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„Populismus beenden“

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Von: Kai Zuber

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Mehrere Frauen und Männer sitzen an einem Tisch und sprechen mit ihrem in der Bildmitte sitzenden Bürgermeister.
Zahlreiche Anfragen und Themen wurden am Montag im Jübarer Gemeinderat angesprochen. Dabei gab es auch zahlreiche Kritikpunkte. © Kai Zuber

Seltene Gäste konnte Jübars Bürgermeister Carsten Borchert während der jüngsten Sitzung des Gemeinderates am Montagabend im Saal des Dorfgemeinschaftshauses begrüßen. Drei Mädchen aus der neunten Klasse des Beetzendorfer Gymnasiums, sie wohnen in den Ortsteilen Jübar und Gladdenstedt, hospitierten bei der Sitzung und erlebten hautnah mit, wie Demokratie an der Basis in einer großen ländlichen Gemeinde funktioniert. Hier stellte sich für die Teenager auch die Frage: Wo wird nur gemeckert und wo gibt es eine berechtigte konstruktive Kritik?

Ein weißhaariger älterer Mann sitzt mit vor der Brust verschränkten Armen an einem Tisch und hört mit grimmigem Blick einigen Erläuterungen zu.
Wo wird im Rat nur gemeckert und wo gibt es eine konstruktive Kritik? Diese Frage war für die jungen Zuhörerinnen aus dem Gymnasium (l.) nicht immer leicht zu beantworten. Bei der Einwohnerfragestunde hatte insbesondere der Hanumer Wolfgang Schulz (r.) einige Kritik anzubringen. Es kam zu einem heftigen Wortgefecht mit dem Bürgermeister. © Kai Zuber

Jübar – Diese Frage war gewiss nicht immer leicht zu beantworten, denn einige der Attacken von Einwohnern bei der Bürgerfragestunde und auch von Ratsmitgliedern gingen Carsten Borchert zunehmend auf die Nerven. „Wenn es bei den Vorwürfen hier darum geht, Ortsteile gegeneinander auszuspielen und zu sagen, dass bestimmte Dörfer bevorzugt oder benachteiligt werden, dann weise ich das ganz entschieden zurück, denn das entspricht nicht der Wahrheit. Ich finde das unfair, dieser Populismus muss beendet werden“, argumentierte Borchert. Er setze sich seit Jahren für eine Gleichbehandlung ein, so der Ortschef nach entsprechenden Attacken des Hanumers Wolfgang Schulz, der die Folgen der jüngsten Überschwemmung im Ort und die Urlaubs-Sommerwochen ohne Ansprechpartner seitens der Gemeindespitze erneut thematisierte. Ratsmitglied Michael Richter griff neben seinem Drängen zu einem konkreten Haushaltsplan (Beetzendorf hat bereits einen Haushaltsbeschluss) das Thema „Bürgermeistersprechstunde“ auf und forderte Bochert auf, zu dieser auch anwesend zu sein. „Wir leben im Zeitalter moderner Technik, wo man mich jederzeit anrufen und um einen Termin bitten kann. Ich war lange Zeit bei diesen Sprechstunden präsent und es kam kein Mensch“, sagte Carsten Borchert. Und allen Kritikern hielt er entgegen: „Bald ist wieder Bürgermeisterwahl. Wer will, kann gerne gegen mich antreten.“ Auch Wilfried Schierhorn aus Nettgau hakte im Rat bei Kritikpunkten nach: Die Zuwegung zu den Urnengräbern auf dem Friedhof Nettgau müsse gepflastert werden und die Kreisstraße von Nettgau nach Wendischbrome seit in einem schlechten Zustand. Die Antwort des Ortschefs dazu: „Der Kreis weiß das. Leider steht diese Straße nicht auf einem der vorderen Plätze auf der Prioritätenliste.“ Unmut im Rat machte sich auch beim Thema Breitbandausbau in den Ortsteilen breit: Hier gebe es noch viele Löcher und vieles, was nachgebessert werden müsse. Auch einige Leitungen wurden bei den Schachtarbeiten wohl beschädigt. „In Lüdelsen brennt nur die Hälfte der Straßenlampen“, sagte Vizebürgermeister Lutz Peters. Fazit: Das Baumamt der Verbandsgemeinde soll bei der nächsten Sitzung eingeladen werden, damit die Probleme angegangen werden.

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