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Container als Zwischenlösung für Beetzendorfer Hort-Problem empfohlen

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Von: Christian Reuter

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Zahlreiche Gäste verfolgten die Sitzung des VG-Sozialausschusses. Mit dem Hortneubau für die Beetzendorfer Grundschule stand ein wichtiges Thema auf der Tagesordnung. © Christian Reuter

Ein „Panik-Aufruf“ zu fehlenden Hortplätzen an der Beetzendorfer Grundschule hatte nicht nur an der Schule, sondern auch innerhalb des Sozial- und Einrichtungsausschusses der Verbandsgemeinde (VG) Beetzendorf-Diesdorf für gehörigen Wirbel gesorgt.

Beetzendorf - In dem Schreiben wurde darauf hingewiesen, dass die Zahl der Grundschüler im Schuljahr 2023/24 auf 150 steige, es aber nur für 86 einen Hortplatz geben werde, weil die Ausnahme-Genehmigung des Landkreises definitiv nicht verlängert werde. Dadurch würden 64 Hortplätze ab dem Sommer 2023 wegfallen. Um das zu verhindern, hat der VG-Sozialausschuss während seiner jüngsten Sitzung am Mittwoch die Empfehlung an den VG-Rat abgegeben, als Zwischenlösung für die fehlenden Hortplätze ein Gebäude in Modul- oder Containerbauweise auf dem jetzigen Standort auf dem Schulhof zu errichten.

Die Aula der Beetzendorfer Grundschule war am Mittwochabend gut gefüllt; zahlreiche Gäste waren gekommen, um zu erfahren, wie das Problem der fehlenden Hortplätze gelöst werden soll. Geplant ist bekanntlich ein Hortneubau, doch bisher konnten sich weder der VG-Rat noch seine Ausschüsse auf eine Variante festlegen. Deshalb war der Hamburger Architekt Daniel Kinz beauftragt worden, eine Machbarkeitsstudie zum Hortneubau zu erstellen (AZ berichtete). Kinz hatte fünf Varianten entwickelt, über die der VG-Sozialausschuss am Mittwoch beraten wollte.

Doch bevor es dazu kam, hatten die Einwohner das Wort. Was folgte, war eine teilweise sehr emotional geführte Debatte, in der sich die VG-Ratsmitglieder viele Vorwürfe anhören mussten. VG-Bürgermeister Michael Olms sagte, dass die Ausnahmegenehmigung für den Hort noch bis zum 31. Juli 2023 gelte: „Dadurch gibt es einen Handlungsdruck.“ Denn es sei erst einmal ein Enddatum, habe der Altmarkkreis Salzwedel mitgeteilt.

Bolzplatz
Die meisten Beetzendorfer können sich einen Hortneubau nur auf dem Bolzplatz neben der Grund- und Sekundarschule und der Mehrzweckhalle vorstellen. © Reuter, Christian

Carina Emig wollte wissen, was denn nach dem Fristablauf geschehen solle. Darauf erwiderte Olms, die VG könne ihrer gesetzlichen Verpflichtung, die Kinder zu betreuen, dann immer noch nachkommen, nur nicht mehr in Beetzendorf.

In Frage kämen dann Horte wie Diesdorf und Jübar. „Für die Beförderung der Kinder zur Hortbetreuung sind die Eltern zuständig“, stellte Olms klar. Daraufhin wurde es kurz laut im Saal, viele schienen diese Aussage nicht hinnehmen zu wollen. Etliche Eltern brachten ihre Sorge zum Ausdruck, dass sie nicht wüssten, wie sie ihre Kinder zum Hort bringen und wieder abholen sollen, denn sie könnten dafür ja nicht einfach ihre Arbeit unterbrechen, schon gar nicht, wenn sie weiter weg, vielleicht in Wolfsburg, arbeiten würden. Der Transport der Kinder könne nicht den Eltern aufgelastet werden.

Eine ehemalige Lehrerin der Schule sagte: „Die Kinder nach Jübar oder an einen anderen Ort zu fahren, das kann nicht sein, das ist ein Verbrechen am Kind.“ Sie sagte weiterhin, dass ein Hortneubau in Beetzendorf „unabdingbar“ sei und die Gemeinde dafür ja auch 300.000 Euro zur Verfügung stelle. Eine Frau aus dem Publikum meinte: „Kinder haben in diesem Land nicht die Lobby wie Tiere. Ein Tierschutzverein hätte das hier schon dichtgemacht.“ Die Mütter würden ihre Kinder nicht umsonst in den Hort schicken. „Sie haben Ihre Hausaufgaben nicht gemacht“, wandte sich die Frau direkt an die anwesenden VG-Räte. VG-Ratsfrau Ninett Schneider sagte, sie könne vieles verstehen, „was jetzt emotional hochkommt“. Der Sozialausschuss sei sich fast sicher gewesen, „dass die Containerlösung das Beste wäre, aber dann kam die Gemeinde und sagte: ,Wir wollen etwas anderes‘“.

Am Ende sprach sich der Ausschuss als Zwischenlösung für ein Gebäude in Modul- oder Containerbauweise auf dem Schulhof aus. Was den Hortneubau als (End-)Lösung betrifft, so empfahl der Ausschuss dem VG-Rat zwei Varianten: einen Neubau auf dem Bolzplatz oder dem Parkplatz der Schule.

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