„Es ist eine Frechheit“

Brandbekämpfer kritisieren das Beobachten von Feuerwehren

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Das Gerätehaus in Schadewohl: Die dortige Löschgruppe ist eine von vier, die derzeit zusammen mit 14 Ortswehren der VG den Beobachtungs-Status erfüllen.

Beetzendorf-Diesdorf – Mit der sogenannten „Beobachtung“ einiger, vor allen Dingen kleiner Feuerwehren und Löschgruppen, zieht Bert Juschus Unmut auf sich.

Ordentlich Gegenwind von der Feuerwehr-Basis gibt es für den stellvertretenden Kreisbrandmeister und Chef des Beetzendorf-Diesdorfer Feuerschutzausschusses im Zusammenhang mit einigen Punkten der aktuell auf den Weg gebrachten Risikoanalyse der Verbandsgemeinde (VG) Beetzendorf-Diesdorf, die derzeit beim Altmarkkreis liegt und bestätigt werden soll.

„Es ist eine Frechheit, hier eine rote Liste aufzustellen und öffentlich zu sagen, dass Feuerwehren unter Beobachtung stehen. So etwas sollte intern besprochen werden“, wetterte zum Beispiel Abbendorfs Gruppenführer und langjähriger Wehrchef Heiko Fricke. Er sehe das als „eine schändliche Aktion der VG gegenüber der Freiwilligkeit der Feuerwehren“ an. „Es zeigt, dass die Verbandsgemeinde großkotzige und gegebenenfalls unüberlegte Entscheidungen über eine bestehende Freiwilligkeit trifft“, so Fricke weiter.

Hintergrund: Einige Feuerwehren der Verbandsgemeinde (VG) Beetzendorf-Diesdorf sind derzeit „unter Beobachtung“, wie Bert Juschus auf mehreren Jahreshauptversammlungen immer wieder durchblicken ließ. Anlass ist diesbezüglich unter anderem die Stärke der aktiven Truppe, die Dienstbeteiligung und der Stand der Ausbildung.

Auch der Kortenbecker Ortswehrleiter Michael Lücke will sich mit dem Begriff nicht abfinden. „Wir waren als Bewohner eines Grenzortes in der DDR-Vergangenheit lange genug unter Beobachtung“, meinte der Kortenbecker an die Adresse von Bert Juschus.

Bert Juschus, Vorsitzender des Feuerschutz-Ausschusses

Der Vorsitzende des Feuerschutz-Ausschusses der VG konterte jedoch mit der Risiko-Analyse für die 40 Wehren. Diese sei erarbeitet worden, um als Entscheidungs- und Rechtsgrundlage dem Verbandsgemeinderat dienen zu können, argumentierte Juschus. Als Antwort auf die Feuerwehr-Kritik seitens der Basis setzte der Beetzendorfer bei einer Versammlung in Winterfeld sogar noch einen obendrauf: „Nur getroffene Hunde bellen.“

Wegen mangelnder Dienstbeteiligung, Ausbildung und Führungsstruktur „unter Beobachtung“ geraten waren in den vergangenen Wochen unter anderem die Feuerwehr Siedengrieben und die Löschgruppe Schadewohl. Dazu bemerkte Heiko Fricke, der für seine Kritik auch Rückendeckung aus den Wehren Wallstawe und Winterfeld erhielt: „Wenn erst einmal eine kleine Wehr geht, kommt sie sicherlich nicht wieder. Auch mit Zusammenführungen von Wehren sind nicht alle einverstanden.“

Wo die Struktur in Ordnung sei, sollte man die Finger von lassen, sonst breche eines Tages die ganze Struktur wie ein Kartenhaus zusammen, meinte Fricke. Während der Hauptversammlung in Wallstawe versuchte VG-Bürgermeister Michael Olms die Wogen zu glätten: Man wolle nichts übers Knie brechen und anordnen, hieß es. „Wir wollen in der Sache kritisch schauen, aber mit Bedacht“, so Olms.

In der VG Beetzendorf-Diesdorf sollen Ortswehren mit einer Personalstärke von unter 18 Aktiven künftig „beobachtet“ werden. Unter zehn Aktiven soll eine Überprüfung erfolgen – vor allem, wenn sich keine Führungskraft mehr findet. Resultat könnte zum Beispiel die Angliederung dieser Truppe als Löschgruppe an eine starke Nachbarwehr sein. Nach jenem Vorgehen wären damit künftig 14 Ortswehren und vier Löschgruppen in der Region unter Beobachtung.

VON KAI ZUBER

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