Beetzendorfer Speicher vor dem Ende / Denkmalbehörde soll entscheiden

Kornhaus: Abriss droht

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Irmgard Tepelmann hat allerhand Informationen zum Kornspeicher in Beetzendorf vorliegen. Sie selbst begann dort eine kaufmännische Lehre. Seit gestern hängen vor dem Gebäude Schilder, die auf Einsturzgefahr hinweisen.

Beetzendorf. Das Kornhaus in Beetzendorf an der Lindenstraße steht offenbar kurz vor dem Abriss. Nach Kenntnis von Irmgard Tepelmann (Heimatfreunde Beetzendorf) liegt dazu ein Antrag beim Landesamt für Denkmalpflege in Halle vor.

Der Besitzer des ortsprägenden Gebäudes und die Untere Denkmalschutzbehörde beim Altmarkkreis waren gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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Für Irmgard Tepelmann wäre eine Zerstörung des historischen Kornspeichers ein Unding. „Es gibt genug Beispiele, dass es für Gebäude dieser Art eine weitere Nutzung geben kann“, betont Tepelmann und zählt unter anderem die Molkerei (heute: Verwaltung der Verbandsgemeinde), das Charlotten-Stift (Seniorenheim) und das ehemalige Amtsgericht (Gymnasium) auf. Eine Idee für eine Nutzung des Kornspeichers hat sie derzeit allerdings selbst auch nicht.

Dafür, dass ein Abriss des 1900 gebauten Kornspeichers bevorsteht, spricht auch die Tatsache, dass am Gitter zur Absperrung des Gehweges seit gestern neue Schilder hängen. „Vorsicht! Einsturzgefahr“, wird darauf eindeutig gewarnt. Das Dach eines Nebengebäudes ist schon in sich zusammengefallen. Diesen Verfall kann Irmgard Tepelmann nicht nachvollziehen.

Für das Ehrenmitglied der Heimatfreunde ist der Verfall des gesamten ehemaligen „Wirtschaftszentrums“ in Beetzendorf ein trauriger Anblick. Damit meint Tepelmann neben dem Kornspeicher auch das ehemalige Kulturhaus und das Bahnhofsgebäude. Die 84-jährige warnt vor einer großen Brachfläche mitten im Ort.

Irmgard Tepelmann begann selbst eine kaufmännische Lehre bei der Altmark-Kornhaus eGmbH Beetzendorf. Das war kurz nach dem 2. Weltkrieg. „Die Währungsreform 1948 habe ich in dem Haus noch mitgemacht“, berichtet die Heimatfreundin. Die Genossenschaft war erst 1899 gegründet worden. Zum 50-jährigen Bestehen kam bereits das Ende – der Betrieb wurde verstaatlicht.

„Denkmalschutz schützt nicht vor Abriss“, ist der Seniorin klar, dass dem Gebäude das Ende droht. Sie weiß auch, dass die Meinungen im Dorf auseinander gehen. „Hier sagen einige: ‘Macht doch das olle Dingen weg‘“, erzählt Tepelmann. Für sie bleibt es jedoch ein historischer Kern des Ortes.

Von David Schröder

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