„Wir wollen einen Schlussstrich ziehen“

Bürgerinitiative kämpft weiter gegen Windvorranggebiet Siedenlangenbeck

BI „Pro Jeetzetal“ und Staatssekretär Klaus Rehda im Jeetzetal bei Siedenlangenbeck
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Staatssekretär Klaus Rehda (v.r.) besuchte am Donnerstag, 17. Juni, das Jeetzetal bei Siedenlangenbeck, wo ursprünglich mal Windräder errichtet werden sollten und kam dazu mit Kuhfeldes Bürgermeister Günther Serien, Jörn Thaute und Enrico Lehnemann (BI „Pro Jeetzetal“) sowie Dr. Dirk Schäffer (Verein Vogelschutz-online) ins Gespräch.
  • Christian Reuter
    VonChristian Reuter
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Im Windvorranggebiet Siedenlangenbeck sollten mitten im Jeetzetal Windräder errichtet werden. Doch bereits 2018 zog der Vorhabenträger Enercon seinen Genehmigungsantrag zurück.

Allerdings ist das Windvorranggebiet bis heute noch nicht aus dem Regionalen Entwicklungsplan Altmark gestrichen worden, was die Bürgerinitiative (BI) „Pro Jeetzetal“ fordert. Deshalb trafen sich am Donnerstag, 17. Juni, BI-Vertreter und Dr. Dirk Schäffer vom Verein Vogelschutz-online in Siedenlangenbeck mit Klaus Rehda, Staatssekretär im Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Energie des Landes Sachsen-Anhalt.

Die BI „Pro Jeetzetal“ war 2014 mit dem Ziel gegründet worden, keine Windräder im Jeetzetal zuzulassen. Und der Kampf der engagierten Bürger um Enrico Lehnemann und Jörn Thaute hat sich gelohnt: 2018 zog Enercon seinen Antrag für eine Genehmigung zurück, mit der Begründung, dass eine Genehmigung aus naturschutzfachlicher Sicht scheitern würde. Denn zuvor hatten die Untere Naturschutzbehörde eine Genehmigung abgelehnt und zudem die Gemeinde Kuhfelde dem Vorhabenträger die Zuwegung versagt.

Doch das Windvorranggebiet Siedenlangenbeck steht auch weiterhin im Regionalen Entwicklungsplan Altmark, über den die Regionalversammlung entscheidet. „Aber die Regionalversammlung ist bisher leider untätig gewesen“, sagte Lehnemann. Deshalb hat die BI inzwischen zwei Petitionen (die erste 2018, die zweite im April 2021) an den Petitionsausschuss des Landtags von Sachsen-Anhalt eingereicht. „Wir möchten einen Schlussstrich ziehen und wieder Ruhe haben“, begründete Lehnemann das Vorgehen der BI.

„Das Projekt macht hier keinen Sinn. Der gesunde Menschenverstand sagt einem schon, dass das im Jeetzetal nicht möglich sein sollte“, erklärte Kuhfeldes Bürgermeister Günther Serien. Man sei nicht komplett gegen Windräder, aber an diesem Standort mache das keinen Sinn. Daher habe der Gemeinderat das Projekt auch abgelehnt. Durch das Engagement der BI „ist uns bewusst geworden, in welcher wertvollen Gegend wir hier wohnen“, äußerte Serien.

Dies konnte Dr. Dirk Schäffer vom Verein Vogelschutz-online mit vielen Zahlen eindrucksvoll belegen. So sei das Jeetzetal ein Brut-, Rast- und Überwinterungsgebiet für 158 Vogelarten, wovon 20 als „windsensibel“ eingestuft worden seien. „Fünf Vogelarten gibt es schon nicht mehr, und die gesamten Greifvögel sitzen um das Windvorranggebiet herum“, betonte Schäffer.

Staatssekretär Klaus Rehda erklärte, es traue sich wohl keiner, einen Schlussstrich zu ziehen. Rehda sagte zu, dass Thema Windvorranggebiet Siedenlangenbeck mit nach Magdeburg zu nehmen, wies aber auch auf einen schwierigen Spagat hin. „Wir wissen, dass wir erneuerbare Energien brauchen, aber wir wollen nicht, dass Biotope verschwinden“, so der Staatssekretär.

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