Ralf Lehnecke erinnert sich

DDR-Tabak für den West-Export: Als die LPG Dähre auf den Geschmack kam

Unter den Dährer LPG-Chefs Helmut Galeiwa und Friedrich Buhr wurde kräftig in die Tabak-Trocknung in Dähre investiert. Unser Bild entstand während der Bauarbeiten.
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Unter den Dährer LPG-Chefs Helmut Galeiwa und Friedrich Buhr wurde kräftig in die Tabak-Trocknung in Dähre investiert. Unser Bild entstand während der Bauarbeiten.

Mit welchen Ackerfrüchten konnten die LPG-Bauern zu DDR-Zeiten ordentlich Geld verdienen? Diese Frage stellte sich auch in der Altmark in der Vorwende-Zeit.

Dähre – „In unserer ostdeutschen Landwirtschaft wurde zwar Sozialismus gepredigt, aber häufig dann in der Realität Marktwirtschaft praktiziert“, sagt Ralf Lehnecke schmunzelnd. Lange Jahre war der gelernte Landmaschinenschlosser nach seiner Lehre von 1972 bis 1974 in Langenapel in der Dährer LPG tätig und erinnert sich heute als Pensionär gerne an diese Zeit.

Besonders eine Episode erzählt er mit Vorliebe: Nämlich die, als die LPG in Dähre auf den Tabak-Geschmack kam und dieses in der Altmark recht seltene Acker-Kraut auch mit wachsender Begeisterung anbaute. „Damit war sehr viel Geld zu verdienen – Das war allen Beteiligten bereits zu Beginn klar“, führt Lehnecke im AZ-Gespräch aus.

Die LPG Dähre „Vereinte Kraft“ mit ihren damaligen Chefs Friedrich Buhr, Helmut Galeiwa, Georg Pretz (übergangsweise) und Eckhard Falk (bis zur Wende) war auf das „rauchige Geschmäckle“ und den damit verbundenen finanziellen Reibach gekommen. Unter Galeiwa und Buhr wurde in den 1960er Jahren in Dähre auch baulich in die Tabak-Trocknung investiert. „Angebaut wurde das Kraut rings um Dähre auf etwa 24 Hektar Land“, berichtet Ralf Lehnecke, dessen Vater Heinz seinerzeit Brigadier in der Pflanzenproduktion war.

War die Qualität des getrockneten Tabaks gut, dann ging die Rohware natürlich in den Westen in den Export. Das brachte ordentlich Devisen und die LPG sahnte finanziell gesehen mehr ab als mit dem Anbau der üblichen Ackerfrüchte.

Lief also alles perfekt, dann konnte in der damaligen BRD der Dährer Tabak durchaus in Produkten von „Peter Stuyvesant“ oder „Ernte 23“ verarbeitet worden sein, wie Lehnecke berichtet. „Das heißt natürlich, wenn alles von der Qualität bis hin zur Vermarktung über einen Betrieb in Dresden auch gut geklappt hat“, stellt der Dährer klar.

Die Dährer LPG hat übrigens zu DDR-Zeiten die Tabakfelder extra versichern lassen. „Das ging sogar so weit, dass die Chefs damals sagten, dass uns als Genossenschaft ein guter Hagelschaden sogar noch mehr Geld eingebracht hätte als der verkaufte Tabak“, schmunzelt Lehnecke.

„Wenn die West-Vermarktung nicht lief, dann landete unser zerhäckseltes Kraut wohl im Papier der DDR-Zigarrette ,Juwel 72‘“, erzählt der ehemalige LPG-Mitarbeiter. Die allerbeste Qualität des Tabaks war natürlich die so genannte Deckblatt-Qualität für Nobel-Zigarren. „Aber das kriegten nur wenige hin. Auch viele Privatleute und Kleinbauern bauten ja Tabak an, der dann im großen Stil aufgekauft wurde“, weiß Ralf Lehnecke zu berichten.

Die LPG Dähre war auch sonst sehr erfinderisch, wenn es darum ging, Geld zu verdienen. Ein weiterer Spartenbereich war zum Beispiel die Brüterei, die ordentlich Gewinn abwarf. „Auch unsere Lehrlingsausbildung hatte im ganzen Kreis Salzwedel einen sehr guten Ruf“, betont der heute 66-jährige Ralf Lehnecke. (zu)

Ralf Lehnecke (66), ehemaliger Landmaschinenschlosser bei der LPG Dähre, erinnert sich an den Boom des Tabak-Anbaus.

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