Nadine Fischer vom Imkerverein Beetzendorf spricht auch über Pestizidgefahren

Bienen-Frühling naht in großen Schritten

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Großes Gedränge am Flugloch: Der Bienen-Frühling mit dem Erwachen des Lebens im Bienenstock naht in großen Schritten. Das ist dem Anstieg der Außentemperaturen zu verdanken.

Beetzendorf. Der Bienen-Frühling mit seiner Blütenpracht und dem Erwachen des Lebens im Bienenstock naht mit großen Schritten. Zu Verdanken ist das dem Anstieg der Außentemperaturen.

Nadine Fischer vom Imkerverein Beetzendorf hat sich über die Gefahren von Pestiziden und Monokulturen in der Landwirtschaft Gedanken gemacht. „Alles beginnt zu erwachen. Für den Imker ist das die spannendste Zeit im Jahr.“ Mehrere Monate gibt es keinen Einblick in das Volk, muss mit der Ungewissheit leben, ob und wie der Start in das nächste Frühjahr erfolgt.

„Nun weiß man es endlich und erfreut sich an jeder Biene, die auf den ersten Schneeglöckchen oder Weiden sitzt“, erzählt die junge Frau aus Poppau. Die Jung-Imkerin hört oft von älteren Imkerkollegen, dass früher die Bienenhaltung sehr viel einfacher gewesen sei. Da habe man zehn Völker eingewintert und auch zehn Völker ausgewintert. Heutzutage gilt es fast als normal, wenn man bis zu 30 Prozent seiner Völker über den Winter verliert.

„Ich habe auch knapp 30 Prozent verloren. Allerdings schon im Spätherbst. Plötzlich waren kaum mehr Bienen in der Bienenbeute. Ein Fall von Varroamilben-Befall, dachte ich“, erklärt Nadine Fischer.

Die Frühblüher sind das erste Ziel der fleißigen Sammler.

Am Wochenende war sie auf einer Imkertagung und lauschte interessiert dem Vortrag von Prof. Dr. Dr. Randolf Menzel über den Einfluss von Pestiziden auf die Bienengesundheit. Dieser konnte nachweisen, dass besagte Pflanzenschutztmittel die Gedächtnisleistung, Navigation, Erinnerung und Kommunikation von Bienen stark beeinträchtigt. Getestet wurden sowohl Einzeldosierungen, aber auch minimale Mehrfachdosierungen, was häufig durch gebeizte Samen und den daraus wachsenden Pflanzen geschieht. Die getesteten Bienen fanden nur sehr verzögert oder gar nicht zu ihrem Stock zurück und zeigten ein deutlich verändertes Kommunikationsverhalten.

„Ich weiß nicht, ob man wissen muss, wie ein Bienenvolk funktioniert, um zu verstehen wie wichtig für den Fortbestand eines Volkes Kommunikation und Gedächtnisleistungen sind“, so die Poppauerin.

Jedenfalls, so Fischer, kann sie mit diesen Aussagen eine Erklärung für ihre leeren Bienenbeuten herleiten. Leider können solche Schäden nur sehr schwer und kostenaufwendig nachgewiesen werden. Zum einen liegt es, laut Fischer, daran, dass man in der Beute kaum Material für eine Untersuchung vorfindet; des Weiteren ist das Pestizid schon nach kurzer Zeit nicht mehr nachweisbar.

Viele, der sogenannten Pflanzenschutzmittel kann der Verbraucher in jedem handelsüblichen Supermarkt oder Baumarkt erhalten. Zum Teil sogar mit einer Kennzeichnung auf der Verpackung, dass das Produkt für Bienen nicht gefährlich sei. „Fakt ist, dass in den letzten Jahren, in vielen Gegenden die Insektenbestände um 75 Prozent zurück gegangen sind. Das ist auf die starke Verwendung von Pflanzenschutzmitteln und die weitverbreitete Monokultur zurückzuführen“, meint Nadine Fischer.

Wildbienen, Hummeln, Hirschkäfer, Schmetterlinge, Grillen, Heuschrecken, gar Fliegen und Mücken seien bedroht. Der weitere Kreislauf seien dann Vögel, welche die nächste Gruppe in der Nahrungskette sind. „Es wird immer stiller auf unseren Wiesen, Weiden und Feldern“, befürchten viele Imker aus der Region. Dass der Mensch auch ein Teil dieser Nahrungskette sei, lasse sich auch nicht mehr lange verdrängen. Bienen sind die Hauptbestäuber vieler Nutzpflanzen.

Versuche zur Bestäubungsleistung durch Bienen ergaben einen höheren Ertrag um teilweise 80 Prozent. „Ohne Bienen hätten wir kaum Äpfel, Birnen, Pflaumen, Kirschen, Mirabellen oder Erdbeeren. Nicht ohne Grund haben Imker früher Bestäubungsprämien für den Einsatz ihrer Bienen bekommen“, so Fischer abschließend.

Von Kai Zuber

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