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Dauerbrenner Westernstadt: Offener Brief an Ahlumer Haushalte

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Von: Stephan Ernst

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Ein älterer Herr mit grauem Vollbart schaut auf mehrere vor einer Westernstadt abgestellte Motorräder.
Seit über ihren Erhalt gestritten wird, hat sich die von der Biker-Gruppe „Rag Tag“ erbaute Westernstadt am Ahlumer See zu einem Tourismusmagneten entwickelt. © Kai Zuber

Vor dem Hintergrund der seit Monaten kontrovers diskutierten Thematik um über die Zukunft des Tourismus am Ahlumer See und die Zukunft der dortigen Westernstadt verfassten jetzt die Bürgerinitiative (BI) „Pro Ahlum“ und der Harley-Davidson Club „Ragtag“ einen offenen Brief, der an jeden Haushalt in Ahlum verteilt wurde.

Ahlum – Die Bürgerinitiative „Pro Ahlum“ wurde am 26. August 2021 gegründet und besteht aus 34 Mitgliedern.

Es ist ihr Anliegen, Einfluss auf touristische und kulturelle Entwicklungen in Bezug auf den Ahlumer See zu nehmen sowie auch auf alle anderen Belange der Gemeinden Ahlum, Stöckheim und Nieps. Hintergrund: Seit November 2020 gehört der Ahlumer See wieder der Gemeinde Rohrberg. Der Kauf wurde seitens der Kommune begründet mit der Sorge, dass das Areal an andere private Interessenten verkauft und der öffentlichen Nutzung entzogen wird. „Dem stimmen wir vollends zu. Allerdings wäre es wichtig gewesen, im Vorfeld eine Bürgerversammlung einzuberufen, da das Projekt von großem öffentlichem Interesse der Ahlumer Bürger war und ist. Dies ist bekanntermaßen leider nicht geschehen“, heißt es in dem Schreiben. Seit das Areal ins Eigentum der Gemeinde überging, sei aus Sicht der BI nur ein Ziel konsequent verfolgt worden, und zwar der Abris der Westernstadt des Harley-Davidson-Clubs „Rag Tag“.

„Die darauf erfolgte Reaktion der Ahlumer Bürger durch Unterschriftsaktionen oder kritische Fragen in öffentlichen Ratssitzungen – sofern sie zugelassen wurden – sind vom Bürgermeister und einem Teil der Ratsmitglieder völlig ignoriert worden. Da stellt sich hier schon die Frage: Für welche Bürger soll der See erhalten bleiben? Für die Ahlumer, Stöckheimer und Niepser Bürger eher nicht, da deren Meinung nicht gefragt ist und in keinster Weise Berücksichtigung findet“, heißt es in dem Schreiben weiter. Man wolle nicht mehr so ohne Weiteres alle Entscheidungen „von oben“ einfach hinnehmen, sondern besser eingebunden und über alles Bedeutende zumindest objektiv informiert werden – und dort, wo es geht und die Gemeindeordnung es zulässt, auch mitentscheiden. Dieses wäre laut BI möglich, durch Zulassung eines beratenden Ausschusses. „Die Notwendigkeit einer besseren Einbindung der Bürgerinnen und Bürger in die Meinungsbildung stellt sich insbesondere im Zuge der Planung und Durchführung in diesem Projekt dar. An dieser Stelle sollte man erwähnen, dass unsere Ahlumer, Stöckheimer und Niepser Bürger einst diesen See geschaffen haben“, betont die Bürgerinitiative.

Das aktuell von der BI angestrebte Bürgerbegehren zur Legitimation der Westernstadt unter Einbindung eines Bebauungsplanes war gemäß dem Kommunalverfassungsgesetz nicht zulässig. Jedoch gebe es diesbezüglich die Möglichkeit einer Duldungsvereinbarung zwischen der Gemeinde und dem Club, heißt es weiter. Es sei eine unumstößliche Tatsache, dass derzeit das einzige Highlight am Ahlumer See die Westernstadt ist. „Wenn die auch noch rückgebaut wird, was gibt es dann dort noch an Attraktivität?“ Derzeit sei offiziell in keinerlei Hinsicht irgendetwas anderes auf diesem Grundstücksabschnitt baulich oder bedarfsmäßig geplant. Insofern wäre der Vorschlag der BI, eine Duldungsvereinbarung zwischen der Gemeinde Rohrberg und dem Club „Rag Tag“ abzuschließen – verbunden mit einem Passus, worauf die Gemeinde einen Rückbau verlangen kann, wenn das Gelände im Rahmen von Eigenbedarf oder zu Gunsten des Tourismus hinderlich wäre. Mit einem entsprechenden befristeten Pachtvertrag könnte man so auch finanzielle Mittel erzielen, die dann zweckgebunden für den See investiert werden könnten. So entstünde eine „Win-Win-Situation für alle“, meint die BI.

Am Dienstag kommender Woche stellen sich die beiden Bewerber um das Amt des Rohrberger Bürgermeisters, Silke Niebur und Stefan Borchert, in einer Einwohnerversammlung in Rohrberg im kleinen Saal des alten Bahnhofs den Fragen der Bürger. Beginn ist um 19 Uhr. Zu diesem Termin werden auch viele Bürger aus Ahlum erwartet, weil zentrale Fragen zur touristischen Weiterentwicklung des See-Areals und der Zukunft der Westernstadt anstehen.

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