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Europa-Radpionier Michael Cramer kommt nach Diesdorf

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Von: Kai Zuber

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Ein älterer Mann mit grauem Haar steht neben seinem Fahrrad und hält eine Landkarte in die Kamera.
Michael Cramer wirbt in der Region für den Europa-Radweg am „Eisernen Vorhang“. Er sieht ein großes touristisches Potenzial für die westliche Altmark. © Kai Zuber

Der Ruf nach neuen Radwegen, besserer überregionaler Anbindung und Ausweitung des bereits vorhandenen Radwegenetzes wird lauter. Auch der Flecken Diesdorf will sich dieser Entwicklung nicht verschließen: Laut Diesdorfs Bürgermeister Daniel Rieck sollen geeignete bestehende Feldwege mit wenig Kosten für Radtouristen ausgebaut werden. Gleichzeitig werden jedoch zu große Hoffnungen in neue straßenbegleitende Radweg-Projekte aus Kostengründen gedämpft. Mitte Februar kommt nun ein bekannter Radwege-Pionier nach Diesdorf: „Am Mittwoch, 15. Februar, um 19 Uhr findet eine Info-Veranstaltung zum Thema Iron-Curtain-Trail-Radweg im Rathaus Diesdorf statt. Der Initiator dieses Europa-Projektes, Michael Cramer, wird den Vortrag persönlich halten. Wir freuen uns auf viele Gäste aus der Region“, informierte Daniel Rieck.

In ehemaligen deutsch-deutschen Grenzstreifen stehen ein alter Grenzpfahl und eine aus Schienenprofilen zusammengesetzte Panzersperre.
Das Mauerdenkmal zwischen Rade und Das Mauerdenkmal zwischen Rade und Wittingen: Auch durch den Flecken Diesdorf soll der Iron-Curtain-Trail-Radweg nach aktuellem Planungsstand führen. © Kai Zuber

Beetzendorf/Diesdorf – Der Europa-Radweg, auch englisch als „Iron Curtain Trail“ bezeichnet, verläuft über rund 10 000 Kilometer entlang der Westgrenze der ehemaligen Warschauer Pakt-Staaten durch 20 Länder von der Barentssee an der norwegisch-russischen Grenze bis zum Schwarzen Meer an der türkisch-bulgarischen Grenze. In Sachsen-Anhalt soll sich die Route am Nationalen Naturmonument „Grünes Band“ orientieren. Michael Cramer, der als ehemaliges Mitglied des Europäischen Parlaments den Europa-Radweg „Eiserner Vorhang“ initiiert und selbst abgefahren hat, schwärmte bereits im Gespräch mit der AZ vom großen touristischen Potenzial der Altmark am „Grünen Band“. „Der Fahrradtourismus boomt mit 30 Prozent pro Jahr. Während Autofahrer pro Tag nur zehn Euro ausgeben, lassen Fahrradtouristen im Schnitt 35 Euro täglich in der Region“, argumentierte Cramer. Bereits vor Corona weilte er in Dahrendorf, wo er für die Beschilderung der neuen Fahrradroute warb.

Hintergrund: Die Projekt-Initiatoren forderte die zukünftige Landesregierung auf, die genaue Streckenführung des Europa-Radwegs EV 13 „Eiserner Vorhang“ so rasch wie möglich abzuschließen und zu beschildern. Der genaue Streckenverlauf in Sachsen-Anhalt stand lange Zeit nicht zu 100 Prozent fest, was sich jedoch rasch ändern soll. Schleswig-Holstein, Thüringen und Hessen waren da schneller. Zu Beginn der nächsten Fahrradsaison soll die genaue Strecke auch in Sachsen-Anhalt festgelegt sein, damit sie bis dahin auch beschildert und gut beworben werden kann, forderte Cramer bereits vor Monaten. Denn, so die Begründung, die Radroute verbindet europäische Kultur, Geschichte sowie nachhaltigen Tourismus und leistet einen Beitrag zum Zusammenwachsen Europas.

Für die Altmark und den Harz bietet die Fahrradroute großes Potenzial für den Tourismus. Dieses müsse besser als bisher ausgeschöpft werden. Man müsse mit den kulturellen Schätzen werben, so die Projekt-Befürworter des Iron-Curtain-Trail-Radweges. Sowohl die EU als auch die Bundesregierung Förderprogramme bieten hier Förderprogramme an. Sachsen-Anhalt müsse diese Fördergelder in Anspruch nehmen, um die Strecke und die Angebote, wie zum Beispiel Reste der ehemaligen Grenzanlagen oder Grenzmuseen, besser bekannt zu machen, fordern die Initiatoren des Projektes. In der Altmark könnte die Route nach aktuellem Stand entlang des „Eisernen Vorhangs“ von Arendsee über Hoyersburg, Seeben, Hestedt, Henningen, Dahrendorf, Lagendorf und dann weiter über Diesdorf, Jübar, Gladdenstedt, Nettgau und Brome sowie Böckwitz-Zicherie verlaufen. Die Strecke wird momentan entwickelt. Museen wie das Grenzlandmuseum in Schnega und Reste der Mauerbefestigungen wie in Waddekath oder der Grenzturm Dahrendorf sind auf der Route besondere Sehenswürdigkeiten. Dies seien allesamt Schätze, mit denen wir wuchern könne, hieß es. Weitere Infos zum aktuellen Stand des Radwegeprojektes gibt es im Internet unter www.eurovelo.com.

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