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Diesdorfs Orgel pfeift auf dem letzten Loch

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Von: Kai Zuber

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Silberne Orgelpfeifen stehen in einem braunen Holzprospekt.
1867 wurde die Orgel von Carl Böttcher aus Magdeburg in die Diesdorfer Klosterkirche eingebaut. Anfang des Monats begann ihre Sanierung. © Kai Zuber

Dank der aus vielen Töpfen zusammengestellten Finanzierung mit einem beachtlichen Umfang von rund 134 000 Euro fiel jetzt der Startschuss für Diesdorfer Orgelsanierung. Darüber informierten Diesdorfs Pastor Ulrich Storck und Rainer Wellkisch vom zuständigen Bauamt des Kirchenkreises. Die „Königin der Instrumente“ in der Klosterkirche wird nun in ihre Einzelteile zerlegt und repariert. „Den technischen Part der Sanierung wird der erfahrene Orgelbaumeister Jörg Dutschke mit Firmensitz in Sienau übernehmen. Den klanglichen Teil der Orgelsanierung übernimmt Amadeus Junker aus Meinersen“, informierte Storck.

Diesdorf – Rainer Wellkisch listete auf Anfrage der AZ einmal die vielen Fördertöpfe auf, welche die Sanierung erst möglich machten: An erster Stelle stehen demnach Bundesfördermittel seitens der Staatsministerin der Bundesregierung für Kultur und Medien. Die bewilligten 67 000 Euro kommen aus dem Denkmalschutz-Sonderprogramm. Weitere 20 000 Euro steuert das Land Sachsen-Anhalt bei. Weitere Mittel kommen von der Rudolf-August-Oetker-Stiftung, der Hoffmann-Stiftung sowie der Stiftung „Orgelklang“. Der ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete Eckhard Gnodtke unternahm mit der „frohen Botschaft“ über die Freigabe der besagten Bundesmittel den entscheidenden Schritt und leitete damit die Restaurierung der bei Kennern legendären Böttcher-Orgel von 1867 ein. Den großen Fördertöpfen folgten viele Privatspenden, Benefizkonzerte und -aktionen. Ganz besonders in Erinnerung bleiben wird dabei sicherlich der Orgelwhiskey der Mosterei Schulz, für den die Interessenten Schlange standen (AZ berichtete). „Im Namen der Kirchengemeinde meinen herzlichsten Dank an alle Spender“, betonte Diesdorfs Pastor Ulrich Storck. Laut dem Geistlichen wird die nun begonnene, umfangreiche Orgelsanierung etwa ein Jahr dauern.

Ein mit Anzug bekleideter Mann mittleren Alters spielt stehend mit geschlossenen Augen Saxophon.
Viel Fantasie legten die Freunde der Diesdorfer Orgel bei der Beschaffung der Spenden an den Tag. Stellvertretend für die unzähligen Helfer, Unterstützer und Spender zeigt unser Foto Falk Kindermann, der hochkonzentriert als Saxophonist Geld für die Reparatur sammelt. © Kai Zuber

Nach 150 Jahren Orgelgeschichte stand eine grundhafte Sanierung des wertvollen Instrumentes an. Der ursprüngliche Klang soll damit wieder hergestellt werden, teilte die Kirchengemeinde mit. In den Jahren 1865 bis 1867 war die Orgel von dem bekannten Baumeister Carl Böttcher aus Magdeburg eingebaut worden.
Hintergrund: Ursprünglich besaß dieses Instrument einen romantischen Klang. Bei einer späteren Überarbeitung war vorübergehend dann wieder ein barocker Klang in Mode gekommen und man versuchte, dieses Klangbild in die Klosterkirche einzubauen, was allerdings nur sehr unzulänglich gelang. Nun soll also mit großem Aufwand das ursprüngliche, romantische Klangbild wiederhergestellt werden. Zahlreiche Funktionseinheiten, wie zum Beispiel die Übertragungsmechanik von Taste zu Windlade, dem Herzstück einer Orgel, oder die zuverlässige Windversorgung von Balg zu Pfeife verlangten in den kommenden zwölf Monaten eine gründliche Durchsicht und aufwändige Reparaturen.

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