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Spielplatz in Winterfeld: Kinderlachen auf verseuchtem Boden?

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Von: Kai Zuber

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Mehrere Frauen und Männer sitzen an einem u-förmigen Tisch vor ausgebreiteten Sitzungsunterlagen und hören einem in der Bildmitte stehenden Mann zu.
Einwohner Sven Rühlmann (stehend) schlug im Gemeinderat den Bau des Winterfelder Spielplatzes auf einem ehemaligen Deponie-Areal vor, nachdem es zuvor Anwohner-Proteste gegen den zuerst anvisierten Standort am Schwarzen Weg gab. © Kai Zuber

Der gemeindeeigene Wohnblock am Schwarzen Weg in Winterfeld liegt zentral im Ort. Auf der Grünfläche direkt dahinter sollte eigentlich demnächst ein kommunaler Spielplatz entstehen. Die Weichen dazu stellte bereits der Gemeinderat des Fleckens Apenburg-Winterfeld bei der vorletzten Sitzung in Altensalzwedel.

Winterfeld – Doch nun hat sich plötzlich der Wind gedreht, weil Anwohner gegen den Bau des Spielplatzes protestiert hatten. Bei der jüngsten Ratssitzung in Recklingen waren einige Bürger zur Einwohnerfragestunde gekommen. Sie zeigten sich mit der Vorgehensweise der Kommune zur Errichtung des Spielplatzes am Schwarzen Weg nicht einverstanden und vor allem im Vorfeld nicht mit in die Planungen einbezogen.

Der Spielplatz mitten im Ort mit zum Teil lautstarken Kinder-Aktivitäten von 7 bis 22 Uhr rief die Anwohner auf den Plan. Sie seien aber „keine Kinderhasser“, betonten die beiden Bürger bei der Einwohnerfragestunde. Mit so viel Spielplatz-Gegenwind hatte Apenburg-Winterfelds Bürgermeisterin Ninett Schneider nicht gerechnet. „Das war mein Fehler“, räumte die Ortschefin im Rat zu der „Eskalation“ ein. Hintergrund: Die anvisierte Fläche am Schwarzen Weg gehört nicht der Gemeinde. „Ein Pachtvertrag mit der Eigentümerin ist allerdings noch nicht abgeschlossen. Wir nehmen die Befindlichkeiten der Bürger ernst“, sagte Schneider und setzt auf einen „konstruktiven Gedankenaustausch“. Dieser mündete allerdings bei der Ratssitzung am Dienstag darin, auf eine Ersatzfläche hinter dem Winterfelder Frischemarkt Körber umzuschwenken.

Problem: Diese „eigentlich vom Standort her optimale Fläche“ war zu DDR-Zeiten einmal eine Altlasten-Deponie. Und die ist auch nur mit einer dünnen Schicht Erdreich bedeckt, im Fachjargon nennt man das „versiegelt“. Das zuständige Umweltamt des Altmarkkreises räumte auf Anfrage der Kommune ein, es wisse nichts Konkretes über die aktuell dort lagernden Altlasten. Tiefer als 25 Zentimeter dürfe man beim möglichen Bau eines Spielplatzes auch nicht in das Erdreich eingreifen, um nicht eventuell böse Überraschungen hinsichtlich möglicher Schadstoffe zu erleben. Wird tiefer in das Erdreich eingegriffen, muss wegen der Gefahrenabwehr eine ganze Kette von Maßnahmen bis hin zu teuren Gutachten im ständigen Kontakt mit der Behörde beim Bau erfolgen. Fundamente für die üblichen Spielgeräte unter Umgehung der 25-Zentimeter-Auflage zu setzen, sei also kaum machbar, hieß es. Der Winterfelder Einwohner Sven Rühlmann, beruflich als Planer tätig, kontaktierte erneut das Umweltamt und sprach von einem „positiven Bescheid der Behörde“, die zuvor ernsthafte Bedenken über den Ersatz-Spielplatzstandort am Winterfelder Frischemarkt äußerte. Sogar von einem Sandkasten wird abgeraten. Stattdessen soll Rühlmann nun als Fachmann allen Ernstes Lösungen erarbeiten, wie doch noch mitten auf der Altlasten-Deponie ein Kinderspielplatz entstehen könnte, hieß es im Rat. So viel zum Stand der Winterfelder Spielplatz-Planungen – nach rund fünf Jahren Standort-Suche.

Einige Ratsmitglieder witterten diesbezüglich bereits die Schlagzeilen in der Presse. Daher war man sich am Dienstag auf Vorschlag des Ratsherrn Mark Wöllmann einig, erst einmal für 4000 Euro drei Test-Bohrungen am ehemaligen Deponie-Areal durchführen zu lassen, um herauszufinden, was für Stoffe im Untergrund der Gemeindefläche am Frischemarkt überhaupt zu finden sind. Bis dahin wird die weitere Spielplatzplanung vertagt. „Ich würde mein Kind da nicht spielen lassen“, kommentierte Ratsmitglied Matthias Gomell die plötzliche Wende in der Winterfelder Spielplatz-Diskussion um den Standort. Ähnlich äußerte sich der Recklinger Marno Schulz: „Kinder sind unser höchstes Gut. Daher sollte ein Spielplatz bedenkenlos und unbestritten sein.“ Bürgermeisterin Ninett Schneider plädierte für die Bodenbohrung und den Schadstoff-Check. Dann mache man Nägel mit Köpfen und wisse, „was am Standort Phase ist“. Allerdings kamen ihr in letzter Minute und quasi als Resultat der Ratsdiskussion Zweifel an den Plänen: „Wir machen hier gerade ein Fass auf“, meinte sie zu den geplanten Tests im Untergrund der Winterfelder Altlasten-Deponie.

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