27-Jähriger beißt Mann Stück vom Ohr ab

Blutige Rangelei an Altmärker Bushaltestelle

Apenburg-Winterfeld – Ein 27-Jähriger hat bei einer Prügelei in der Gemeinde Apenburg-Winterfeld seinem Opfer ein Stück vom Ohr abgebissen. Das fällige Urteil vor dem Salzwedeler Amtsgericht schwächte Richter Dr. Klaus Hüttermann aber zugunsten des Angeklagten ab.

Der 27-jährige arbeitslose Angeklagte hatte am 31. August vergangenen Jahres stark gefeiert. Mit 2,28 Promille kam es zu einer Auseinandersetzung mit einem 32-Jährigen. Die beiden Männer waren an einer Bushaltestelle in Apenburg-Winterfeld aneinandergeraten. Erst nur mit Worten, doch kurz darauf auch handgreiflich. Im Affekt habe der Angeklagte dem 32-Jährigen ein Stück von dessen linkem Ohr abgebissen, so der Vorwurf. Ein Zeuge bemerkte die Rauferei und rief die Polizei.

Nun saß der Beschuldigte auf der Anklagebank. Richter Hüttermann stellte dem jungen Mann ein paar Fragen. Doch auf jede antwortete der Angeklagte kurz angebunden. Dennoch gestand er, wollte den Tatablauf jedoch nicht erläutern. „Was wollen Sie weiter von mir? Machen Sie das Urteil und tschüss. Sie nerven langsam“, richtete er unhöfliche Worte an den Richter. Daraufhin fragte Hüttermann die Bewährungshelferin, ob der 27-Jährige immer so gestresst sei. Diese sagte, sie erkenne den Arbeitslosen nicht wieder, er sei sonst lieb und nett, aber nie so aufgebracht.

Die Nachfrage, ob es psychologische Betreuung gibt, verneinte die Bewährungshelferin. Hüttermann beließ es dabei und befragte die zwei Zeugen. Die Aussagen passten zum Ablauf, und somit kam der Richter direkt zur Urteilsfällung. Ein Dutzend Straftaten hätte der Angeklagte bereits begangen, unter anderem Diebstahl, Körperverletzung, Verstoß gegen das Waffengesetz und Missbrauch des Notrufs. Außerdem laufe die Bewährung des 27-Jährigen noch bis ins kommende Jahr.

Die Staatsanwältin forderte eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 20 Euro – aufgrund der Menge der Vergehen. Richter Hüttermann legte das Urteil, nachdem sich der Angeklagte erneut nicht äußern wollte, auf 120 Tagessätze zu je 13 Euro fest.

„Sie haben viel Gerichtserfahrung. Außerdem liegt trotz des hohen Alkoholwerts keine verminderte Schuld vor. Ich glaube, dass wir hier einen alkoholgewöhnten Menschen vor uns haben“, erklärte Hüttermann ruhig. Kaum war das Urteil gesprochen und angenommen, stürmte der Angeklagte aus dem Gerichtssaal.

VON LYDIA ZAHN

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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