Hitler-Adjutant Fritz Darges sollte der Schwager des Diktators werden

Eva Braun und der Mann aus Dülseberg

Fritz Darges (r.) während seines letzten Besuches in Schadeberg, hier zusammen mit Hausbesitzer Uwe Schäfer. Darges ließ sich kurz vor seinem Tod durch sein Geburtshaus führen.

Dülseberg / Schadeberg. Umfangreich ist der Bestand an historischer Literatur in der Diesdorfer Gemeindebibliothek über die Zeit des Zweiten Weltkriegs. Doch kaum jemand kennt den direkten Bezug des aktuellen Buches der Historikerin Heike B.

Görtemaker zur westlichen Altmark und zum „Hansjochenwinkel“. In ihrem Buch „Eva Braun – Ein Leben mit Hitler“, erschienen im dtv-Verlag, schildert die Autorin unter anderem das Verhältnis zu dem in Dülseberg geborenen, späteren Adjutanten von Adolf Hitler, Fritz Darges.

Dieser sollte die jüngere Schwester von Eva Braun, Gretl Braun, heiraten. Sie hatte sich in den schneidigen SS-Offizier verliebt. Damit wäre ein gebürtiger Dülseberger um ein Haar Hitlers Schwager geworden. Doch es kam alles anders.

Darges ging auf Distanz

zu Gretl Braun

Darges hatte „Muffensausen“ und ging auf Distanz zu Gretl Braun. Eva Braun und Hitler bemühten sich als Kuppler in der Affäre, wie neben der Autorin Heike B. Görtemaker auch Hitlers Sekretärin Traudl Junge in ihrem Buch „Bis zur letzten Stunde“ zu berichten weiß. Das Buch ist neben Albert Speers „Erinnerungen“ und Erich Schaakes „Hitlers Frauen“ ebenfalls in der Diesdorfer Bibliothek vorrätig.

Wie die Autorinnen Junge und Görtemaker weiter berichten, gehörte Gretl Braun ab 1936 zum „inneren Berghof-Kreis“ um Hitler. Gretl durfte ihre ältere Schwester Eva Braun außerdem auf Auslandsreisen, wie zum Beispiel nach Italien, begleiten. Fritz Darges übernahm genau während dieser diplomatischen Mission bei Diktator Mussolini als Adjutant die Aufgabe eines „Reisemarschalls“. Ausgestattet mit einer üppigen Summe Bargeld, musste er sich um die Damen und deren Besichtigungstouren kümmern. Laut Traudl Junge war Gretl Braun damals in den SS-Obersturmbannführer und persönlichen Führer-Adjutanten Fritz Darges verliebt. Dem sei ihre Zuneigung jedoch wegen der persönlichen Nähe zu Hitler „ein bisschen zu gefährlich und zu wenig privat“ gewesen.

Auch Hitler habe gelegentlich versucht, die Schwester seiner Freundin zu verheiraten. Das glückte schließlich doch noch: Im Juni 1944 heiratete Gretl Braun schließlich den SS-Gruppenführer Hermann Fegelein auf dem Obersalzberg bei Berchtesgaden. Das Glück war aber nur von kurzer Dauer, denn Hitler ließ Fegelein wenige Tage vor Kriegsende als Fluchtverdächtigen und Verräter erschießen.

Nachrichten überschlugen

sich nach Darges Tod

Friedrich Darges, Hitlers vorletzter Adjutant, ist vor zwei Jahren in Celle gestorben. Kaum jemand wusste bis dahin, dass er in Schadeberg (Dülseberg) bei Diesdorf geboren wurde. In einem kleinen Raum im Obergeschoss der alten Dampfmolkerei von Schadeberg, das damals noch zu Dülseberg gehörte, erblickte Fritz Darges am 8. Februar 1913 als Sohn des Schadeberger Molkereimeisters das Licht der Welt. Erst nach seinem Tode überschlugen sich die Nachrichten darüber, was Darges den meisten Menschen verschwiegen hatte.

Denn Darges war nach seiner 1930 in Hermannsburg absolvierten Mittleren Reife und anschließenden Ausbildung zum Exportkaufmann in Hamburg im April 1933 der SS beigetreten. Nach der „Weihe“ an der SS-Junkerschule Bad Tölz machte er schnell Karriere. Sie führte ihn ab 1936 in den engsten Machtbereich des NS-Staates und gipfelte dienstgradmäßig darin, dass er Ende Januar 1944 zum SS-Obersturmbannführer ernannt wurde. Nachdem er als Kommandeur das SS-Panzerregiment „Wiking“ bei Budapest führte, wurde ihm das Ritterkreuz verliehen.

Fritz Darges verbrachte seine gesamte Kindheit in der Region des „Hansjochenwinkels“. In Dähre wurde er getauft, in Dülseberg besuchte er die Volksschule und in Diesdorf ist er konfirmiert worden.

Dass er seinerzeit Eva Brauns Schwester Gretl verschmähte, weil die Beziehung „zu gefährlich“ war, hat sich letztlich bewahrheitet. Dieser Umstand hat ihm gegen Kriegsende offensichtlich das Leben gerettet.

Buch mit historischem

Bezug zur Diesdorfer Region

Inzwischen gibt es bereits die ersten Kritiken von Lesern des Eva-Braun-Buches von Heike B. Görtemaker aus der Region Diesdorf. Simone Ritzer aus Peckensen hat das Buch mit Begeisterung gelesen: „Ich fand es spannend und toll, diese Zeit aus der Sicht der Frauen zu sehen. Der historische Bezug zu unserer Diesdorfer Region ist dabei besonders interessant“, sagte Simone Ritzer der Altmark-Zeitung.

Von Kai Zuber

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