Historiker Dr. Bernd-Wilhelm Linnemeier erforschte die Geschichte der Beetzendorfer Burganlage

„Dicke Mauern im Morast“

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Die Beetzendorfer Burg im Morast: Viele Teile der ursprünglichen Anlage, der Garten und auch der wallartigen Befestigungen sind heute nicht mehr zu sehen. Der Historiker Dr. Bernd-Wilhelm Linnemeier erforschte die Geschichte der Beetzendorfer Burganlage und arbeitete darüber einen Vortrag aus. 

Beetzendorf. „Burgbesitz und adelige Herrschaft zu gesamter Hand. Das Geschlecht von der Schulenburg auf Beetzendorf“ betitelte der Historiker Dr. Bernd-Wilhelm Linnemeier seinen jüngsten Vortrag für die Mitglieder des Altmärkischen Vereins für vaterländische Geschichte zu Salzwedel.

Über „dicke Mauern im Beetzendorfer Morast“ wunderten sich laut Linnemeier schon die brandenburgischen Geschichtsforscher Ende des 18. Jahrhunderts.

Im Jahr 1753 wurde der zweite Teil der bekannten Beckmannschen Beschreibung der Chur und Mark Brandenburg publiziert. In dieser Ausgabe heißt es mit Blick auf Beetzendorf: „Das merkwürdigste an diesem Orte ist, dass allhier das alte Stammhaus und ehemalige gemeinschaftliche Burg der Herren von der Schulenburg dieser Orten oder die sogenannte Alte Burg vorhanden, so ein festes und in einem unzugänglichen Morast gelegenes Haus gewesen, wozu man nicht anders als vermittelst einer Brücke kommen können. Und zeigen die noch zu sehenden Überbleibsel an, dass es mit starkem Mauerwerk müsse sein versehen gewesen.“

Genannt wurden auch die freiherrlichen und adeligen Lustgärten sowohl die Anpflanzungen von „Franzobst“,welches wohl seinerzeit unter den schönsten der Altmark rangierten. „Das jetzige freiherrliche Schloss und beide adeligen Höfe liegen auf einer Insel, auf die nur über drei Brücken gelangt werden kann“, so Forscher Dr. Linnemeier. Um 1740 gab es laut Linnemeier noch die Überbleibsel der mittelalterlichen Kernburg. Bei ihr dürfte es sich zweifellos um den westlichen Teil der Vorburg handeln. Das sei anhand des Beetzendorfer Gesamtplans von 1731 bis 1760, in dem von der „Burg“ die Rede ist, nachvollziehbar. Denn dort zeigt der Plan von 1731 eine schiefwinklige Gebäudegruppe mit Treppenturm, welche als Bautypus des 16. Jahrhunderts aus anderen regionalen Zusammenhängen bekannt ist.

Dort, wo sich nach 1731 offenbar größere Reduktionsprozesse in der Bebauung vollzogen, könne man bereits für die Zeit vor 1570 den später als Lieberoser Hof bezeichneten Beetzendorfer Hauptsitz des Schwarzen Stammes annehmen. Der östliche Teil der Vorburg, den um 1580 von Wedige von der Schulenburg genutzten sogenannten großen Hof, ist im 19. Jahrhundert kaum noch zu erkennen. Das Geschlecht von der Schulenburg hat sich, vom östlichen Niedersachsen ausgehend, seit den 80er Jahren des 13. Jahrhunderts zunächst als Inhaber eines Burglehens der Landes- und Vogteiburg Salzwedel und sowie bereits ein halbes Jahrhundert zuvor als Gefolgsleute der askanischen Markgrafen ottonischer Linie nachweisen lassen.

„Es gelingt ihnen mit dem Bau oder Erwerb einer zwar kleinen, aber doch für alle Zukunft namensgebenden Burganlage in der Jeetze-Niederung unweit von Stappenbeck, als eigenständige Inhaber eines festen Hauses in der nordwestlichen Altmark, erstmals Fuß zu fassen“, erwähnt Linnemeier. Das Ende der askanischen Herrschaft und der vorübergehende Übergang der Altmark an das Haus Braunschweig markiert den entscheidenden Schritt in der mittelalterlichen Geschichte des Geschlechts von der Schulenburg. Zwischen 1323 und 1326 wurde seinen Vertretern nämlich der Erwerb von Teilen der 1315 erstmals erwähnten Burg Beetzendorf möglich, die ebenso wie Apenburg als askanische Gründung zur Sicherung eines Flussübergangs anzusehen ist. „Wobei ein Blick auf die Karte deutlich macht, dass die Anlagen einer potenziellen Bedrohung von Westen her entgegenwirken sollten“, meint der Forscher.

Zunächst geht er beim Erwerb Beetzendorfs von einer Pfandschaft aus. Vor den Schulenburgs wurde die Burg in eben dieser besitzrechtlichen Form von Angehörigen der zeitweilig in der Region einflussreichen Familie von Kröcher behauptet, welche der Lüneburger Linie des Welfenhauses 1319 ein Öffnungs- und Näherrecht an Beetzendorf und Kalbe eingeräumt hatten. Diese lasse sich 1315 dort nachweisen.

Es wird sich allerdings nicht mehr klären lassen, wann genau die Übergabe Beetzendorfs in seiner Gesamtheit durch den Welfen an die Schulenburgs stattgefunden hat und ob der Vermerk des Arneburger Kopiars zum 6. Januar 1340 bezüglich der Übertragung der Burg wirklich den ersten Rechtsakt dieser Art überlieferte.

„Der bereits wenige Monate nach dieser Übertragung zwischen den Stiftern der beiden Familienstämme, den Brüdern Bernhard und Dietrich von der Schulenburg und ihren Söhnen, vollzogene Teilungsprozess für Burg und Vorburg Beetzendorf gibt der Annahme Raum, dass damals bereits die interne Teilung eines erblichen Lehens vorgenommen worden sei“, sagte Historiker Dr. Bernd-Wilhelm Linnemeier in seinem Referat in Beetzendorf. Eine Urkunde von 1343, welche die Inhaber der Burg als Parteigänger des im Ringen um die Altmark obsiegenden Wittelsbacher Markgrafen Ludwig I. zeigt, spreche allerdings noch von einer Pfandschaft, hieß es weiter im Vortrag des Historikers.

Von Kai Zuber

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