Forstleute sehen auch 2013 kaum Entspannung der Lage / Wasserversorgung weiter das Hauptproblem

Deutscher Eiche winkt der Sensenmann

Waldzustandsbericht Diesdorf: Der Kiefer geht es im Vergleich zur Eiche vergleichsweise gut. Der Zustand des wichtigsten Nutzbaumes in der Altmark ist nahezu konstant. Foto: Zuber

Diesdorf. Die deutsche Eiche kommt gesundheitlich nicht zur Ruhe. Der Laubbaum ist derzeit gestresst wie nie zuvor. Forstleute sehen derzeit kaum Entspannung. Neben Witterungsextremen stellt die Wasserversorgung der Bäume das Hauptproblem dar.

So sieht es auch Revierleiter Rüdiger Glaß aus Diesdorf. Auf seiner Stirn bilden sich augenblicklich Sorgenfalten, wenn er von der Misere spricht: „Der Eiche gilt derzeit unsere größte Sorge“, sagte der Forstexperte der AZ auf Anfrage. Auf vielfältige Weise werde die Wasserversorgung der Bäume beeinträchtigt. Wie Glaß kommen auch die Experten der aktuellen Waldzustandsberichts-Studie für Sachsen-Anhalt unter Leitung von Prof. Johannes Eichborn und Dr. Uwe Paar nach umfangreichem forstlichen Umweltmonitoring zu dem Ergebnis, dass extremes Klima, Mehltau und wiederholter Schädlingsfraß die Eichen am meisten stressen. Viele Eichen weisen daher nur noch wenige Wochen pro Jahr eine intakte Belaubung auf. „Wir werden versuchen, das Problem der Wasserversorgung gemeinsam mit der forstlichen Versuchsanstalt in Göttingen zu erforschen“, so Rüdiger Glaß. Die geschwächten Bäume können laut den Forstexperten nur noch stark vermindert Reservestoffe im Herbst bilden.

Ein weiteres Problem der Wasserversorgung ist die Rückbildung funktionsfähiger Feinwurzeln. Sowohl das Eschentriebe-Sterben als auch in Kiefernbeständen das so genannte Diplodia-Triebsterben sind laut der neuen Studie in Sachsen-Anhalt inzwischen stark verbreitet. Auch wenn einige Forstleute den damit zusammenhängenden Begriff „Klimawandel“ nicht gerne hören und in diesem Zusammenhang lieber nach Einzelursachen forschen, ergibt sich aus der Sicht kritischer Experten sogar ein klarer Zusammenhang: So begünstigen Sonne, UV-Strahlung, Trockenheit und milde Temperaturen vor allem im Frühjahr und Frühsommer die Ausbreitung von Schädlingen – gerade in der Altmark.

Ganze Wälder fielen in den vergangenen Monaten der so genannten Eichenfraßgesellschaft zum Opfer. Diese setzt sich aus Frostspanner und Eichenwickler zusammen. Die Schäden werden von den Forstleuten auch als Lichtungsfraß bezeichnet. Die Schädlinge haben auch im Vorjahr dem, wegen der Trockenheit ohnehin schwachen Laubaustrieb, in den Kronen arg zugesetzt. Die frischen Triebe wurden so stark geschädigt, dass die Kronen einiger Eichen beinahe so kahl waren wie im Winter. Zu allem Überfluss vermehrte sich dann auch noch der für den Menschen gefährliche Eichenprozessionsspinner in der Altmark. Er hat sich, aus dem Raum Brandenburg und Genthin kommend in Richtung Westen ausgebreitet.

Der Kiefer geht es im Vergleich zur Eiche gut. Der Zustand des wichtigsten Nutzbaumes in der Altmark bleibt zum Glück weitgehend stabil.

Von Kai Zuber

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare