60 Jahre nach dem Mauerbau:

Dahrendorfer Grenzturm wird Museum

Ein Grenzturm aus Betonfertigteilen steht im ehemaligen deutsch-deutschen Todesstreifen.
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Früher war das Areal Grenzgebiet und Todeszone. Heute wandern Touristen hier am Grünen Band entlang. Sie besuchen den Turm und erfahren bei einer Führung viel über die ehemaligen Grenzanlagen.
  • VonKai Zuber
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Fast auf den Tag genau 60 Jahre nach dem Mauerbau sitzt der Dahrendorfer Grenzturmbesitzer Rainer Axmann im Obergeschoss seines halb sanierten Gemäuers aus DDR-Zeiten und genießt den wunderbaren Ausblick.

Dahrendorf – „Früher war das Areal in der Umgebung als Grenzgebiet Todeszone. Heute wandern Touristen hier am Grünen Band entlang. Sie kommen in den Turm und erfahren bei einer Führung viel von der Historie der ehemaligen Grenzanlagen“, freut sich Axmann und verweist aus aktuellem Anlass auf den historischen Hintergrund vor nunmehr sechs Jahrzehnten: Am Morgen des 13. August 1961 riegelten Sicherheitskräfte der DDR die Sektorengrenze in Berlin komplett ab. Zäune wurden gezogen, Mauern und Barrikaden errichtet. Sie teilten die Stadt und später ganz Deutschland in zwei Teile. „Diese Mauer, der so genannte Eiserne Vorhang, trennte mehr als 28 Jahre lang Ost und West. Sie wurde zum Symbol der Nachkriegsordnung“, erinnert Axmann an historischer Stelle in seinem Grenzturm. Heute dient er den Turmfalken als Ausguck. Zusammen mit dem Naturschutzbund Nabu plant Axmann das Anbringen von Nisthilfen. Seine Partnerin Antje Raffler möchte so schnell wie möglich eine kleine Kochnische im Turm, um bei Führungen den Gästen auch mal einen Kaffee auf der begehbaren Dachterrasse servieren zu können. Außerdem soll das Gebäude nach und nach zu einem kleinen Museum umgebaut werden. „Vielleicht gibt es auch einmal Puppen in NVA-Kostümen, die hier Wache schieben“, schmunzelt Axmann und erinnert an den Mauerbau vor 60 Jahren und die historischen Hintergründe: Nach der Währungsreform am 20. Juni 1948 im Westen unterbrach die Rote Armee die Eisenbahn- und Straßenverbindungen am 24. Juni. Es folgte die Berlin-Blockade bis zum 12. Mai 1949 und bereits im Herbst jenes Jahres wurde der Grenzkontrollpunkt Marienborn ausgebaut. Im Mai 1952 wurde die „Zonengrenze“ auf Befehl der Sowjetarmee erstmals komplett abgeriegelt. Zugleich wurde der Geheimbefehl zur Zwangsaussiedlung „unzuverlässiger Personen“ aus dem Grenzgebiet erlassen. Dieser „Aktion Ungeziefer“ folgte 1961 die „Aktion Festigung“. 60 Jahre ist es jetzt her, da schloss sich mit dem Bau der Berliner Mauer am 13. August 1961 für 28 Jahre der „Eiserne Vorhang“.

Turmbesitzer Rainer Axmann und Antje Raffler genießen im Grenzturm die kilometerweite Aussicht.

Seit diesem Tag hat es bis zum Fall der Mauer immer wieder spektakuläre Fluchten über die innerdeutsche Grenze gen Westen gegeben. Doch rund 30 000 Grenzsoldaten, 870 Kilometer Grenzzaun, 440 Kilometer Selbstschussanlagen vom Typ „SM-70“, 602 Kilometer Kfz-Sperrgräben sowie 230 Kilometer Minenfelder „Typ 66“ machten Grenzüberwindungen nahezu aussichtslos. Doch viele der an einer Flucht interessierten DDR-Bürger waren einfallsreich: Als spektakulär gingen Fluchten im Heißluftballon, durch Tunnel, mit der Planierraupe oder mit selbstgefertigten Steighilfen zum Überwinden des Streckmetallzaunes in die Geschichte ein. Über 100 000 Menschen versuchten von 1961 bis 1988 über die innerdeutsche Grenze zu fliehen. Gut 600 von ihnen bezahlten ihre Flucht mit dem Leben. „Ich bin heute 58 Jahre alt und wurde erst 1962, also ein Jahr nach dem Mauerbau geboren. Daher finde ich es besonders wichtig, sich mit diesem wichtigen Thema zu beschäftigen“, betont Rainer Axmann.

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