei Jahre in Afrika, bevor sie brutreif zurückkehrten.

„Inzwischen überwintern viele Störche in Spanien, Frankreich und auch schon in Deutschland. Und nicht wenige der Jungstörche vom Vorjahr kehren nun bereits als Einjährige zurück und ziehen in solchen Nichtbrütertrupps durch die Lande“, erklärt Dr. Michael Kaatz von der Vogelschutzwarte Storchenhof Loburg. Dort wurden dieser Tage auch zwei aufgezogene Jungstörche aus Salzwedel ausgewildert. Offensichtlich suchten Jungstörche die Gesellschaft von Gleichaltrigen. Es gibt auch viele Zweijährige, die noch nicht brutreif sind.

Bei den Störchen wird zwischen Westziehern und Ostziehern unterschieden. Die Westzieher fliegen nach Ende der Brutsaison gen Südwesten, bleiben teilweise bereits in Spanien und ernähren sich dort zum Teil auf den riesigen Müllkippen. Oder sie fliegen weiter über die Meerenge von Gibraltar und überwintern in Westafrika. Die Ostzieher fliegen nach Südosten, überqueren die Meerenge des Bosporus, fliegen durch die Türkei, Israel, Ägypten und überwintern in Mittel- oder Südafrika. Dabei legen sie mehr als 10000 Kilometer zurück.

Die ersten Störche erscheinen bereits im Februar oder Anfang März in der Altmark. Von Spanien brauchen sie gut 14 Tage. Die Ostzieher kommen frühestens im letzten Märzdrittel. Störche, die erst im Mai oder noch später eintreffen, sind oft noch nicht ganz brutreif. Die meisten jungen Störche bleiben die Jahre bis zum Einsetzen der Brutreife in ihrem Winterquartier. Störche gehen eine Saison-Ehe ein. Dabei kann es auch vorkommen, dass über mehrere Jahre ein Partner oder auch beide zu demselben Nest zurückkehren. Die Großvögel legen im Schnitt drei bis fünf, selten auch mal sechs Eier. Sie werden in 32 Tagen - von beiden Eltern abwechselnd – ausgebrütet. Die Hauptnahrung der Jungstörche besteht in den ersten drei Lebenswochen vor allem aus Regenwürmern, Kerbtieren und Schnecken. Später kommen dann Mäuse, Frösche, Schlangen, Fische, Heuschrecken hinzu. Ein gutes Mäusejahr ist auch ein gutes Storchenjahr. Störche können über zwanzig Jahre alt werden.

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