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Der Blütezeit von Beetzendorf auf der Spur

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Von: Kai Zuber

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Historischer Rundgang in Beetzendorf: Mario Rosenbaum (r.) wusste einiges zur Geschichte des Apenburger Hofes zu berichten. © Kai Zuber

Zu einem Rundgang auf historischen Pfaden mit Ökodorf-Bewohnern aus Siebenlinden traf sich der Beetzendorfer Ratsherr Mario Rosenbaum. Der Blütezeit von Beetzendorf war die Gruppe auf der Spur. Neben mehreren anderen geschichtsträchtigen, aber inzwischen maroden Prachtbauten ging es zu einem Abstecher in den Park II und zum sogenannten Apenburger Hof.

Beetzendorf. Das einstige Schulenburgsche Herrenhaus am Apenburger Hof ist seit der Wende einer der zahlreichen Schandflecken im Ort. Unter anderem deshalb, weil es die Kommune seinerzeit trotz ihres guten Finanzposters verpasst hat, die Gebäude günstig aufzukaufen und zu entwickeln, bzw. abzureißen (wir berichteten).

Stattdessen landete auch der Apenburger Hof auf dem unübersichtlichen Immobilienmarkt. Es gab im Laufe der Zeit unter anderem eine Auktion und auch ein Araber erwarb das Anwesen. „Der hatte anfangs viele Pläne, aber dann tat sich nichts“, so Mario Rosenbaum. Die Gruppe der Ausflügler aus dem Ökodorf konnte leider nicht die Räume im Inneren besichtigen. „Aber die Bausubstanz ist solide, nur das Dach ist kaputt. Ein Antennenmast ist vom Dach ins Haus durchgerutscht“, informierte Rosenbaum.

Das Problem bei der einst attraktiven Immobilie: Lange Jahre belastete eine Grundschuld das Haus. „Ich vermute aber, dass sie gelöscht werden kann, falls sich jetzt ein ernsthafter Interessent findet. Möglich ist auch, dass die Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben das Areal wieder rückübertragen bekam“, hieß es weiter in Beetzendorf. Vor vier Jahren keimte das letzte Mal Hoffnung auf, dass ein betuchter Investor den Apenburger Hof sanieren könnte. Im 18. Jahrhundert wurde das Haus als Sitz der schwarzen Linie des Adelsgeschlechts von der Schulenburg errichtet.

Lange Zeit war das Haus denkmalgeschützt, was die Sanierung erschwerte. Seit 1993 steht der Bau leer. Bei der Auktion 2018 betrug der Startpreis für das 3.500 Quadratmeter große Grundstück mit 1.150 Metern Wohnfläche 95.000 Euro. Der Käufer des 20-Zimmer-Hauses mit von Pflanzen überwucherter Aula und undichtem Dach konnte laut Förderdatenbank des Bundes für die Sicherung, Erhaltung und Sanierung des Herrenhauses mit einer 49-prozentigen Förderung rechnen. Doch am Ende verliefen alle Pläne im Sande. Dabei tobte im Apenburger Hof früher einmal das Leben: Als Internat der Erweiterten Oberschule (EOS) Karl Marx wurden die Zimmer genutzt. Auch eine Großküche gab es im Untergeschoss. Den Namen Apenburger Hof erhielt das Haus, weil dessen Erbauer Dietrich Hermann von der Schulenburg zugleich auch Eigentümer von Apenburg war. Später wurde das Gebäude auch unter der Bezeichnung Rittergut oder Gut II bekannt.

Die Schulenburgs (teils waren es Landräte) nutzten den Fachwerkbau, der 1845 erweitert und 1866 am südlichen Giebel durch einen Anbau aus Sandstein ergänzt wurde, als Sommersitz. Im Jahre 1892 wurde ein Fachwerkflügel an der Nordseite angebaut. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam die Enteignung, und der Bau beherbergte die sowjetischen Besatzer, Bewohner eines Altersheims und die DDR-Grenztruppen. Später wurden hier auswärtige Schüler (teils aus Kalbe und Bismark) der EOS einquartiert. 

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