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Umweltaktivist kritisiert Erkundungsflüge: „Wie Labormäuse behandelt“

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Von: Kai Zuber

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Ein älterer Mann sitzt in einem Elektromobil und dreht seinen Kopf nach links in Richtung Fotograf.
Umweltaktivist Dr. Christfried Lenz aus Rittleben ist besorgt angesichts der Erkundungsflüge zur Geothermie in der Altmark. Er verlangt von den zuständigen Behörden Aufklärung und warnt zugleich vor erneuten Plänen der CO2-Verpressung in der Altmark. © Kai Zuber

Mit großem Interesse hat der bekannte altmärkische Umweltaktivist Dr. Christfried Lenz aus dem Apenburg-Winterfelder Ortsteil Rittleben den AZ-Beitrag über die rätselhaften Erkundungsflüge in ganz Norddeutschland und darunter in der westlichen Altmark gelesen. Über die Art und Weise der Erkundung zeigte er sich besorgt und empört zugleich, zumal auch der NDR bei seiner Recherche über die Flüge nur eine Schweizer Firma als Auftraggeber nannte und keine offizielle Bundesbehörde (wir berichteten).

Luftaufnahme einer ländlichen Gemeinde mit vorgelagertem Industriebereich und viel Wald.
Luftbild von Nettgau, Gladdenstedt, Hanum, Lüdelsen mit dem Spanplattenwerk: Hier startete die Erkundung Anfang Dezember in der westlichen Altmark. © Kai Zuber

Beetzendorf/Diesdorf – „Das ist doch eine Frechheit, dass hier die Bewohner eines ganzen Landstrichs wie Labormäuse behandelt werden. Dass über ihren Köpfen – und ohne dass sie in irgend einer Weise informiert wurden – Untersuchungen vorgenommen werden, die sich möglicherweise auf die Lebenslage in der Region auswirken“, wettert Lenz. Die betroffenen Menschen könnten nichts weiter tun, als rätseln, was da über ihren Köpfen eigentlich geschieht. Für den Umweltaktivisten ist dieses Vorgehen „eine Verletzung der Menschenwürde.“ Er fordert von der Verbandsgemeinde Beetzendorf-Diesdorf, dem zuständigen Landesverwaltungsamt und dem Altmarkkreis Salzwedel offizielle Informationen über das Geschehen und dessen Hintergründe. Seitens der Verbandsgemeinde, so erfuhr die AZ bereits, lagen keine Infos über die besagten Erkundungsflüge vor. Hintergrund von Lenz’ Besorgnis ist die aktuell erneut angefachte Debatte zur CO2-Verpressung mittels der speziellen CCS-Technologie. CCS steht dabei für Carbon Capture and Storage, also die Verpressung und unterirdische Lagerung von CO2. „Als es in der Altmark um CCS ging, sollten auch Erkundungsflüge durchgeführt werden, damals allerdings mit Hubschrauber. Im Gegensatz zu heute waren sie und ihr Zweck damals aber öffentlich angekündigt worden, sodass wir eine Demonstration vor Ort organisieren konnten, die dazu führte, dass die Flüge abgesagt wurden“, erinnert sich Christfried Lenz. Auch die Umwelt-Organisation „Greenpeace“ sieht die CO2-Verpressung mittels CCS kritisch. Diese Technologie sei „teuer, riskant und wenig effizient“, heißt es in einer Stellungnahme. Und: „Mit der unterirdischen Lagerung von CO2 könnte nach dem Atommülldesaster das nächste Endlagerdebakel auf uns zukommen.“

Das Klimagas Kohlendioxid ist unbrennbar, schwerer als Luft sowie farb- und geruchlos. Das CO2 soll aus den Abgasen von Kohlekraftwerken abgeschieden, verflüssigt und in unterirdischen Gesteinsschichten verpresst. Dieser Vorgang sei sehr energie-intensiv und führe daher zu einem stark erhöhten Kohlebedarf. Die Sicherheit der potenziellen CO2-Endlager sei zudem nicht erwiesen. Leckagen könnten sich laut Greenpeace verheerend auswirken – in hohen Konzentrationen führt Kohlendioxid zum Ersticken. Zudem gefährden mögliche Leckagen das Grundwasser in der gesamten Region der Lagerstätten. Die CO2-Endlager müssen langfristig überwacht werden. In Deutschland sind erschöpfte Erdgasfelder und tiefe Salzwasser führende Grundwasserleiter (saline Aquifere) als Lagerstätten vorgesehen. „Die CO2-Verpressung hat mit Klimaschutz nichts zu tun. Die Einführung von CCS würde allemal das Terrain der Verbrennung fossiler Energieträger ausweiten und festigen und im gleichen Maß den erneuerbaren Energien in den Rücken fallen“, betont auch Umweltaktivist Lenz.

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