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Apenburg: Burgfest gerettet

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Jung und Alt sorgten 2010 während der 13. Auflage des Mittelalterlichen Burgfestes in Apenburg für einen Besucherrekord. Damit die Erfolgsgeschichte fortgeschrieben werden kann, wurde nun die Gründung einer gemeinnützigen GmbH angeschoben. Foto: Archiv/mit

Apenburg. Das mittelalterliche Burgfest in Apenburg entwickelte sich in den zurückliegenden Jahren mehr und mehr zu einem Publikumsmagneten in der Region. Über 3 000 Besucher konnten bei der 13. Auflage im vergangenen September an der Alten Burg begrüßt werden.

Trotz dieser Erfolgsgeschichte drohte das Aus. Mit der nun in die Wege geleiteten Gründung einer gemeinnützigen GmbH mit dem geschichts-trächtigen Namen Siegel von Apenburg als Träger des Burgfestes scheint das Spektakel gerettet. Koordinator Andreas Schwieger blickte während des gestrigen Gesprächs mit der AZ zuversichtlich in die Zukunft: „Damit ist nun Planungssicherheit für die nächsten Jahre gegeben.“

Rückblick: Mit einer knappen Entscheidung hatte der Apenburg-Winterfelder Gemeinderat Mitte Januar beschlossen, die Trägerschaft für das Apenburger Burgfest zu beenden (wir berichteten). Hintergrund dieses Ratsbeschlusses war, dass der Gemeinde aufgrund der prekären Haushaltslage in absehbarer Zeit eine Zwangsverwaltung droht. Mit dieser würden sofort alle freiwilligen Aufgaben gestrichen – egal, ob sie der Gemeinde etwas kosten oder nicht. Im Falle des vergangenen Burgfestes hatten sich Einnahmen und Ausgaben gedeckt, sodass die Gemeindekasse nicht angerührt werden musste.

Fieberhaft wurde seit dem Ratsbeschluss nach Lösungen gesucht. Gespräche mit der Kirche, dem Altmarkkreis sowie dem Landesverwaltungsamt folgten. Die Idee für die Gründung einer gGmbh bekam Andreas Schwieger schließlich von Nathalie Keurmeur, der Leiterin des EuroLandArt-Projektes von 2006. „Der Unterschied zur normalen GmbH ist, dass Spenden angenommen und keine Gewinne erwirtschaftet werden dürfen“, erläuterte der Apenburger, der als geschäftsführender Gesellschafter eingesetzt wird.

Aus den Reihen der Ratsmitglieder kam unterdessen der Vorschlag, dass sich die Gemeinde Apenburg-Winterfeld an der gGmbh beteiligt, und zwar mit ausgewählten Sachwerten aus dem Leader-Plus-Projekt „Kulturpunkt Alte Burg“, zu denen unter anderem Bühne, Musikanlage und Toilettenhäuschen gehören. Damit sollte, so Andreas Schwieger, gleichzeitig eine Rechtsnachfolge für das nur noch auf dem Papier bestehende Projekt besiegelt werden, um eventuelle Rückforderungen von geflossenen Fördermitteln zu entgegnen. Während einer kurzfristig anberaumten Ratssitzung in der vergangenen Woche wurde dies jedoch mehrheitlich abgelehnt. Die Nutzung der Anschaffungen während der kommenden Burgfeste soll nun durch einen Pachtvertrag geregelt werden.

Mittlerweile sitzt dem Burgfest-Koordinator allerdings die Zeit im Nacken. Bis zum 14. Burgfest am 3. und 4. September sei laut Aussage der beauftragten Anwältin die Geschäftsfähigkeit der gGmbh kaum herzustellen. Um aber die Vertragsabschlüsse mit den Künstlern, Händlern und Ausstellern auf den Weg bringen zu können, hat sich mittlerweile die Gemeinde bereit erklärt, die Trägerschaft überbrückend zu übernehmen.

„Mit der Gründung der gemeinützigen GmbH wird ein symbolisches Haus geschaffen. Es hat ein Dach, es schützt vor Wind, Regen und warm ist es auch“, erklärt Andreas Schwieger. Nun müsse in das Haus Leben einkehren. Die gGmbh verstehe sich als Plattform für alle kreativen Kräfte aus Apenburg und Umgebung. „Die Themen sind vielfältiger als so mancher ahnt. Das Mittelalter soll aber den Kernpunkt bilden“, so der Koordinator, der sogar schon ein Burgfest-Thema für 2012 gefunden hat.

In diesem Jahr stehen zunächst die dramatischen Ereignisse des Jahres 1343 im Mittelpunkt. An zwei Tagen soll nachgespielt werden, wie Apenburg erstürmt, in Schutt und Asche gelegt und schließlich wieder aufgebaut wurde. Hierfür werden wieder zahlreiche Laienschauspieler gesucht. Beim Kulissenbau haben bereits die Mitglieder der Bogenbau-AG der Sekundarschule Kalbe ihre Unterstützung zugesagt. Die Kinderkirche unter Leitung der Gemeindepädagogin Claudia Dennhof wird zudem die Glocke der abgebrannten Apenburger Kirche nachbauen. Diese soll mit viel Symbolkraft eine Schlüsselrolle beim Wiederaufbau des Ortes eingenommen haben. Ein Sonderheft über die Ursprünge Apenburgs will Günter Schröder beisteuern. In diesem soll nach 668 Jahren auch die Frage beantwortet werden, wer Apenburg letztlich angezündet hatte.

Von Matthias Mittank

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